Die Stiko bleibt bei ihrer Position

Ministerpräsidentin Schwesig fordert Impfstrategie für Kinder

Auch in anderen Ländern werden Kinder schon geimpft.
Auch in anderen Ländern werden Kinder schon geimpft.
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02. Juli 2021 - 16:29 Uhr

Impfstrategie bis zum 1. August

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat die Bundesregierung aufgefordert, bis zum 1. August 2021 eine Impfstrategie für Kinder vorzulegen. Zusammen mit Epidemiologen, Kinderärzten und der Ständigen Impfkommission müsse analysiert werden, welche Erfahrungen Länder wie England, Portugal und Israel mit der Kinderimpfung gemach haben. Auch die Erfahrung mit der Delta-Variante solle mit einfließen, sagte Schwesig in der Talkshow "maybrit illner".

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Stiko weiter gegen generelle Empfehlung

Aktuell hält die Ständige Impfkommission aber daran fest, keine generelle Empfehlung für Kinder-Impfungen auszusprechen. Am Freitagmittag sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens dem "Spiegel": "Im Augenblick gibt es keinen Grund für eine hastige Änderung, auch wenn dies manchmal gefordert wird." Auch bei der Delta-Variante sei keine verstärkte Erkrankung von Kindern festgestellt worden. Daher sei die Impfung der Eltern, Großeltern und Lehrer weiter vordringlich.

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Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko
Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission
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Stiko wehrt sich gegen Druck

Die Impfkommission empfiehlt also vorerst weiterhin nur die Impfung von 12-17-Jährigen mit bestimmten Vorerkrankungen. Das betrifft einer Studie zufolge rund elf Prozent, also rund 450.000 Kinder und Jugendliche. Knapp die Hälfte von ihnen leidet unter Asthma. Aber auch bei anderen Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes und Herzfehlern wird eine Impfung empfohlen.

Mitte Juni wehrte sich die Stiko gegen politischen Druck bei der Kinderimpfung. Vor allem Politiker wie Karl Lauterbach hatten die Stiko vehement kritisiert und immer wieder die Empfehlung für alle Kinder gefordert.

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Seltene Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen

Auch Impfarzt und Stiko-Mitglied Dr. Martin Terhardt ärgert der politische Druck. Im Interview mit dem rbb sagte er: "Mich entsetzt das immer wieder, wie die Politik vorprescht und wissenschaftliche Daten eher ignoriert. Wir haben in der Stiko entschieden, dass wir die Kinderimpfung ab 12 zurzeit nicht generell empfehlen."

Man wisse inzwischen, dass Jugendliche sich zwar infizieren, aber selten schwer an Covid-19 erkranken. Es gebe aber inzwischen Hinweise auf seltene Komplikationen bei Impfungen in dieser Altersgruppe: "Was wir seit einer Woche wissen aus den USA, wo ungefähr sechs Millionen Jugendliche geimpft wurden, dass es durchaus seltene Komplikationen geben kann in Form von Herzmuskelentzündungen, gerade in der jüngeren Altersgruppe, vor allem bei Jungs."

Masken in Schule werden wohl bleiben

Wie soll es aber nach den Sommerferien weitergehen, wenn die Delta-Variante in Deutschland den größten Anteil an Infektionen ausmacht und Kinder nicht geimpft sind? Im RTL/ntv-Frühstart sagt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer: "Wir starten so in das neue Schuljahr, wie wir aus dem alten herausgehen." Die Masken im Unterricht sollen bleiben, außerdem wolle man weiterhin die Schüler zwei Mal pro Woche testen.

NRW habe 50 Millionen Euro für Luftreiniger bereitgestellt, davon hätten die Städte 20 Millionen Euro abgerufen. Die Geräte könnten allerdings nur einen Teil leisten, sagte Gebauer. Das Wichtigste bleibe weiterhin regelmäßiges Lüften. (rcl/dpa)

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