Aus Homophobie macht er Merchandise„Før vi går hjem“ – Søren Torpegaard Lund singt Dänemark beim ESC zurück ins Rampenlicht

Sein Auftritt ist ein kleines Kunstwerk.
Dass der 27-jährige Søren Torpegaard Lund am 14. Februar als Sieger aus dem dänischen ESC-Vorentscheid hervorging, war schon eine echte Überraschung. Der Musicaldarsteller musste gegen etablierte Künstler antreten. Doch dann legte er einen Auftritt hin, der alle überzeugte. Warum er auch in Wien auf Dänisch statt Englisch setzt, hat er uns im RTL-Interview verraten.
Søren Torpegaard Lund fühlt sich seiner Muttersprache sehr verbunden
Schon kurz nach seinem Sieg in Dänemark am Valentinstag eroberte Søren Torpegaard Lund mit seinem Song „Før vi går hjem“ („Bevor wir nach Hause gehen”) die Top drei bei den Buchmachern. Dabei spricht die Statistik gegen den jungen Musicaldarsteller. Seit 1997 der letzte Beitrag auf Dänisch über die ESC-Bühne ging, konnten sie sich in ihrer Landessprache nicht mehr für das Finale qualifizieren. Gerade in den letzten Jahren waren die Resultate für unsere nördlichen Nachbarn sehr überschaubar.
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Für Søren war es keine Frage, in welcher Sprache er sein Land in Wien repräsentieren möchte: „Ich habe bisher nur Songs auf Dänisch geschrieben. Für mich war es daher ganz natürlich, das beizubehalten.” Er sei nicht abgeneigt, etwas auf Englisch zu machen, „aber für mich hat die dänische Sprache etwas sehr Authentisches, wenn sie aus meinem Mund kommt.”
Der 27-Jährige liebt seine Muttersprache: „Sie hat etwas Poetisches, auch wenn uns oft gesagt wird, Dänisch sei irgendwie komisch und seltsam.” Für ihn wäre es ein anderer Song, wenn er auf Englisch präsentiert würde: „Ein Teil der Authentizität meiner Interpretation würde verloren gehen.”
Søren wurde als „Schwuler im Netzstrumpf“ beschimpft
Es macht sich bezahlt, dass er ausgebildeter Musicaldarsteller ist. Der Auftritt ist ein kleines Kunstwerk, Søren singt und tanzt drei Minuten um sein Leben. Für ihn als Fan ist der ESC ein einmaliges Erlebnis. Der europaweite Zuspruch überrascht ihn aber auch immer noch: „Als ich Dänemark so weit oben in den Quoten sah, dachte ich: Nach all den Jahren, in denen wir uns nicht qualifiziert haben, läuft es gut für uns. Und dann wurde mir klar: Oh, das bin ja ICH.”
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Ähnlich wie in Deutschland lieben die Dänen den ESC, wenn sie gut abschneiden. Läuft es schlecht, wird der Wettbewerb genauso mies gemacht wie bei uns. Das bestätigt uns auch Søren: „Es galt als ziemlich peinlich in der Branche, da mitzumachen. Und wer es tat, wurde in der Musikszene nicht ernst genommen.” Ihm war und ist das allerdings egal. Er mache das für sich, für niemanden sonst.
Auch persönliche Angriffe bleiben nicht aus: „Ich habe auch Homophobie von einigen wenigen Leuten erlebt, die die Show für zu schwul hielten. Ich wurde als ‚Schwuler im Netzstrumpf’ beschimpft.” Doch daraus schlägt er ein Schnippchen: „Jetzt mache ich Merchandise mit diesem Spruch!” Durch die tollen Wettquoten hat sich aber auch etwas getan: „Ich habe viel Unterstützung aus der Musikbranche bekommen, zum Beispiel wird der Song im Radio gespielt und in Playlists aufgenommen.”
Wer in Kopenhagen ist, könnte Søren dort begegnen
Neben dem ESC hat der Musicaldarsteller einen großen Wunsch: „Meine absolute Traumrolle ist Orpheus in Hadestown.” Doch falls er am 16. Mai in Wien gewinnen sollte, dürfte er dafür erst einmal keine Zeit haben. Er arbeitet an neuer Musik, um gerüstet zu sein. Gleichzeitig versucht er, sich Zeit für sich selbst zu nehmen: „Ich habe das Gefühl, dass mich dieser ganze Zirkus ein bisschen vereinnahmt hat. Deshalb versuche ich, mal abzuschalten, neue Energie zu tanken.”
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Wer in Kopenhagen Urlaub macht, der könnte Søren sogar begegnen: „Ich bin immer irgendwo in der Stadt unterwegs, zum Beispiel in Cafés.” Es gilt also, die Augen aufzuhalten, ob am Nachbartisch nicht vielleicht ein waschechter ESC-Teilnehmer sitzt.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


