Interview mit dem Anwalt

Deutscher stellt sich nach Bootsunfall auf dem Gardasee

RTL trifft den Rechtsanwalt, Guido Sola, der Patrick K. vertritt, zum Interview.
RTL trifft den Rechtsanwalt, Guido Sola, der Patrick K. vertritt, zum Interview.
© RTL

12. November 2021 - 21:36 Uhr

RTL spricht mit Rechtsanwalt Guido Sola

Mitten in der Nacht passiert ein Auto mit dem Verdächtigen die Grenze zwischen Österreich und Italien. In Südtirol will sich der 52-jährige Patrick K. aus Deutschland den italienischen Behörden stellen. Die hatten in der Folge eines tödlichen Bootsunfalls auf dem Gardasee per europäischem Haftbefehl nach ihm gefahndet.

Dem Münchener Patrick K. wird vorgeworfen, vor etwas mehr als zwei Wochen mit einem Freund auf dem Gardasee in Norditalien das Boot eines italienischen Paares gerammt zu haben. Der 37 Jahre alte Mann aus der Gegend um Salò am Westufer und seine 25 Jahre alte Begleiterin kamen dabei ums Leben. RTL traf den Anwalt von Patrick K., Guido Sola, nun zum Interview.

Tatverdächtiger "aus freiem Willen nach Italien zurückgekehrt"

Die Nacht- und Nebelaktion in der Südtiroler Ortschaft Brenner hat der Verteidiger des gesuchten Mannes organisiert, wie er RTL erklärt: "Patrick K. hat Kontakt zu mir aufgenommen und mir gesagt: 'Guido, wenn die italienische Justiz der Meinung ist, dass ich nach Italien zurückkehren muss, dann kehre ich aus freiem Willen nach Italien zurück und begebe mich in Haft.' Genau das hat er heute Nacht gemacht. Er ist aus München losgefahren mit seinem Auto, wir haben uns in Sterzing an der Staatsgrenze getroffen und sind dann mit meinem Auto zusammen nach Brescia zur Karabinieri-Kaserne gefahren."

Dort sitzt er nun in Untersuchungshaft. Dem Anwaltsbüro zufolge müssen die Behörden nun entscheiden, wie es in dem Fall weitergeht. Die Staatsanwaltschaft in Brescia und die Carabinieri machten zunächst auf Nachfrage keine Angaben zu der Überstellung.

Anwalt sagt, Patrick K. ist nicht nach Deutschland geflohen

Weiter, so Sola, sei es für Patrick K. "am wichtigsten, dass klar ist, dass er sich der italienischen Justiz nicht entzieht." Es sei also nicht so, dass er sich nach Deutschland absetzten wollte. Der Anwalt bezeichnete diese Vorwürfe als "einfach lächerlich". "Er ist zu seiner Familie heimgefahren", erklärt Rechtsanwalt Sola. Sein Mandant habe sich nun freiwillig gestellt.

"Hier handelt es sich um fahrlässige Tötung im Zusammenhang mit einem Unfall, der aber noch genau untersucht werden muss. Diese Untersuchungen sind aber erst an ihrem Anfang, viele Fragen sind noch offen. Um diese vielen offenen Fragen beantwortet zu wissen, müssen wir einfach das Ergebnis der Untersuchungen abwarten", meint Sola.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:
Umberto G. und Greta N.
Umberto G. und Greta N. wollten einen romantischen Bootsausflug auf den Gardasee unternehmen, doch sie wurden von einem Motorboot totgefahren.
© Facebook/Umberto G./Greta N.

Was ist auf dem Gardasee passiert?

Zu dem Unfall auf dem Gardasee kam es in der Nacht von Samstag (19.6.) auf Sonntag (20.6.). Ermittlungen zufolge krachte das Motorboot der Deutschen in den kleinen Kahn des italienischen Paares. Ein Einheimischer entdeckte am Morgen den Mann tot in dem Boot. Stunden später bargen Taucher die Leiche der Frau aus den Tiefen des Sees. Rechtsmediziner stellen später fest, dass sie ertrank.

Die Ermittlungen konzentrierten sich schnell auf die beiden Deutschen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem Unglück wegen unterlassener Hilfeleistung und Totschlags. Die Männer sollen nicht angehalten haben. Sie hatten ausgesagt, den Aufprall in der Nacht nicht bemerkt zu haben.

Weil keine Fluchtgefahr bestand und weil sie in Deutschland Familien und Jobs hatten, konnten sie kurze Zeit später wieder in ihre Heimat, wie es damals hieß. Die Entscheidung sorgte für Kritik. Nur einer der beiden hatte einen Alkoholtest mit negativem Ergebnis gemacht. Der andere hatte dies verweigert, weil er dazu nicht verpflichtet gewesen sei, bestätigte sein Anwalt.

Familien der Todesopfer fordern Konsequenzen für die beiden Deutschen

Vor wenigen Tagen erließ die italienische Justiz dann den europäischen Haftbefehl. Die Staatsanwaltschaft beantragte diesen lediglich gegen Patrick K. – wegen Fluchtgefahr und der Gefahr zur Wiederholung der Tat. Er soll Medienberichten zufolge das Motorboot bei dem Aufprall gesteuert haben.

Nach dem Unglück tauchte das Video einer Überwachungskamera in italienischen Medien auf. Darauf soll zu sehen sein, wie die beiden Deutschen in der Nacht im Hafen anlegten und dabei einer von ihnen ins Wasser fiel. Ein Ausrutscher sei das gewesen wegen eines abrupten Manövers, hieß es von der Verteidigung. Medien mutmaßten, der Mann sei ins Wasser gefallen, weil er betrunken war.

Die Familien der Opfer hatten Maßnahmen gegen die Deutschen gefordert. Die beiden Toten wurden bereits beerdigt. "Sie müssen verstehen, was sie falsch gemacht haben", forderte der Vater der Tochter am Wochenende in einem Fernsehinterview. Die Anwältinnen begrüßten den Erlass des Haftbefehls und sagten der Nachrichtenagentur Ansa, dies sei eine "wirksame Antwort" auf das verantwortungslose Verhalten der beiden Deutschen. (dpa / rla)