„So behandelt man keine Menschen!“

Albtraum Pflegeheim: Ex-Angestellte Eva Ohlerth packt aus

17. Oktober 2019 - 9:43 Uhr

Fäkalien, Anschreien, abgeschnittene Haare

Seit fast drei Jahrzehnten arbeitet Eva Ohlerth in der Pflege. Doch vor zehn Jahren konnte sie einfach nicht mehr, kündigte dem Heim, für das sie damals tätig war: Sie wollte es nicht mehr ertragen, jeden Tag mit anzusehen, wie älteren Menschen dort systematisch die Würde genommen wurde. Welche katastrophalen Zustände sie erlebte und was der furchtbare Schlüsselmoment war, in dem sie die Reißleine zog, erklärt Eva im Video.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – in vielen Pflegeheimen gelten andere Maßstäbe

Etwa 3,4 Millionen Menschen sind in Deutschland laut Statistischem Bundesamt auf Pflege angewiesen. Fast 14.500 Heime sind dafür da, sie zu versorgen – eigentlich. Denn längst ist bekannt, dass der Pflegenotstand, der sich seit Jahren immer weiter zuspitzt, in zu vielen Einrichtungen zu katastrophalen Verhältnissen führt.

Dort ist das Personal völlig überlastet, für dringend notwendige hygienische und gesundheitliche Behandlungen bleibt so gut wie keine Zeit – die Heimbewohner werden eher als "Biomasse" denn als Menschen behandelt, mit Medikamenten gefügig gemacht und in entwürdigenden Situationen sich selbst überlassen. Sensibilität und Zuwendung? Eher die absolute Ausnahme als die Regel. Das beschreibt Eva Ohlerth jetzt in ihrem Buch "Albtraum Pflegeheim"*, das sie zusammen mit dem Medizinjournalisten Frank Wittig veröffentlicht hat. "So behandelt man keine Menschen!" heißt es darin im Vorwort.

Pfleger sollen Angehörige ins Boot holen

Heute arbeitet Eva Ohlerth in der häuslichen Pflege, will nie wieder einen Fuß in ein Pflegeheim setzen. Sie wünscht sich, dass Pflegeangestellte offen mit den Zuständen ihrer Einrichtung umgehen und Angehörige mit ins Boot holen, um gegen den Notstand vorzugehen. "Pfleger und Pflegerinnen müssen ehrliche Überlastungsanzeigen schreiben und signalisieren: 'Wir schaffen das nicht mehr, beschwert euch über uns!' Denn eine gute Pflegekraft hat kein Problem damit, wenn sich Angehörige beschweren."

Wie erkennt man ein gutes Pflegeheim?

Aber woran erkennt man, ob die eigenen Eltern oder andere Angehörige in einer Pflegeeinrichtung gut aufgehoben sind? Schließlich hat nicht jeder die Möglichkeit, sie zu Hause zu versorgen. Reporterin Pia Osterhaus hat für die RTL-Enthüllungsreihe "Team Wallraff" schon selbst undercover in Pflegeheimen gearbeitet. "Ich würde darauf achten, wie mein Angehöriger zurechtgemacht ist, wenn ich zu Besuch komme", rät sie. "Ist er gepflegt, steht außerdem Wasser in greifbarer Nähe? Auf jeden Fall auch zu verschiedenen Tageszeiten zu Besuch kommen und auf das Pflegepersonal achten. Sind sie hektisch, gestresst, unfreundlich?"

Der äußerliche Zustand der Verwandten und das Verhalten des Personals sind nur zwei von vielen Faktoren, die verraten, wie in einer Einrichtung mit den Menschen umgegangen wird. Was Sie bei einer konkreten Suche sonst noch beachten sollten, erfahren Sie hier.

Pflege zu Hause: Das müssen Angehörige wissen

Nicht nur Geschichten wie die von Eva Ohlerth halten viele davon ab, ihre pflegebedürftigen Eltern oder Verwandten in einem Heim unterzubringen: Sie sollen ihrer vertrauten Umgebung nicht entrissen werden. Doch auch bei der Pflege zu Hause gibt es einiges zu beachten. Die wichtigsten Punkte erfahren Sie hier.

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