1990 für Deutschland auf der BühneDieser „Gänsehautmoment” beim ESC veränderte Daniel Kovacs Leben

Daniel Kovac lebt heute in der Nähe von Pula (Kroatien)
Daniel Kovac lebt heute in der Nähe von Pula (Kroatien)
Privat

Eine Begegnung lässt ihn bis heute nicht los.
Daniel Kovac (69) wird Mitte der 1980er Jahre in Deutschland als Moderator bei Tele 5 bekannt, einem Musiksender. Dass er auch singt, wissen viele Zuschauer nicht. Mit dem Song „Frei zu leben“, einem Duett mit Chris Kempers, steht er 1990 für Deutschland in Zagreb auf der ESC-Bühne. Und während Millionen zuschauen, erlebt er einen Moment, den er bis heute nicht vergessen kann.

Eine Umarmung, die Daniel Kovac alles bedeutet

Die Lisinski-Halle, in der der Wettbewerb damals ausgetragen wird, kennt Kovac noch ganz genau. Gleich hinter dem Hauptbahnhof von Zagreb erhebt sich der mit einer flachen Kuppel überdachte Bau im Stil des Sozialismus der 1970er Jahre. Auch heute noch finden hier jede Woche Konzerte und Auftritte statt. Und hier schlägt am 5. Mai 1990 die große Stunde von Daniel Kovac.

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Besonders ein Augenblick direkt nach dem Auftritt hat sich bei ihm eingebrannt: „Eine ältere Dame kam sofort nach dem Auftritt zu mir, hat mich umarmt.“ Was dann folgt, berührt ihn noch heute: „Sie sei die erste Violinistin aus dem Orchester und sie muss mich umarmen, denn sie schwärmt von meinem Gefühl, von der Ausstrahlung und meiner Bühnenpräsenz. Und das Lied an sich, das hätte sie umgehauen.“ Noch bevor die Punkte vergeben werden, ist für ihn klar, dass dieser Moment mehr wert ist als jede Platzierung. „Das werde ich nie vergessen.“

Toto Cutugno sieht sie schon vorne

Auch ein anderer Superstar lässt tief blicken. Kurz vor dem Auftritt steht plötzlich Toto Cutugno – der spätere Sieger aus Italien – in der Garderobe. „Und dann sagt er, ich gratuliere dir, ihr werdet es machen.“ Für Kovac ein Gänsehautmoment – und ein Zeichen dafür, wie besonders diese ESC-Atmosphäre ist. „Diese Liebe, die spürst du in der ganzen Halle.“
Für ihn ist der Wettbewerb damals mehr als nur ein Wettkampf. „Das ist keine Konkurrenz.“ Vielmehr erinnert er sich an ein Gefühl von Gemeinschaft, das ihn bis heute begleitet.

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Für den heute 69-Jährigen hat der Auftritt noch eine ganz persönliche Dimension. Geboren in Slowenien, aufgewachsen in Deutschland, kehrt er mit diesem Auftritt gewissermaßen in seine alte Heimat zurück. Seine Eltern seien unglaublich stolz gewesen „Der Sohn singt jetzt im ehemaligen Jugoslawien für Deutschland. Das war das allergrößte.“ Dieser Moment bedeutet seiner Familie alles. Und auch er selbst ist stolz, diesen Weg gegangen zu sein.

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Panne bei der Vorentscheidung – und trotzdem gewonnen

Dass es überhaupt zum ESC geht, ist alles andere als klar. Bei der deutschen Vorentscheidung läuft es zunächst schief. „Die Nummer fängt ganz leise mit einem Streicheln des Schlagzeugs an. Und ich musste es ganz genau hören, das ist für mich mein Einzähler. Und der hat gefehlt. So bekam ich den ersten Ton nicht.” Ein Albtraum für jeden Sänger.

„Ich habe den ersten Ton überhaupt nicht gehört. Und so bin ich dann geschwommen, etwa die ersten zweieinhalb Takte. Wie eine Platte, die du dann hochstellst.“ Innerlich sei er fast gestorben. Doch am Ende reicht es trotzdem für den Sieg. In Zagreb gibt es zum Glück keine Probleme. „Ich war nicht nervös. Bis auf den ersten Ton.”

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Auch die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel, dem Komponisten von „Frei zu leben” begann eher zufällig – und entwickelte sich zu etwas Besonderem. „Ralph und ich haben uns nachts um vier im Nachtcafé kennengelernt.“ Das Nachtcafé war ein legendäres Münchener Jazz-, Blues- und Swing-Lokal, in dem immer wieder auch Weltstars nach ihren Konzerten einkehrten.

Kovac erinnert sich an die erste Begegnung: „Ich habe Ralph Siegel kennengelernt – ohne Witz – als DEN Rock’n’Roller schlechthin.“ Damit meint er vor allem seine Einstellung: „Ein Rock ‘n’Roller muss leben und sterben dafür, was er tut. Und das macht Ralph.” Er habe „größten Respekt vor diesem Mann. Noch bis heute sind wir gut befreundet.“

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Was wurde aus Chris Kempers – und wo lebt Daniel Kovac heute?

Mit Duett-Partnerin Chris Kempers geht er nach dem ESC getrennte Wege. „Ich weiß, dass sie am Schauspielhaus in Bochum in Musicals gesungen hat, vor Jahren.” Aber mehr auch nicht.

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Heute hat Kovac sein Leben komplett verändert. Seit Corona lebt er mit seiner Frau in Kroatien, genauer gesagt in Istrien bei Pula. Dort genießt er ein anderes Tempo, mehr Leichtigkeit – und vor allem die Musik. Doch eines ist geblieben: „‚Frei zu leben’ ist nach wie vor in meinem Repertoire.“ Ein Song, der für ihn längst mehr ist als nur ein ESC-Beitrag. Es ist ein Teil seines Lebens.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche