Hitzige Diskussion

Masern-Impfpflicht - ja oder nein? 6 wichtige Fragen

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26. März 2019 - 17:51 Uhr

Krankheit kann gefährliche Folgen haben

Erst Fieber, Husten und Schnupfen, dann ist die Haut übersät mit den charakteristischen roten Flecken: Die erneute Häufung von Masern-Fällen in Deutschland hat die Debatte um eine Impfpflicht erneut entflammt - denn gerade für kleine Kinder kann die Krankheit sogar lebensgefährlich werden. Die Große Koalition will hierzu bald einen Vorschlag vorlegen. Aber was macht das Thema so komplex? Sechs wichtige Fragen und die Antworten darauf.

​Warum sind Masern so gefährlich?

Das extrem ansteckende Masern-Virus wird durch Tröpfchen übertragen und hat dort leichtes Spiel, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten. Bei Infizierten wird das Immunsystem geschwächt, es kann zu Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht.

Es sei keine harmlose Kinderkrankheit, betont Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin. "Wir sehen bei 1.000 Erkrankten einen Todesfall." Jakob Maske, Berliner Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, ergänzt: "Bei Säuglingen stirbt sogar eines von 300 erkrankten Kindern."

Manchmal führt die Krankheit erst nach Jahren zum Tod, etwa bei der Masern-Gehirnentzündung SSPE - wer im Säuglingsalter an Masern erkrankt, ist besonders gefährdet.

Im Video: Essener Kita führt Impfpflicht ein

Warum wehren sich manche Eltern gegen das Impfen?

Das Thema Impfen wird generell heftig diskutiert - die Pros und Contras haben wir hier für Sie zusammengefasst. Aus Sicht von Kinderärzten sind falsche Informationen ein Grund, für den großen Widerwillen: "Viele Eltern sind durch Unwahrheiten im Internet und in anderen Medien verunsichert", sagt Maske. Nach Beratungen durch Fachärzte seien die Eltern in der Regel beruhigt und ließen ihre Kinder auch impfen, so die Erfahrung des Mediziners. "Aber bis das passiert ist, vergeht oft wertvolle Zeit, in der die Kinder nicht geschützt sind."

Warum gibt es bisher noch keine Impfpflicht?

Die Einführung ist eine politische Frage, aber auch mit komplizierten rechtlichen Aspekten verbunden: Eine Impfpflicht ließe sich wohl nur bei Krankheiten mit hoher "Gefahr eines fatalen Verlaufs für das Leben oder die Gesundheit der Kinder" durchsetzen, wie Experten 2016 in einer Ausarbeitung für den Bundestag schrieben.

1959 wurde zum Beispiel eine Impfpflicht gegen Pocken aufgrund der Sterblichkeitsrate von 30 Prozent als verfassungsgemäß eingestuft. Nach der Ausrottung wurde die Pflicht wieder aufgehoben.

Im Video: Arzt behandelt keine Impfgegner

Wo sind Masern aktuell verbreitet?

Zu Ausbrüchen kommt es öfter in Großstädten und Ballungsräumen. 2019 gab es in Deutschland bisher 170 Masern-Erkrankungen, viele davon in Nordrhein-Westfalen. Die Zahl der Fälle schwankt stark von Jahr zu Jahr, manchmal gab es mehrere Tausend Erkrankungen. Beim Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin laufen die Meldungen zusammen. "Wir kommen mit der Elimination nicht so recht voran", so Sprecherin Susanne Glasmacher.

Wie verbreitet sind Masern-Impfungen bei Kindern in Deutschland?

Laut RKI erreichen bei der Schuleingangsuntersuchung inzwischen alle Bundesländer eine Impfquote von mindestens 95 Prozent für die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Verbesserungsbedarf gebe es aber bei der zweiten Impfung, die den Impfschutz ausweiten soll: Kinder würden oft zu spät geimpft, sagt Glasmacher. "Aber das Hauptproblem sind die jungen Erwachsenen." Deshalb halte das RKI eine Impfpflicht derzeit "eher für kontraproduktiv und schädlich".

Woher kommt die Impflücke bei jungen Erwachsenen?

Die aktuelle Empfehlung lautet, die erste Maserimpfung im Alter von elf bis 14 Monaten und eine zweite im zweiten Lebensjahr durchführen zu lassen. Bei Menschen, die nach 1970 geboren wurden, fehlt oft diese zweite Impfung, weil sie in deren Kindheit noch nicht vorgesehen war. Später wird sie oft aus Unwissen oder Schludrigkeit nicht mehr nachgeholt. Hier liegt die Impfquote laut RKI zum Teil bei nur 30 Prozent. Infizierte Erwachsene können wiederum kleine Kinder oder Säuglinge anstecken, die (noch) nicht geimpft sind.


Quelle: DPA/RTL.de