Zwischen Dorfleben und anders seinESC-Hoffnung für Griechenland – Akylas singt sich mit „Ferto” frei

Bittersüß statt Party-Hit.
Mit „Ferto“ bringt Akylas (27) einen ESC-Song auf die Bühne, der tiefer geht als gedacht. Die Wettquoten sehen ihn aktuell auf dem 3. Platz. Im Interview mit RTL.de spricht der griechische Künstler, der Familie in Wuppertal und Dortmund hat, offen über Armut, seine Kindheit und sein Queer-Sein – und verrät, warum Helena Paparizou für ihn alles verändert hat.
Akylas’ „Ferto“ erzählt von Mangel und Sehnsucht
„Es hört sich erstmal an wie ein lustiger Song, aber er ist bittersüß.“ Akylas lächelt, als er über „Ferto“ spricht – und macht sofort klar, dass hinter dem Beat viel mehr steckt als nur gute Laune. Kurz vor dem Eurovision Song Contest fühlt er sich bereit, auch wenn die letzten Proben Kraft gekostet haben. „Ich bin ein bisschen müde, aber Wien wird mir Auftrieb geben.“
Beim ESC 2026 tritt Akylas für Griechenland an – und sein Song „Ferto“ ist alles andere als oberflächlich. Der Titel bedeutet „Bring es“ und kommt aus einem sehr persönlichen Gefühl. „Es bedeutet: Bring es, weil ich es nie hatte“, erklärt er.
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Der Track handelt von Gier, Überkonsum und dem Wunsch nach mehr. Doch dahinter steckt seine eigene Geschichte. „Viele von uns sind in einer großen Finanzkrise aufgewachsen. Wir hatten das Gefühl, dass etwas fehlt.“ Genau dieses Gefühl verarbeitet er musikalisch.
Gleichzeitig ist „Ferto“ auch eine Liebeserklärung an seine Mutter. Sie hat ihn und seine Schwester allein großgezogen. „Sie hat alles getan, um uns etwas zu bieten, obwohl sie nicht viel hatte.“ Heute will er etwas zurückgeben – mit seiner Musik und seinem Erfolg.
Queer, laut und stolz auf der ESC-Bühne
Akylas wächst in Serres auf, einer kleinen Stadt in Griechenland. Für ihn fühlt sich das eher wie ein Dorf an. „Die Leute haben viel geredet. Wenn du etwas Verrücktes getragen hast, war das schwierig.“ Gerade als queerer Junge fällt er auf. Anders zu sein, ist nicht immer leicht. Trotzdem blickt er auch mit Wärme zurück. „Es war wunderschön. Meine erste Liebe, meine Freunde, das Spielen auf der Straße.“ Eine Mischung aus Nostalgie und Schmerz, die sich heute auch in seiner Musik wiederfindet.
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Heute nutzt er genau diese Erfahrungen für seine Kunst. Auffällige Outfits, mutige Styles – der 27-Jährige lebt das aus, was früher kaum möglich war. „Ich konnte diese verrückten Sachen ja nicht einfach im Supermarkt tragen“, sagt er lachend. Jetzt genießt er die Freiheit. Und er hat eine klare Botschaft: Jeder soll tragen, was er will. Diese Haltung spiegelt sich auch in seiner Performance beim ESC 2026 wider.
Helena Paparizou prägt seinen großen Traum
Ein Moment aus seiner Kindheit hat sich eingebrannt. 2005 gewinnt Helena Paparizou den Eurovision Song Contest für Griechenland. Akylas ist damals erst sechs Jahre alt. „Alle haben geschrien. Die Leute standen auf den Balkonen, es gab Feuerwerk.“
Diese Nacht wird zu seiner ersten ESC-Erinnerung – und zum Startpunkt seines eigenen Traums. Heute kennt er die Sängerin persönlich. „Sie hat mir gratuliert und mir Glück gewünscht. Ich bin so glücklich, dass eine Legende wie sie an meiner Seite steht.“
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Für Akylas ist der Eurovision Song Contest mehr als nur ein Wettbewerb. Nach vielen Rückschlägen sieht er darin eine zweite Chance. „Ich hatte fast die Hoffnung verloren. Und dann kam der ESC und hat alles verändert.“ Jetzt will er genau das auf die Bühne bringen: seine Geschichte, seine Wunden – und seinen Mut. Und vielleicht sorgt „Ferto“ ja wieder für ein Straßenfest wie damals bei Paparizou.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


