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Affenpocken-Ausbreitung: WHO sorgt sich um Schwangere und Kinder – Arzt erklärt den Grund

„Bin besorgt“

Affenpocken-Ausbreitung: WHO sorgt sich um Schwangere und Kinder – Arzt erklärt den Grund

Schwangere Frau im Krankenhaus
Affenpocken-Virus: Die WHO sieht für Schwangere und Kinder ein erhöhtes Risiko schwer zu erkranken. (Symbolbild)
iStockphoto

Das Affenpocken-Virus verbreitet sich weiter. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich gegen die Ausrufung einer „Notlage von internationaler Tragweite“ entschieden. Doch der Ausbruch von Affenpocken-Infektionen in mehr als 50 Ländern bleibt für die WHO eine ernsthafte Bedrohung. Insbesondere bei Schwangeren und Kindern sieht die WHO ein erhöhtes Risiko. Der Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht erklärt im RTL-Gespräch, wie die WHO zu dieser Einschätzung kommt.

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Affenpocken: WHO sieht Risiko von Ausbreitung bei Schwangeren und Kindern

„Ich bin besorgt, dass die Übertragungen anhalten, denn das würde darauf hindeuten, dass sich das Virus etabliert und Hochrisikogruppen wie Kinder, immungeschwächte Personen und schwangere Frauen treffen könnte“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Doch wieso sorgt sich die WHO aktuell genau um diese Gruppen und stellt sie in den Mittelpunkt?

„Das Risiko, sich zu infizieren, ist nach wie vor bei den Risikogruppen groß“, bestätigt Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht gegenüber RTL. Wer promiskuitiv unterwegs sei, also wechselnde Sexualpartner habe und insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben, unterliege weiterhin einem erhöhten Ansteckungsrisiko.

Affenpocken-Virus: Schwangere und Kinder mit erhöhtem Risiko schwer zu erkranken

Doch das Risiko einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden, sei in dieser Gruppe nicht erhöht. Insgesamt sei davon auszugehen, dass die Erkrankung bei gesunden und jungen Menschen gut weggesteckt werden könnte. Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Die Symptome - darunter Fieber und Hautausschlag - verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu Komplikationen und in seltenen Fällen auch zum Tod führen.

„Immungeschwächte, Kinder und Schwangere haben ein höheres Risiko derart schwer zu erkranken. Wenn beispielsweise in Afrika Menschen am Affenpocken-Virus verstorben sind, dann waren es Kinder und Schwangere“, erklärt Specht. Vor diesem Hintergrund sei die WHO stark sensibilisiert. In den letzten Jahren seien Affenpocken immer wieder in einigen afrikanischen Ländern aufgetreten. Doch seit Mai häufen sich Infektionen in anderen, vor allem europäischen Ländern, die nicht im Zusammenhang mit Afrika-Reisen stehen.

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Affenpocken-Entscheidung: WHO ruft keine Notlage aus – nimmt Problem aber weiterhin ernst

Ein Notfallausschuss aus unabhängigen Experten hatte sich vergangene Woche dagegen ausgesprochen, eine „Notlage von internationaler Tragweite“ auszurufen. Das wäre die höchste Alarmstufe der WHO. Das hat keine unmittelbaren praktischen Konsequenzen, würde aber die Aufmerksamkeit der Behörden in aller Welt noch stärker auf das Affenpocken-Problem lenken und soll zu noch stärkeren Bemühungen um eine Eindämmung führen.

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Der Ausschuss habe sich zwar gegen die Erklärung einer Notlage ausgesprochen, aber keinen Zweifel daran gelassen, dass die Situation ernst sei, sagte Tedros. Elf der Expertinnen und Experten seien gegen die Erklärung einer Notlage gewesen, drei dafür. „Sie empfahlen, den Ausschuss je nach Entwicklung der Lage schnell wieder einzuberufen, und das werde ich auch tun“, so der WHO-Chef. (mjä/mit dpa)