Prozess in Duisburg

Jugendamt und Oberbürgermeister bedroht: Impfgegnerin zu vier Monaten Haft verurteilt

Impfausweis mit angekreuzter Masern-Impfung
Impfausweis mit angekreuzter Masern-Impfung
© imago images/Christian Ohde, Christian Ohde, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

02. März 2020 - 10:30 Uhr

Mutter wollte verhindern, dass ihre Tochter gegen Masern geimpft wird

In Duisburg stand am Freitag eine Frau vor Gericht, die offenbar mit allen Mitteln verhindern wollte, dass ihre Tochter gegen Masern geimpft wird. Die Angeklagte gestand, die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes in einer E-Mail bedroht zu haben, nachdem die Behörde ihr mitteilte, das Mädchen gegen Masern impfen zu wollen. Das Kind befand sich zum Zeitpunkt der Impfung in Obhut des Jugendamtes. Auch dem Oberbürgermeister von Duisburg schickte sie einen Brief, in dem sie ihm sinngemäß "den Krieg erklärte", sollte ihre Tochter wirklich geimpft werden. Die 44-Jährige wurde nun zu vier Monaten Haft verurteilt.

Mädchen wurde trotz der Drohbriefe geimpft

"Wenn Sie entscheiden, dass ich in Haft gehen soll, dann ist das so. Ist vielleicht auch besser, draußen ist es kalt", sagte die Angeklagte, bevor der Richter sein Urteil sprach. "Sie können entscheiden, wie Sie möchten."

Sie sei keine "hardcore" Impfgegnerin erklärte die Frau im Prozess. Sie sei aber von Ärzten gewarnt worden, dass ihre Tochter nicht für eine Impfung geeignet sei. Das sei gefährlich für ihr Kind. Das Mädchen kam vorübergehend in einer Pflegefamilie unter und lebt inzwischen bei seinem Vater. Gegen die Masern geimpft wurde es trotz der Drohbriefe der Mutter.

Mutter erklärte dem Oberbürgermeister in ihrem Brief den Krieg

Prozess gegen Impfgegnerin in Duisburg
Die Mutter gestand im Prozess in Duisburg, dass sie das Jugendamt und den Oberbürgermeister schriftlich bedroht hatte.
© dpa, Fabian Strauch, fst kde

Die 44-Jährige, die unter anderem wegen Kindesentziehung vorbestraft ist, wollte auch als das Jugendamt ihr Druck machte, unbedingt verhindern, dass ihr Kind gegen die Masern geimpft wird. Im August 2019 schrieb sie der zuständigen Mitarbeiterin des Jugendamtes und drohte, sowohl die Frau als auch das Jugendamt anzugreifen, "wenn sie sich an dem Körper ihres Kindes vergreife".

Nur einen Tag später warf die Frau, die die britische Staatsbürgerschaft hat, auch noch einen auf Englisch verfassten Brief bei der Privatadresse des Oberbürgermeisters Sören Link ein. Auch darin drohte sie, Link "Schaden zuzufügen", sollte ihrer Tochter "Schaden zugefügt" werden. Sowohl Link, als auch das Jugendamt nahmen die Drohungen ernst und schalteten die Polizei ein. Seit Ende November sitzt die Angeklagte in Untersuchungshaft.

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Mutter will jetzt das Jugendamt verklagen

"Ich bin eine Mutter, ich reagiere, wenn man mein Kind so verletzt", sagte die Frau im Prozess. Sie wurde wegen Nötigung in zwei Fällen angeklagt und verurteilt. "Motive kann man, zumindest aus emotionaler Sicht nachvollziehen, ich habe auch Kinder", sagte der Richter. Trotzdem verurteilte er die Frau zu vier Monaten Haft – ohne Bewährung. Die Angeklagte kündigte aber an, dass sie nun das Jugendamt verklagen wolle, weil das Mädchen gegen ihren Willen geimpft wurde. Aus ihrer Sicht sei das Kind seitdem langsamer in seiner Wahrnehmung und seinen Reaktionen geworden.

Prozess gegen Impfgegnerin in Duisburg
„Ich bin eine Mutter, ich reagiere, wenn man mein Kind so verletzt“, sagte die 44-Jährige in Duisburg vor Gericht.
© dpa, Fabian Strauch, fst kde

Impfpflicht für Kita- und Schulkinder ab 1. März

Die Masern sind eine hochansteckende Erkrankung, bei der häufig Folgeerkrankungen und Komplikationen auftreten können. Im schlimmsten Fall kann die Krankheit sogar tödlich verlaufen. Experten empfehlen darum, dass bundesweit 95 Prozent der Menschen gegen die Krankheit geimpft sein sollten, um diejenigen zu schützen, die sich nicht impfen können.

In Deutschland tritt zum 1. März 2020 ein neues Gesetz in Kraft: Eltern müssen dann vor der Aufnahme ihrer Kinder in Kitas oder Schulen nachweisen, dass diese gegen Masern geimpft sind. Für Kinder, die schon zur Kita oder in die Schule gehen, muss der Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erfolgen. Bei Verstößen drohen bis zu 2.500 Euro Bußgeld.