Guillain-Barré-Syndrom

EMA untersucht Fälle von schwerer Nervenerkrankung nach AstraZeneca-Impfung

Das Guillain-Barré-Syndrom ist bereits als schwere Folge von Covid-19-Erkrankungen aufgetreten. Gibt es nun auch einen Zusammenhang mit der Impfung?
Das Guillain-Barré-Syndrom ist bereits als schwere Folge von Covid-19-Erkrankungen aufgetreten. Gibt es nun auch einen Zusammenhang mit der Impfung?
© dpa, Stefan Sauer, sts hjb vco

11. Mai 2021 - 16:16 Uhr

Stehen mehrere Fälle des Guillain-Barré-Syndroms im Zusammenhang mit der Impfung?

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA untersucht derzeit Fälle einer seltenen Nervenerkrankung im Zusammenhang mit der Corona-Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Im Rahmen einer regelmäßigen Überprüfung der Sicherheitsberichte für den Wirkstoff Vaxzevria – wie das Vakzin von AstraZeneca mittlerweile heißt – würden Daten zu aufgetretenen Fällen des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) unter die Lupe genommen, teilte die EMA am Freitag mit, ohne die Zahl der Fälle zu beziffern. Von AstraZeneca habe man detaillierte Daten angefordert. Der britisch-schwedische Pharmakonzern wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Guillain-Barré-Syndrom bereits als schwere Folge von Covid-19 bekannt

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine Erkrankung der Nerven, bei der das eigene Immunsystem die Ummantelung der Nervenzellen attackiert. Bereits im Januar wurde bekannt, dass GBS eine seltene, aber schwere Komplikation nach einer Corona-Infektion sein kann. Mindestens 100 solche Fälle der entzündlichen Erkrankung der Nerven mit Lähmung von Muskeln seien weltweit beschrieben, sagte Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, damals der Deutschen Presse-Agentur. Die Häufigkeit werde wahrscheinlich unterschätzt, darauf ließen Daten etwa aus Italien schließen.

Die Erkrankung mit einer mitunter kompletten Lähmung der Muskeln tritt sowohl nach bakteriellen als auch nach viralen Infekten auf. Vergleichsweise häufig wird sie als Folge einer Infektion mit dem Zika-Virus beobachtet.

Beim Coronavirus sei man zunächst nicht von einer Koppelung ausgegangen, sagte Thomas Pfefferkorn, Direktor der Klinik für Neurologie am Klinikum Ingolstadt. Er hatte Anfang April 2020 einen der ersten nach einer Corona-Infektion betroffenen Patienten in Deutschland behandelt. "Zu dem Zeitpunkt damals hat man gedacht, das gäbe es eigentlich nicht." Dann aber hätten mehrere Patienten nach einer Corona-Infektion die Erkrankung gezeigt - "so dass man jetzt sicher sein kann: Es gibt diese Komplikation".

Fünf Prozent der Patienten sterben an GBS

Berlit schätzte die Zahl beschriebener Fälle in Deutschland im Januar auf etwa 20. Etwa 80 Prozent der Betroffenen werden demnach wieder vollständig gesund. Mitunter bleiben Funktionsausfälle. Fünf Prozent der Patienten sterben.

Beim Guillain-Barré-Syndrom werden durch eine überschießende Autoimmunreaktion Nerven geschädigt, sodass sie keine Reize mehr übertragen können. Folgen sind Lähmungen. Sie beginnen meist in den Beinen und erfassen dann auch Arme und Gesicht bis hin zur Atemmuskulatur, so dass Patienten beatmet werden müssen - was besonders schwierig wird, wenn die Lunge durch das Coronavirus schon geschädigt ist.

Forscher haben in mehreren Studien über den Zusammenhang zwischen GBS und Covid-19 berichtet. Einer Analyse im "Journal of Neurology" zufolge erkranken Betroffene meist einige Tage bis etwa drei Wochen nach der Corona-Infektion an dem Syndrom.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Herzmuskelentzündungen nach Biontech- und Moderna-Impfung

Die EMA will nach Angaben von Freitag zudem Fälle von Herzmuskelentzündungen im Zusammenhang mit den Impfstoffen von Biontech und seinem US-Partner Pfizer sowie von Moderna analysieren. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass die aufgetretenen Fälle durch die Impfungen verursacht wurden. Pfizer und Biontech teilten mit, sie unterstützten die Untersuchungen der EMA, sie sähen aber keinen Zusammenhang zu ihrem Vakzin, nachdem weltweit mehr als 450 Millionen Dosen verimpft worden seien. Es sei kein gehäuftes Auftreten von Myokarditis beobachtet worden. Von Moderna war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Lese-Tipp: Herzmuskelentzündungen durch Biontech: Gibt es einen Zusammenhang? Dr. Zinn schätzt ein

14 Tote in Deutschland nach AstraZeneca-Impfung

Die Zahl der schweren Thrombosefälle nach einer Impfung mit dem Coronavirus-Vakzin von AstraZeneca ist einem Bericht zufolge weiter gestiegen. Wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf den neuen Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts schreiben, seien bis zum 30. April 67 Fälle gemeldet worden. 14 Personen seien gestorben. Bei den meisten Fällen habe es sich um Sinusvenenthrombosen gehandelt. (rts/dpa/akr)

AUDIO NOW Podcast Empfehlung zum Thema Corona

10 Fakten zur Corona-Impfung

Für viele Menschen rückt der erste Corona-Impftermin immer näher. Aber noch sind viele Fragen offen und täglich kommen neue hinzu. Wann kann ich mir einen Termin machen? An wen kann ich mich für einen Impftermin wenden? Darf ich mir meinen Wirkstoff selbst aussuchen und muss ich nach der Impfung die AHA-Regeln beachten? Sollte ich mich impfen lassen, obwohl ich schon Corona hatte? Diese und weitere Fragen beantworten wir hier in unserer Web-Story.

TVNOW-Doku "Kinder in der Corona-Krise"

Das Coronavirus hält die Welt seit mehr als einem Jahr in Atem und ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wie geht es unseren Kindern in der Pandemie und wie wirken sich z. B. Lockdown-Beschränkungen auf sie aus? In der TVNOW Dokumentation "Kinder in der Corona-Krise" erzählen Kinder und Jugendliche, was ihre größten Herausforderungen sind.

Auch interessant