Wirbel nach Twitter-Post

Angeblich Infizierter stellt klar: „Ich habe keine Affenpocken"

U-Bahn in Madrid
Der spanische Arzt Arturo M. Henriques hat auf Twitter gepostet, dass er am 15. Juli einen vermeintlich an Affenpocken erkrankten Mann in der Metro gesehen haben will.
angeluisma

Ein Arzt sieht einen vermeintlich mit Affenpocken infizierten Mann in der Bahn, spricht die Umstehenden an – ohne Reaktion – und postet das Ganze bei Twitter, Der Tweet geht schnell viral, zig Medien berichten. Auch RTL griff die Geschichte in einer vorherigen Version dieses Artikels auf. Doch jetzt stellte sich heraus: alles Fake! Der Mann hat keine Affenpocken; die Unterhaltung hat es so nie gegeben. Das erzählte der als rücksichtslos abgestempelte Infizierte dem spanischen Nachrichtensender „20 minutos“.

Vermeintliche Konfrontation in Madrid: Affenpocken-Infizierter soll laut Arzt fröhlich U-Bahn fahren

Der Post des Spaniers Arturo M. Henrqiues ging am vergangenen Wochenende auf Twitter viral, nachdem er von einer Begegnung der ungewöhnlichen Art berichtete. In einem Thread, der mittlerweile gelöscht wurde, erzählte er, dass vor wenigen Wochen an der Metro-Station Legazpi in Madrid ein Mann zustieg, der scheinbar von oben bis unten mit deutlich erkennbaren Pusteln übersät war. Nach eigenen Angaben sei Henriques selbst Arzt, weswegen er sich schnell sicher war: Der Mann muss sich mit dem Affenpocken-Virus infiziert haben und hochgradig ansteckend sein.

Auf Twitter schilderte Henriques zudem, wie er den Mann ohne zu zögern darauf angesprochen haben will, was er denn krank in der U-Bahn mache. „Der Arzt hat mir nicht gesagt, dass ich zu Hause bleiben muss. Ich soll nur eine Maske tragen“, soll der Infizierte daraufhin geantwortet haben.

Nachdem Henriques ihm daraufhin erklärte, dass er selbst Arzt sei und der Infizierte seinen Arzt womöglich falsch verstanden habe – schließlich sind es genau diese sichtbaren Pusteln, die die Krankheit so infektiös machen –, stieß er auf taube Ohren. „Gehen Sie mir nicht auf die Eier“, soll der Infizierte Henriques gegenüber gesagt haben.

Und die anderen Leute in der U-Bahn? Die sollen die Situation ebenfalls wenig ernst genommen haben. Der Spanier schilderte auf seinem Social-Media-Profil weiter, dass sich eine Frau, die dem vermeintlich Infizierten am nächsten stand, keine Sorgen machte. Laut Henriques folgte dann die Antwort: Die Regierung habe ausschließlich „die Schwulen“ vor den Affenpocken gewarnt. Sie seien es, die sich vor dem Virus in Acht nehmen müssten: „Wie kann ich also krank werden, wenn ich nicht homosexuell bin?“

Lese-Tipp: Affenpocken-Ausbreitung: WHO sorgt sich um Schwangere und Kinder – Arzt erklärt den Grund

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Der angebliche Infizierte meldet sich zu Wort: "Gespräch hat es nie gegegeben!"

Jetzt stellt sich heraus: Dieser Vorfall hat so, wie Henriques ihn geschildert hat, vermutlich gar nicht stattgefunden. Der Protagonist des Postings, von dem man lediglich die Beine auf dem viralen Bild sehen konnte, meldete sich nämlich bei der spanischen Zeitung „20 minutos“ zu Wort und stellte klar: „Ich habe keine Affenpocken und ich habe auch mit niemandem gesprochen!“ Der Mann, der anonym bleiben möchte und daher von „20 minutos“ mit seinen Initialen M.A.R.M. zitiert wird, erzählte, dass er schockiert darüber gewesen sei, als er plötzlich ein Bild von ihm im Netz entdeckte. Zudem sagte er, dass es sich bei den Pusteln an seinen Beinen um eine Krankheit namens Neurofibromatose handele, eine genetische Erkrankung, die nicht ansteckend ist.

Schon oft sei er von Menschen in der U-Bahn auf seine Wunden an den Gliedmaßen angesprochen worden. Die meisten würden sich nach seinem Gesundheitszustand erkundigen, woraufhin M.A.R.M. sie aufklärt, so sagt er. „Genau aus diesem Grund kann ich sagen, dass ich nie mit diesem so genannten Arzt gesprochen habe", erklärte er. Er selbst bezeichnete sich gegenüber dem Nachrichtensender als sehr vorsichtige Person, die schon im Rahmen der Coronavirus-Pandemie alle Maßnahmen eingehalten und sich an die Regeln gehalten habe.

Arturo M. Henriques hat seinen Account auf Twitter mittlerweile geschlossen.

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Affenpocken: DARUM hat das Foto überhaupt für so viel Wirbel gesorgt

„Affenpocken werden durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Das Risiko ist nicht auf Menschen beschränkt, die sexuell aktiv sind oder auf Männer, die Sex mit Männern haben. Jeder, der engen körperlichen Kontakt mit einer ansteckenden Person hat, kann sich infizieren. Jeder, der Symptome hat, die Affenpocken sein könnten, sollte enge körperliche Kontakte vermeiden und sofort einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen“, wie das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite erklärt. Sollte eine mit Affenpocken infizierte Person also in einer vollen U-Bahn mit fahren, wie es angeblich in Madrid geschehen sein soll, dann hätte das durchaus Probleme bereiten können.

Lese-Tipp: Neue Studie: Affenpocken-Virus auch durch die Luft übertragbar?

In Spanien treten mittlerweile vermehrt Fälle der Affenpocken auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte den internationalen Ausbruch des Affenpocken-Virus erst vor wenigen Tagen zur „Gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite" (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC). „Zu den von der WHO empfohlenen Maßnahmen gehören unter anderem die Isolation und Behandlung von Erkrankten, Kontaktpersonennachverfolgung, Impfung von Personen mit einem erhöhten Expositions- und Infektionsrisiko“, heißt es auf der RKI-Homepage weiter. In Europa gibt es mittlerweile erste Todesfälle. (vdü)