Schulbarometer offenbart die größten Probleme an deutschen Schulen

„Alarmstufe dunkelrot“ - Viel zu wenig Lehrer an den Schulen!

ARCHIV - 17.08.2016, Niedersachsen, Hannover: Eine junge Lehrerin schreibt an einer Schultafel im Mathematikunterricht einer 8. Klasse an einer Integrierten Gesamtschule. Lehrermangel bleibt weiterhin ein Problem an vielen niedersächsischen Schulen.
Es gibt viel zu wenig Lehrkräfte an deutschen Schulen, das führt zu Problemen.
jst axs uk hoh, dpa, Julian Stratenschulte

Den Schulen mangelt es an Lehrkräften – und zwar ordentlich. Einer aktuellen Umfrage zufolge stellt fehlendes Personal aktuell die größte Herausforderung für die Schulleitungen in Deutschland dar. Schülern kann dadurch oft nicht die benötigte Unterstützung beim Lernen geboten werden.

Besonders an Schulen in sozialen Brennpunkten haben diese Probleme weitreichende Konsequenzen. Die Bildungsgewerkschaft GEW rief angesichts der Ergebnisse die „Alarmstufe rot“ aus. Doch ein schnelle und einfache Lösung ist aktuell nicht in Sicht.

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67 Prozent der Schulleiter sehen Personalmangel als größte Herausforderung der Schulen

Das größte Problem an Deutschlands Schulen ist aus Sicht der Schulleiter der Mangel an Lehrkräften. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Besonders angespannt ist die Situation demnach an Schulen in sozialen Brennpunkten. Auch deutliche Lernrückstände bei Schülerinnen und Schülern werden angezeigt.

Die Bildungsgewerkschaft GEW rief angesichts der Ergebnisse der Umfrage die „Alarmstufe dunkelrot“ aus und forderte schnelle und nachhaltige Hilfen für die Schulen. Laut Deutschem Schulbarometer halten zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Schulleitungen den Personalmangel für die größte Herausforderung an ihrer Schule. Mit 80 Prozent wird er demnach besonders häufig an Schulen in sozial schwieriger Lage genannt. Was kann dagegen getan werden?

Lösungen für den Lehrkräftemangel?

„Für den Lehrkräftemangel gibt es keine schnelle und vor allem keine einfache Lösung“, sagte Dagmar Wolf von der Robert Bosch Stiftung. Weniger bürokratischer Aufwand könne die aktuelle Personalnot an den Schulen aber zumindest lindern, erklärte sie. Aber auch andere Maßnahmen könnten dabei helfen, den Personalmangel an deutschen Schulen zu lindern:

  • weniger Bürokratie an Schulen
  • Anstellung von Unterstützungsfachkräften in der Verwaltung, pädagogischen Assistenzkräften oder ausländischen Lehrkräften
  • dazu schnellere Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse sowie die Qualifikation von Quer- und Seiteneinsteigern
  • kontinuierlich Lehrkräfte ausbilden und einstellen
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Teufelskreis: Überlastung durch Lehrkräftemangel und Lehrkräftemangel durch Überlastung

Alarm schlagen auch die Bildungsgewerkschaft GEW und der Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Der eklatante Lehr- und Fachkräftemangel ist die Achillesferse des Schulsystems. Er bremst nicht nur nahezu jedes schulpolitische Reformvorhaben aus, sondern gefährdet mittlerweile die Bildungsanstrengungen in Deutschland insgesamt“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze. „Schulleitungen und Kollegien brauchen endlich wieder Rahmenbedingungen, um ihre Arbeit professionell tun zu können“, forderte sie. Es gelte, dem Teufelskreis aus Überlastung durch Lehrkräftemangel und Lehrkräftemangel durch Überlastung zu entkommen.

„Lehrkräftemangel ist für uns in der Schule nicht nur eine Zahl, es ist eine reale Bedrohung für die pädagogische Qualität unseres Angebots“, teilte der VBE-Bundesvorsitzende Gerhard Brand mit. „Vor allem, wenn noch lauter darüber nachgedacht wird, das Lehramtsstudium zu verkürzen und die Lehrbefähigung schon mit dem Bachelor erreicht wird.“ Das sei ein Irrweg, warnte er.

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Digitalisierung, hohe Arbeitsbelastung und Co. - diese Probleme gibt es neben dem Personalmangel

Das Schulbarometer zeigt zudem, dass mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Schulleitungen meinen, einigen Schülerinnen und Schülern nicht die benötigte adäquate Unterstützung beim Lernen bieten zu können. Laut der Umfrage haben durchschnittlich 35 Prozent der Schüler aktuell deutliche Lernrückstände, an Schulen in sozial schwieriger Lage sind es mit geschätzten 65 Prozent fast doppelt so viele. Diese Probleme nennen die Schulleitungen in der Studie am häufigsten:

  • Personalmangel
  • Digitalisierung und schlechte technische Ausstattung
  • zu viel Bürokratie
  • hohe Arbeitsbelastung
  • Corona-Pandemie und deren Folgen

Schulleitungen brauchen dringend mehr Fördermittel

Trotz der zwei Milliarden Euro schweren Unterstützung aus dem Bund-Länder-Paket „Aufholen nach Corona“ benötige die große Mehrheit der Schulleitungen (70 Prozent) dringend weitere Fördermittel, erläuterte Wolf. Das Ziel, insbesondere sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstützen, sei weit verfehlt worden, weil alle Schulen über einen begrenzten Zeitraum Fördermittel nach dem sogenannten Gießkannenprinzip erhalten hätten. Es brauche hingegen eine langfristige und passgenaue Unterstützung der Schulen, forderte Wolf.

Auch die Zuwanderung von Schülerinnen und Schülern stellt die Schulen vor große Herausforderungen. Im Schnitt sieben Kinder und Jugendliche aus der Ukraine haben sie seit März 2022 nach Schätzungen der befragten Schulleitungen aufgenommen. Durchschnittlich fünf waren es demnach aus anderen Ländern. Rund die Hälfte der Schulen sieht laut Schulbarometer aktuell keine Kapazitäten mehr für die Aufnahme weiterer Schülerinnen und Schüler. Mit 45 Prozent gaben insbesondere Schulen an sozial benachteiligten Standorten an, bereits über ihrer Kapazitätsgrenze zu arbeiten. Laut Schulbarometer haben sie überdurchschnittlich häufig neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler aufgenommen. (khe/dpa)

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