Was seit ihrem Verschwinden alles passierte

Wird der rätselhafte Mordfall Peggy Knobloch endlich aufgeklärt? Eine Chronik

06. Mai 2019 - 15:58 Uhr

Möglicher Durchbruch im Mordfall Peggy

Seit 18 Jahren bewegt der Mordfall Peggy Knobloch die Menschen, beschäftigt das rätselhafte Verbrechen die Ermittler. Wird er nun endlich aufgeklärt? Im Video oben sehen Sie eine Chronik zu den Ereignissen im Fall Peggy.

Mai 2001: Peggy Knobloch verschwindet

Der Polizeibeamte Klaus Bernhardt zeigt am 9.7.2001 in der Poizeidirektion Hof das neue Plakat, mit dem nach der vermissten Peggy Knobloch gesucht wird. In Kürze sollen solche Plakate in jeder Polizeidienststelle in Deutschland aushängen, insgesamt 2
Polizeibeamter im Juli mit einem Fahdungsplakat
© picture-alliance / dpa, Marcus Führer

7. Mai 2001: Das Mädchen aus dem oberfränkischen Lichtenberg macht sich nach Schulschluss auf den Weg nach Hause. Dort kommt die Neunjährige Peggy nie an. Ein Zeuge sieht das Mädchen noch durch den Ort laufen, doch dann verliert sich die Spur.

Juni 2001: Die Polizei sucht wochenlang nach Peggy, ohne Ergebnis.

Juli 2001: Der Lebensgefährte von Peggys Mutter wird verhaftet, kommt jedoch noch am selben Tag wieder frei.

August 2001: Der 23-jährige Ulvi K. wird verhaftet. Der geistig behinderte Mann soll Peggy Knobloch missbraucht und anschließend getötet haben, um die Vergewaltigung zu vertuschen. Er gibt an, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.

2004: Ulvi K. wird zu lebenslanger Haft verurteilt

dpatopbilder - Der als Peggys Mörder verurteilte Ulvi K. (r) sitzt am 10.04.2014 vor Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens vor dem Landgericht Bayreuth (Bayern) neben seinem Rechtsanwalt Michael Euler. 2004 wurde Ulvi K. in einem Indizienprozess wegen
Ulvi K. (rechts) im April 2014 beim Wiederaufnahmeverfahren vor dem Landgericht Bayreuth
© dpa, David Ebener

22. Oktober 2002: Die Ermittler präsentieren den Tatverdächtigen als mutmaßlichen Mörder von Peggy.

7. Oktober 2003: Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess gegen Ulvi K..

30. April 2004: Der geistig behinderte Mann wird wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.

17. September 2010: Ein wichtiger Belastungszeuge widerruft seine Aussage und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.

4. April 2013: Ulvi K.'s Anwalt beantragt die Wiederaufnahme des Falls.

2015: Ulvi K. wird freigesprochen

HANDOUT - Das Foto zeigt Ulvi K. am 29.07.2014 mit seinen Eltern in Lichtenberg (Bayern). Nach 13 Jahren in der Psychiatrie und dem Freispruch im Peggy-Prozess hat er erstmals wieder seinen Heimatort besucht. Foto: Gudrun Rödel/dpa (ACHTUNG: Nur zur
Ulvi K. im Juli 2014 mit seinen Eltern. Nach 13 Jahren in der Psychiatrie besuchte er er erstmals wieder seinen Heimatort.
© dpa, Gudrun Rödel

8. Januar 2014: Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung 2001 Peggys Leiche dort abgelegt wurde. Doch sie finden keine Hinweise.

10. April 2014: Auf Anordnung des Landgerichts Bayreuth beginnt das Wiederaufnahmeverfahren.

7. Mai 2014: Das Gericht beendet das Verfahren aus Mangel an Beweisen. Eine Woche später gibt es einen Freispruch für den geistig behinderten Mann.

18. Februar 2015: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen ein. Ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wird aber aufrechterhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen.

19. März 2015: Das Oberlandesgericht Bamberg entscheidet, dass der ursprünglich verurteilte Mann aus der Psychiatrie entlassen werden soll.

2016: Pilzsammler findet Skelettreste

ARCHIV - 04.07.2016, Thüringen, Rodacherbrunn: Ein Absperrband der Polizei umzäunt ein Waldstück. Ein Pilzsammler fand hier im Juli 2016 Skelettteile der vermissten Peggy. (zu dpa "Polizei: Festnahme im Fall Peggy " vom 11.10.2018) Foto: Bodo Schacko
In diesem Waldstück fand ein Pilzsammler im Juli 2016 Skelettteile der vermissten Peggy.
© dpa, Bodo Schackow, bod htf zk sja bl axs ssd sja

16. Juni 2015: Ein ehemaliger Verdächtiger im Fall Peggy wird in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Fall Peggy gilt er nicht mehr als tatverdächtig.

Mai 2016: Ein im Fall Peggy ehemals verdächtigter Mann fordert Schadenersatz von mehr als 20.000 Euro. Ermittler hatten 2013 auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen sein Grundstück in Lichtenberg metertief durchsuchen lassen. Die Ermittler hatten dabei zwar Knochenreste gefunden. Sie stammten aber nicht von Peggy.

2. Juli 2016: Ein Pilzsammler findet in einem Wald im thüringischen Landkreis Saale-Orla Skelettreste. Polizei und Staatsanwaltschaft teilen kurz danach mit, dass die Knochen "höchstwahrscheinlich" von Peggy stammen.

Herbst 2017: Spur zu NSU-Verbrecher Böhnhardt führt ins Leere

ARCHIV - 26.09.2016, Thüringen, Rodacherbrunn: Polizeifahrzeuge sind am 26.09.2016 bei Wurzbach im Saale-Orla-Kreis an der Grenze von Bayern zu Thüringen zu sehen. Hundertschaften der Polizei suchen seit dem Vormittag erneut am Auffindeort von Peggy
Am Fundort tauchten auch Spuren des Verbrechers Uwe Böhnhardt auf - durch eine Panne.
© dpa, Fricke, sja jai sja

13. Oktober 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, dass am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurden.

8. März 2017: Die Ermittler räumen ein: Die Böhnhardt-DNA ist durch eine Panne an den Fundort von Peggys Leiche gelangt. Bei der Spurensicherung wurde das gleiche Werkzeug verwendet wie nach Böhnhardts Tod 2011. Beide Fälle haben nichts miteinander zu tun.

Dezember 2018: Manuel S. wird verhaftet

Verdächtiger im Mordfall Peggy
Der Verdächtige Manuel S.

12. September 2018: Die Polizei durchsucht mehrere Anwesen eines 41 Jahre alten Beschuldigten. Manuel S. zählte schon früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy. Nach der Vernehmung kommt er wieder auf freien Fuß.

21. September 2018: Die Ermittler geben bekannt, dass Manuel S. gestanden hat, das tote Mädchen in den Wald an der bayerisch-thüringischen Grenze gebracht zu haben, wo später die Knochen gefunden wurden. Ein anderer Mann habe ihm den leblosen Körper am Tag des Verschwindens an einer Bushaltestelle übergeben.

10. Dezember 2018: Die Polizei Oberfranken nimmt Manuel S. fest. Der Verdächtige kommt in Untersuchungshaft.

24. Dezember 2018: Manuel S. wird aus der Untersuchungshaft entlassen. Er hat sein Geständnis widerrufen. Die Polizei hat den Mann weiter in Verdacht, aber nicht genug Beweise, ihn in Untersuchungshaft zu behalten.

Bislang ist immer noch unklar wer für ihr Verschwinden und ihren Tod verantwortlich ist.