Impfpflicht: Was spricht dafür, was spricht dagegen?

5. März 2019 - 11:01 Uhr

Frankreich hat seine Impfpflicht zum Jahresbeginn ausgeweitet

Die hitzige Diskussion um die mögliche Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht flammt immer wieder auf. Die Impfpflicht würde in Kraft treten, sobald ein Kind eine Kindertagesstätte oder einen Kindergarten besucht. Ganz aktuell ist das Thema wieder, nachdem Frankreich zum Jahresbeginn 2018 seine Impfpflicht auf inzwischen elf Impfungen ausgeweitet hat.

Doch was spricht für und was gegen eine staatliche Impfpflicht und was genau passiert eigentlich beim Impfen?

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Impfpflicht

70 Prozent der Deutschen würden eine Impfpflicht auch in Deutschland befürworten, so eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL. Im letzten Jahr gab es hierzulande fast 1.000 Fälle der gefährlichen Masern - demgegenüber stehen jährlich nur 35 nachgewiesene Impfschäden, also Nebenwirkungen. Insgesamt wurden insgesamt rund 45 Millionen Impfdosen gegen verschiedene Krankheiten verabreicht.

Wie sehen Sie das? In unserem Voting können Sie abstimmen, ob Sie eine Impfpflicht befürworten oder sie ablehnen.

71 Prozent der Befragten wollen übrigens, dass die Vorsorgetermine, die sogenannten U-Untersuchungen, Pflicht werden. Und zwar, damit Kinder immer wieder ärztlich kontrolliert werden. 27 Prozent lehnen eine Untersuchungspflicht ab.

Gegen diese Infektionskrankheiten können Sie sich und Ihre Kinder impfen lassen

Bisher gibt es lediglich Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), aber noch keine Impfpflicht. In Deutschland können Sie sich und Ihren Nachwuchs laut dem Impfkalender der STIKO gegen folgende Infektionskrankheiten impfen lassen:

Bakterielle Infektionen

  • Pneumokokken
  • Meningokokken C
  • Haemophilus influenza Typ b
  • Wundstarrkrampf (Tetanus)
  • Diphtherie
  • Keuchhusten (Pertussis)

Virusinfektionen

  • Kinderlähmung (Polio)
  • Hepatitis B
  • Masern, Mumps, Röteln, Windpocken
  • Rotaviren
  • Virusgrippe (Influenza)
  • Gebärmutterhalskrebs (Humane Papillomviren)

So funktioniert das Impfen

In Deutschland gibt es Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommision, eine Impfverpflichtung gibt es nicht.
In Deutschland gibt es Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommision, eine Impfverpflichtung gibt es nicht.
© Getty Images/iStockphoto, scyther5

Impfen ist eine Präventivmaßnahme, bei der lebende oder tote Erreger einer Infektionskrankheit mithilfe einer Spritze in den Muskel oder unter die Haut injiziert werden. Die Erreger sind in der Impfung so gering dosiert, dass der Körper die eingeflößte Krankheit meistens problemlos und ohne gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen bekämpfen kann.

Dabei bildet er Antikörper gegen die Krankheit. Sollten sich Betroffene mit der bereits geimpften Krankheit infizieren, nutzt das Immunsystem die bereits gebildeten Abwehrmechanismen. Die Antikörper sind schon vorhanden und die schnelle Reproduktion kann so den Ausbruch einer Infektionskrankheit verhindern. Angesichts dessen scheint eine Impfpflicht gar nicht verkehrt - oder?

Argumente CONTRA Impfpflicht in Deutschland

  • Schon während der ersten 14 Lebensmonate werden zur Grundimmunisierung Impfungen bei Babys durchgeführt, insgesamt 29 Impfungen werden verabreicht. Diese enorme Anzahl schreckt viele Eltern ab. Sie haben Angst, der kleine Körper könne durch die injizierten Angreifer Schaden nehmen.
  • Weiterhin argumentieren Gegner der Impfpflicht, dass sie die Selbstbestimmung über den eigenen Körper nicht aufgeben wollen. Sie erachten die Impfpflicht als einen Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte.
  • Verursachte Nebenwirkungen oder das umstrittene Risiko, dass beispielsweise Autismus durch eine Masernimpfung begünstigt werde, sind weitere Gründe für Eltern, ihre Säuglinge nicht impfen zu lassen.

Argumente PRO Impfpflicht in Deutschland

Befürworter der Impfpflicht argumentieren:

  • In Kitas und Kindergärten sei das Ansteckungsrisiko besonders hoch. Sind die Kinder (noch) nicht geimpft, da sie beispielsweise zu jung sind oder das Immunsystem eine Unverträglichkeit gegen enthaltene Wirkstoffe vorweist, können sie sich bei dem engen Kontakt mit eventuell erkrankten Kinder schnell anstecken. In der Folge geben sie den Erreger an die Eltern weiter, sollten diese nicht geimpft sein.
  • Bei einer Durchimpfungsrate der Bevölkerung von 95 Prozent, greift jedoch die sogenannte Herdenimmunität und auch Personen, die nicht geimpft sind, sind vor Infektionskrankheiten geschützt. Außerdem übernehmen die Krankenkassen die Kosten für alle, von der STIKO empfohlenen Impfungen.
  • Durch das Impfen können die typischen und ansteckenden Kinderkrankheiten vermieden werden.