450 Millionen Euro für das Wohl der Patienten?

Diskussionen um Millionenzahlung an das Uniklinikum Gießen und Marburg

18. Januar 2022 - 21:25 Uhr

von Felix Breiner, Benjamin Holler und Deborah Göpferich

In den nächsten zehn Jahren bekommt das Uniklinikum Gießen und Marburg jährlich 45 Millionen Euro von der hessischen Landesregierung überwiesen. Das macht insgesamt 450 Millionen Euro. Das Geld soll für eine exzellente Krankenversorgung, für die Stärkung von Forschung und Lehre und für sichere Arbeitsplätze eingesetzt werden, so der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Doch so positiv sehen das nicht alle. Denn das Uniklinikum Gießen und Marburg wurde 2006 an die Rhön-Klinikum AG verkauft und ist somit das einzige Uniklinikum in Deutschland, das fast vollständig in privaten Händen ist.

Steuergeld für Aktionäre?

Die Kritik, die bereits 2006 aufkam: durch die Privatisierung wolle man Gewinne machen, ohne auf das Wohl von Patienten und Beschäftigten zu achten. Diese Kritik bleibt bis heute bestehen. Erst im vergangenen November forderten Pflegekräfte, die Privatisierung wieder rückgängig zu machen.

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"Kliniken im öffentlichen Eigentum und auch in Landeseigentum, sind ein sicherer Garant dafür, dass das Krankenhaus nach dem Wohl der Patienten und nach sicheren Arbeitsplätzen für die Beschäftigten ausgerichtet ist und nicht nach den privaten Rendite-Interessen einer Aktiengesellschaft", so Jan Schalauske, Landesparteichef der Linken.

Die hessische Landesregierung hatte die Uniklinik Gießen-Marburg verkauft. Foto: Arne Dedert/Archiv
Seit dem Verkauf des Uniklinikum Gießen/Marburg gibt es immer wieder Kritik.
© DPA

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Doch neben aller Kritik gibt es auch positive Nachrichten: so soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben und die Rhön-Klinikum AG will für die nächsten zehn Jahre keine Gewinne an Aktionäre auszahlen. Christian Höftberger, Vorstandschef der Rhön-Klinikum AG, weißt daraufhin, dass es damals kaum eine andere Alternative gab, als das Geld der Rhön-Klinik AG. "Ich glaube, die Privatisierung ist nicht gescheitert", so Höftberger. Das Land hat aber weiterhin die Möglichkeit, das Uniklinikum wieder in Landeseigentum zurückzuführen – wenn der Vertrag vorzeitig gekündigt wird.

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Im Talk: Mark Müller, Sprecher des Aktionsbündnisses "Gemeinsam für unser Klinikum"

War die Privatisierung des Uniklinikums Gießen und Marburg nun eine gute oder eine schlechte Idee? Mark Müller arbeitet als Intensivpfleger für das Uniklinikum Gießen und Marburg und ist außerdem Sprecher des Aktionsbündnisses "Gemeinsam für unser Klinikum". Wie er die Privatisierung findet und was er von der Millionenzahlung des Landes hält, verrät er RTL Hessen-Moderatorin Tina Mattick im Talk.