Er evakuiert kranke Kindern aus der Ukraine

Andreas Tölke von Be An Angel: "Jeder von uns ist ja mehr als ein Krieg"

Andreas Tölke: "Jeder von uns ist ja mehr als ein Krieg" Evakuierung von kranken Kindern aus der Ukraine
04:36 min
Evakuierung von kranken Kindern aus der Ukraine
Andreas Tölke: "Jeder von uns ist ja mehr als ein Krieg"

von Amany Salama und Nele Balgo

Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 sind laut Statistik des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR mehr als 17 Millionen Menschen aus der Ukraine geflüchtet. Dennoch müssen nach wie vor viele Menschen evakuiert werden. Im Norden des Landes sei das über Busverbindungen nach Polen gut machbar, der Süden wiederum sei „das schwierigste Gebiet“, sagt Andreas Tölke, Vorsitzender der NGO Be An Angel e.V..

Demnach sei es vergleichsweise einfach aus Kiew und Lwiw wegzukommen, aus Odessa, Mykolajiw, Saporischschja oder Luhansk „kommen die Menschen ganz, ganz schwer weg“, so Tölke im Interview mit RTL-Reporterin Nele Balgo.

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Evakuierung "extrem komplex"

Die Organisation evakuiere auch Kinder, vorwiegend kranke Kinder. Das sei „extrem komplex“, logistisch und rechtlich aufwändig. Denn: Um in Deutschland, Österreich, Italien oder in der Schweiz behandelt zu werden, brauche es immer eine Aufnahmebereitschaft der Klinik. Vorher werde die jeweilige Diagnose verlangt, die meist zunächst aus dem Ukrainischen übersetzt werden müsse. Bei einer Zusage müsse dann geklärt werden, wie das Kind transportiert werden soll — liegend oder sitzend, mit einer Ambulanz oder in einem PKW. Und: „Wer begleitet? Sind die Papiere von demjenigen, der das Kind begleitet, in Ordnung? Also Männer dürfen einfach nicht raus im wehrfähigen Alter, unter bestimmten Bedingungen dann doch“, führt Tölke die Komplexität des Evakuierungsvorganges weiter aus.

Ob die Kinder nach ihrer Behandlung zurück in die Ukraine können, hänge davon ab, woher sie kamen bzw. wohin sie nach dem Auslandsaufenthalt sollen und welche Versorgungsmöglichkeiten es vor Ort gibt. Bis Oktober/November sei die „Sicherheitslage in den Großstädten bedenklich, aber erträglich“ gewesen, jetzt sei die Lage in der Hauptstadt Kiew deutlich schlimmer.

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„Es gibt da auch noch ein normales Leben“

Tölke selbst hat in der Ukraine einen Alltag erlebt, den er als „ambivalent“ bezeichnet. Auf der einen Seite gebe es alle 15 bis 20 Kilometer Checkpoints, an denen schwer bewaffnete Soldaten in den Evakuierungsbus kommen — das sei der „tatsächliche, dauernde, anwesende Krieg“. Auf der anderen Seite gebe es Abende mit Freunden, gutem Essen und Gesprächen jenseits des Krieges.

Erst spät habe er verstanden, dass der Krieg zwar 24 Stunden am Tag stattfindet, „aber das Leben trotzdem noch ganz andere Aspekte hat“. Menschen würden sich Gedanken machen, was man kochen oder wo man Freunde treffen könnte, außerdem würden sie flirten. Denn: „Es gibt da auch noch ein normales Leben“, sagt Tölke, „wir sind ja mehr, jeder von uns ist ja mehr als ein Krieg.“

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