Exponentieller Anstieg der Fälle alarmiert manche Experten

Neue Studie: Affenpocken-Virus auch durch die Luft übertragbar?

Ein frühes Anzeichen sind ebenfalls Bläschen, aber im Mundraum
Bei Affenpocken bilden sich Bläschen auf der Haut.
iStockphoto

Nun also doch: Die WHO erklärte den Ausbruch der Affenpocken am 23. Juli zu einer "Notlage von internationaler Tragweite". Eine der Begründungen von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus lässt dabei aufhorchen. Kann das Virus doch schneller übertragen werden als bisher angenommen?

Lese-Tipp: Affenpocken als Notlage – das bedeutet die Einstufung jetzt für uns

Kleidung, Bettwäsche und Handtücher auch ansteckend

Kritiker warfen der WHO schnell vor, bei Sars-CoV-2 zu zögerlich gehandelt zu haben. Viele Beobachter glauben deswegen jetzt, dass die Ausrufung einer "Notlage von internationaler Tragweite" im Fall des Affenpocken-Ausbruchs eine Reaktion darauf sein könnten. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Affenpocken nicht im Geringsten mit der aktuellen Corona-Pandemie zu vergleichen. Der entscheidende Unterschied: Das Affenpocken-Virus wird hauptsächlich im direkten Kontakt übertragen. Infektionen sind durch Speichel, große Tröpfchen und eventuell auch Sperma möglich. Hinzu kommen möglicherweise kontaminierte Kleidung, Bettwäsche und Handtücher. So der jetzige Stand der Erkenntnisse. Doch es gibt daran auch Zweifel.

Lese-Tipp: Affenpocken-Ausbreitung – WHO sorgt sich um Schwangere und Kinder – Arzt erklärt den Grund

WHO-Generaldirektor: "Wissen zu wenig über Übertragungswege"

ARCHIV - 16.02.2022, Hessen, Marburg: Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, spricht zu den Pressevertretern. (zu dpa "WHO erklärt Affenpocken-Ausbruch zu einer internationalen Notlage") Foto: Andreas Arnold/dpa
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus
arn sb vco, dpa, Andreas Arnold

In der Begründung der Notlage sagte der WHO-Generaldirektor: „Wir haben es hier mit einem Ausbruch zu tun, der sich durch neue Übertragungswege schnell über die ganze Welt ausgebreitet hat, über die wir zu wenig wissen, und die die Kriterien für eine Notlage im Bereich der öffentlichen Gesundheit erfüllt.“ Eine Begründung, die aufhorchen lässt: Bereits seit einiger Zeit diskutieren Gesundheitsexperten in den sozialen Medien Studien, die zeigten, dass das Virus zwölfmal schneller mutiert als erwartet – und es zudem schon in der historischen Forschung Belege für eine Übertragung durch die Luft gebe.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

World Health Network (WHN) sicher: Das ist der Beginn einer neuen Pandemie

Der Epidemiologe und Gesundheitsexperte Dr. Eric Feigl-Ding ist einer von diesen Experten. Oft kritisiert er die Entscheidungen der WHO und hat mit anderen Medizinern und Wissenschaftlern das World Health Network (WHN) mitbegründet. Er warnt davor, den Affenpocken-Ausbruch auf die leichte Schulter zu nehmen und vergleicht die derzeitige Situation sogar mit dem März 2020. Feigl-Ding und seine Mitstreiter vom WHN haben sich bereits festgelegt und den aktuellen Affenpocken-Ausbruch zum Beginn einer neuen Pandemie erklärt. Die Begründung: Alle Zahlen würden auf einen exponentiellen Anstieg der Fälle hindeuten.

Lese-Tipp: Doppelschlag – Mann erkrankt gleichzeitig an Covid und Affenpocken

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Luftproben in Zimmer von Infizierten oft positiv

Eine neue Studie gibt dem sogar Nahrung. Wissenschaftler um Dr. Susan Gould von der renommierten Liverpool School of Tropical Medicine haben die Isolierzimmer von Affenpocken-Patienten in Großbritannien untersucht. Das Ergebnis der Studie, die noch nicht von anderen Wissenschaftlern geprüft wurde: Die Forscher identifizierten eine "weit verbreitete Oberflächenkontamination in belegten Patientenzimmern, auf der persönlichen Schutzausrüstung von medizinischem Personal nach Gebrauch und in Ablegebereichen". Drei von vier Luftproben, die während eines Bettwäschewechsels in einem Patientenzimmer entnommen wurden, waren positiv. Fünf von fünfzehn auch noch nach dem Bettwäschewechsel. (ija)