Sie löschen das Gedächtnis unseres Immunsystems

Masern machen uns über Jahre hinweg anfälliger für andere Krankheiten

Masern können auch anfälliger für andere Krankheiten machen.
Masern können auch anfälliger für andere Krankheiten machen.
© iStockphoto, gdinMika/Design Cells

15. November 2019 - 11:05 Uhr

Sind Masern noch gefährlicher als gedacht?

Die Masern sind auf dem Vormarsch! In Ländern, in denen die Infektionskranheit schon fast als ausgerottet galt, brechen immer häufiger Masernerkrankungen aus – auch in Deutschland. Doch wie eine neue Studie des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zeigt, ist die Krankheit sogar noch gefährlicher als angenommen.

Kinder sind nach einer Masernerkrankung oft anfälliger für andere Krankheiten

Denn nicht nur die Erkrankung mit Masern selbst schadet dem Körper der Betroffenen, die Viren können auch anfälliger für andere Krankheiten machen. Wie das Paul-Ehrlich-Institut in der Pressemitteilung zur aktuellen Studie berichtet, hatte eine zuvor durchgeführte britische Kohortenstudie bereits gezeigt, "dass 10 bis 15 Prozent der Kinder noch fünf Jahre nach einer Maserninfektion Anzeichen einer deutlichen Beeinträchtigung des Immunsystems hatten". Dadurch sei es zu einem erhöhten Auftreten weiterer Infektionen gekommen, insbesondere bei bakteriell bedingten Lungen- oder Mittelohrentzündungen.

Um herauszufinden, wie es zu dieser langfristigen Schädigung des Immunsystems kommt, untersuchten Forscher des PEI Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Großbritannien und den Niederlanden, welche Mechanismen zu dieser soganannten Immunsuppression führen.

Im Video: An diesen Symptomen erkennen Sie die Masern

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Immunzellen bei 10 Prozent der Masernpatienten stark beeinträchtigt

Dazu wurden die Immunzellen von ungeimpften Menschen, die entweder bereits die Masern hatten oder nicht, sowie von Menschen, die gegen Masern geimpft waren, genauer untersucht. Insbesondere achteten die Forscher auf die "Rezeptorvielfalt der Immunzellen und die Entwicklung einer wichtigen Gruppe von Immunzellen für das Immungedächtnis, den B-Gedächtniszellen".

Es zeigte sich, dass "die genetische Zusammensetzung und Vielfalt der B-Gedächtniszellen bei Personen ohne Maserninfektion und bei geimpften Personen stabil war". Bei Menschen mit vorangegangener Masernerkrankung waren diese Zellen öfter mutiert und stark beeinträchtigt.

"Die Ergebnisse bestätigen, dass das Immunsystem nach einer Maserninfektion quasi vergisst, mit welchen Erregern es zuvor in Kontakt gekommen war. Es kommt zu einer 'Immunamnesie'", so das Ergebnis der Forscher rund um Prof. Veronika von Messling. Daher appelliert auch Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, wie wichtig es ist, sein Kind gegen Masern zu impfen. "Die Masernimpfung ist nicht nur für den Schutz vor Masernviren wichtig, sondern schützt auch vor dem Auftreten oder schweren Verläufen anderer Infektions­krankheiten. Es schützt das Immungedächtnis, das bei Maserninfektionen schwer beeinträchtigt werden kann."

Ab März 2020 wird es in Deutschland eine Masern-Impflicht geben. Hier beantworten wir die sechs dringendsten Fragen zu dieser Impflicht.