Wir denken an die Menschen, die Corona uns genommen hat

"Das sind nicht einfach Zahlen“: Die Schicksale hinter den Corona-Todesfällen

22. Januar 2021 - 21:02 Uhr

Im Video: RTL-Moderatorinnen zünden Kerzen als Zeichen der Hoffnung an

Allein in Deutschland hat das Coronavirus bisher mehr als 50.000 Tote gefordert. Und bereits jetzt gibt es schon traurige Gewissheit darüber, dass es noch viele mehr werden. Dabei sollten wir jedoch nicht vergessen, dass hinter diesen enormen, aber auch abstrakt klingenden Zahlen, viele tragische Einzelschicksale stecken. "Das sind nicht einfach Zahlen", betonte auch Bundeskanzlerin Merkel jüngst in einer Pressekonferenz, "das sind Menschen, die in Einsamkeit gestorben sind, das sind Schicksale, das sind Familien, die um sie trauern".

Wie unterschiedlich die Menschen sind, die das heimtückische Virus uns bereits genommen hat, dass sie aus verschiedenen Altersklassen und verschiedenen Lebensumständen kommen und welch klaffende Lücke ihr Tod bei Freunden und Angehörigen hinterlässt, zeigen auch diese vier Schicksale.

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Schwangere Marion Bergler (†41) starb an Covid - Baby per Kaiserschnitt gerettet

Unternehmerin Marion Bergler
Marion Bergler starb an Covid-19. Ihr Baby hatten die Ärzte per Notkaiserschnitt gerettet.
© Petra Hartl

Die Oberpfälzerin Marion Bergler galt als kerngesund, hatte keine Vorerkrankungen. Doch Ende März 2020 machten sich bei der schwangeren Unternehmerin Anzeichen einer Coronavirus-Erkrankung bemerkbar. Die 41-Jährige kam ins Krankenhaus, wo sich ihr Zustand innerhalb von Stunden verschlechterte, wie das Portal "Onetz" berichtete. Die Ärzte entschlossen sich noch am selben Tag, ihr Baby per Notkaiserschnitt zu holen. Nachdem der Säugling auf die Welt geholt worden war, wurde Marion Bergler auf die Intensivstation der Erlanger Uniklinik verlegt. Dort erlag die frischgebackene Mama kurze Zeit später der Krankheit. "Es ist unvorstellbar. Wir sind tieftraurig und fassungslos", sagt ihr Bruder Gerhard dem Bericht zufolge. "Es gab keine Vorerkrankung. Marion war kein Risikopatient."

„Siegfried & Roy“-Magier Roy Horn (†75) kämpfte bis zuletzt gegen Corona

"Siegfried und Roy"-Magier Roy Horn
"Siegfried und Roy"-Magier Roy Horn verstarb im Alter von 75 an einer Coronavirus-Erkrankung.
© Imago Entertainment, Revierfoto

"Heute hat die Welt einen der Großen der Magie verloren, aber ich habe meinen besten Freund verloren." Mit diesen bewegenden Worten trauerte Siegfried Fischbacher im Mai 2020 um seinen Partner Roy Horn. Der 75-Jährige hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Bereits sein ganzes Leben lang sei Roy ein Kämpfer gewesen, auch in seinen letzten Tagen als er noch mit aller Kraft versucht hatte, die Viruserkrankung zu überwinden, erzählte Siegfried damals. "Mein herzlichster Dank gilt ganz besonders dem Ärzteteam, den Krankenschwestern und allen Mitarbeitern des Mountain View Hospitals, die heldenhaft gegen dieses heimtückische Virus angekämpft haben, das Roy letztendlich aus dem Leben gerissen hat." Im Januar 2021 folgte Siegfried Fischbacher seinem Partner dann in den Himmel, als er im Alter von 81 Jahren einer Krebserkrankung erlag.

YouTuberin Brittanya Karma starb mit nur 29 Jahren

Ein Foto aus dem Krankenbett. Auf ihrem Mund eine Beatmungsmaske, die linke Hand zu einem Victory-Zeichen geformt. Es ist das letzte Bild von YouTuberin und Rapperin Brittanya Karma, das auf ihrem Instagram-Account gepostet wurde. Nur wenige Tages später verlor die erst 29-Jährige Ende November 2020 ihren wochenlangen Kampf gegen das Coronavirus. Kurz vor ihrem Tod hatte Brittanya auf ihrem Instagram-Account noch dazu aufgerufen, Corona und die anhaltende Pandemie ernst zu nehmen. "Ich habe so viele Schmerzen. Corona sollte ernster genommen werden. Bitte kümmert euch gut um euch", appellierte sie damals.

Video: Brittanyas Verlobter erzählt: So waren die letzten Tage der Influencerin

Ihr Tod schockte nicht nur ihre 250.000 Follower, auch Brittanyas Familie und Freunde sind am Boden zerstört. Brittanyas Verlobter Manu Henebeng, der auf Instagram unter dem Pseudonym "karmanuuu" unterwegs ist, verabschiedete sich mit emotionalen Abschiedsworten auf dem sozialen Netzwerk: "Ruhe in Frieden, Karma. Meine Verlobte. Beste Freundin. Familie. Möge Gott dich mit offenem Herzen aufnehmen. Ich liebe dich, werde dich immer lieben." Wir haben mit Manu nach Brittanyas Tod gesprochen. Im Video erzählt er uns, wie er den Verlauf der tückischen Krankheit bei seiner Liebsten miterlebt hat.

Jutta Neubauer trauert um Mutter Brigitte: "Ich konnte mich nicht von ihr verabschieden"

"Das Schlimmste ist: Ich konnte nicht bei meiner Mutter sein", erzählt uns Jutta Neubauer unter Tränen. Ihre Mutter Brigitte hatte Vorerkrankungen an Lunge, Herz und Niere - aber sie war mit ihren Medikamenten gut eingestellt. Auch geistig war Brigitte fit und ein lebensfroher, geselliger und einfach liebenswerter Mensch. Doch dann kam Corona. Die ältere Dame muss im Krankenhaus versorgt werden und erliegt dort schließlich der Viruserkrankung. Jutta Neubauer konnte sich nicht mehr von ihrer Mutter verabschieden, ihre Hand halten, ihr Beistand auf ihrem letzten Weg leisten. Besonders tragisch: Am Tag, an dem ihre Mutter stirbt, wird Jutta auf die gleiche Corona-Isolierstation eingeliefert.

Im Video beschreibt sie die schlimme Zeit und erzählt, was sie selbst bei der Bestattung ihrer Mutter noch ertragen musste.

Aktion #lichtfenster: In Gedenken an die Corona-Toten

Dies sind nur vier von Tausenden tragischen Corona-Todesfällen in Deutschland. Und täglich reißt das Virus immer mehr Bürger aus dem Leben. Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier hat nun die Gedenkaktion #lichtfenster ins Leben gerufen: Er fordert die Menschen in Deutschland auf, jeden Abend eine Kerze ins Fenster zu stellen, in Erinnerung an die Menschen, die nun wegen Corona nicht mehr unter uns sind.

Bei ntv.de erklärt der Bundespräsident seine Motivation für diese Aktion: "Wir zeigen unser Mitgefühl mit denen, die einsam sterben und denen, die um sie trauern. Wir trauen mit ihnen und wollen zeigen, wir stehen zusammen – gerade in diesen dunklen Zeiten. Dafür steht das Licht, das uns den Weg in hellere Tage weist." Steinmeier selbst wird eine Kerze in das Fenster über dem Eingangsportal von Schloss Bellevue stellen – für jeden sichtbar im dunklen Berliner Winter.

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