Warum holt die AfD in Sachsen 24,6 Prozent?

"Meine Heimat Dresden steht leider auch für die AfD!"

07. Oktober 2021 - 9:43 Uhr

Eine Reportage von RTL-Reporterin Juliane Bauermeister

Meine Heimat Dresden steht für Tourismus, Wirtschaft und Forschung. Und leider auch für die AfD. Bei der Bundestagswahl holte die fremdenfeindliche Partei mit knapp 26 Prozent der Erststimmen in Sachsen das stärkste Ergebnis in ganz Deutschland. Aber woher kommt dieser große Zuspruch? Das wollte ich herausfinden und habe meine Heimat besucht.

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So spaltet die AfD: „Ich habe leider keinen Kontakt mehr zu meinem Bruder und meiner Schwägerin“

Bevor ich mit Freunden und Bekannten darüber spreche, höre ich mich erstmal in der Altstadt um. Ich treffe Kerstin Birkholz (56). Sie ist Professorin am Goethe-Institut in Dresden. Was sie mir erzählt, macht mich nachdenklich, denn Geschichten wie diese habe ich schon einige Male von Freunden gehört.

"Ich habe leider keinen Kontakt mehr zu meinem Bruder und meiner Schwägerin", erzählt sie mir. "Das AfD-Gerede hat mich zu sehr genervt, ich habe dann angefangen, mich von Familien-Feiern fern zu halten."

Ein Beispiel dafür, wie die AfD spaltet. Ich persönlich kenne niemanden, der die AfD gewählt hat. Daher bleiben mir Gespräche dieser Art erspart. Ich möchte von meiner Freundin Luise Koenitz (34) wissen, warum ist die Partei, die für alles andere als Weltoffenheit steht, besonders hier so stark?

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„Ich glaube, Toleranz ist besonders da wichtig, wo es eng wird!"

"Die Sachsen oder die Dresdner sind meiner Meinung nach schon sehr konservativ und die Dresdner sehen sich gern immer auf der Verlierer-Seite. Das Wahlergebnis passt dazu. Aber wir sollten hier vorsichtig sein. Denn oft wird das ja so dargestellt, dass diese Menschen die Abgehängten sind, es sind die dummen Menschen, die die AfD wählen. Ich finde, das ist ein grober Fehler", erzählt sie mir. Aber wie geht man mit Menschen um, die die AfD wählen? Luise: "Ich glaube, Toleranz ist besonders da wichtig, wo es eng wird. Wo es gegen die eigenen Überzeugungen und die eigene Meinung geht. Ich glaube, das sollten wir ein bisschen mehr üben."

Ich treffe mich außerdem mit einem ehemaligen Kollegen, mit Dirk Hein von der Dresdner Morgenpost. Wir haben uns früher ein Büro geteilt. Vor unserem Fenster sind regelmäßig die Pegida-Demonstranten vorbeigezogen. Dirk ist Politik-Journalist und muss es doch deshalb genau wissen. Woher kommt die starke AfD?

"Ich denke, das ist ein Ost-Phänomen. Ich hab oft darüber nachgedacht. Ich glaube, es hängt auch damit zusammen, dass die DDR atheistisch geprägt war. Bei uns gab es diese kirchlichen Strukturen nicht. Du hast auch niemanden gehabt, der dir sagt, du musst mit den Leuten vernünftig und fair umgehen. Dann ist in Dresden ja auch Pegida groß geworden, die Menschen konntest auf die Straße gehen und offen, böse und hasserfüllt sein. Und es gab kein Korrektiv, was dir gesagt hat, lasst das bitte. Es gab eher Leute, die gesagt haben: Endlich sagt es mal jemand."

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"In meinem Wahlkreis war schon die letzten vier Jahre eine AfD Kandidatin – man muss ehrlich sagen, da kam nichts“

Von 16 Direktmandaten der AfD kommen 10 aus Sachsen. Dirk Hein: "Ich glaube, dass wir Sachsen dadurch nicht gut in Berlin vertreten sind und weniger Einfluss haben werden. In meinem Wahlkreis war schon die letzten vier Jahre eine AfD Kandidatin – und man muss ehrlich sagen, da kam nichts."

Daher ist es umso wichtiger, erzählt mir Dirk, egal wie weit die Meinungen auseinander gehen, man sollte miteinander reden. Und mein Besuch hat auch gezeigt: Die große Mehrheit der Menschen läuft hier nicht der AfD hinterher, im Gegenteil.

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