„Ich habe das gemacht, was meine Mutter wollte“

Berlin: Uwe M. lebte über zwei Jahre lang mit seiner toten Mutter im Keller

20. September 2019 - 17:21 Uhr

Im Video: Uwe M. erklärt, warum er seine Mutter versteckte

Jahrelang wusste niemand, was Uwe M. aus Berlin in seinem Keller im Mehrfamilienhaus versteckt hatte. Bei einem Polizeieinsatz flog dann alles auf: Der 57-Jährige hatte seine tote Mutter in einen selbstgebauten Holzsarg gelegt und im Keller abgestellt. Das soll er über zwei Jahre lang so getan haben, als wäre die Frau noch am Leben, um ihre Rente zu kassieren. RTL-Reporter Heinz Kegl hat mit dem Mann gesprochen. "Ich habe das gemacht, was meine Mutter wollte", erklärt Uwe M. im RTL-Interview.

Wenn jemand fragte, sagte er, seine Mutter sei auf Mallorca

Die 85-Jährige Gerda M. starb nach ersten Erkenntnissen der Ermittler im Frühjahr 2017 eines natürlichen Todes. Statt den Bestatter zu rufen, fuhr Uwe M. dann aber in den Baumarkt und besorgte Bretter, um selbst einen Sarg für seine Mutter zu bauen. Die Frau habe immer gesagt, dass sie bei ihm bleiben wolle, egal was passiert, erklärte Uwe M. dem Reporter im Gespräch.

"Ja und in der Wohnung kann man sowas ja nicht machen", sagte er. Darum habe er die tote Frau in der Holzkiste dann mit dem Fahrstuhl in den Keller gebracht und dort abgestellt. Dann habe er einfach weitergelebt, als sei nichts passiert. Eine Zeit lang habe niemand bemerkt, dass seine Mutter nicht mehr da war. Sogar seiner Lebensgefährtin erzählte er nichts von der Leiche im Keller. Wenn doch jemand nach der 85-Jährigen fragte, gab er an, die Rentnerin sei auf Mallorca.

Ließ Uwe M. seine Mutter im Keller, um ihre Rente zu kassieren?

Das sagte er auch den Polizisten, die irgendwann vor seiner Tür standen. Doch die wollten genauer wissen, wo die Frau war, die zwar in der Wohnung gemeldet, dort aber nicht anwesend war. Laut Polizei verstrickte sich der 57-Jährige immer weiter in Widersprüche und führte die Beamten schließlich in den Keller, wo sie die grausige Entdeckung machten. "Dort lag seit über zwei Jahren eine Leiche. Es war seine Mutter, die er dort sozusagen 'bestattet' hatte", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft im RTL-Interview.

Jetzt ermitteln die Behörden wegen Verstoßes gegen die Bestattungsvorschriften. "Das Gesetz toleriert es nicht, dass man eine Leiche im Keller ablegt, auch nicht wenn es die eigene Mutter ist", so die Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus werde auch der Anfangsverdacht eines möglichen Leistungsbetrugs überprüft.

Uwe M. ist sich keiner Schuld bewusst

Für Uwe M. ist das alles nicht nachvollziehbar. "Ich habe keine Straftat begangen in meinen Augen", erklärt er im Interview. Er habe die Rente seiner Mutter nur verwendet, um sein Leben so weiterzuführen, wie vorher. Alleine könne er sich die Wohnung in dem Berliner Mietshaus nicht leisten. Seine Mutter habe gewollt, dass er weiter in der gemeinsamen Wohnung leben könne. Aus der wird er jetzt wohl doch ausziehen müssen.