Sterbehilfe nach Gruppenvergewaltigung Die erschreckenden Parallelen zwischen Noelia Castillo (†25) und Noa Pothoven (†17) 

Noelia Castillo will Sterbehilfe in Anspruch nehmen
Noelia Castillo starb am 26. März in einem Krankenhaus in Barcelona durch Sterbehilfe.
Atresmedia

„Ich möchte einfach nur in Frieden gehen und aufhören zu leiden.”
Nur wenige Stunden vor ihrem Tod gibt Noelia Castillo der spanischen Fernsehsendung „Y Ahora Sonsoles“ noch ein Interview. Die 25-Jährige erklärt darin, dass sie nicht mehr leben möchte. Am Abend des 26. März nimmt die junge Frau in Barcelona Sterbehilfe in Anspruch und lässt sich eine tödliche Spritze setzen. Ihr Fall erinnert an Noa Pothoven aus den Niederlanden, die nur 17 Jahre alt wurde.

Noelia will nach Vergewaltigung und Suizidversuch nicht mehr leben

In dem Interview erzählt Noelia, dass sie mehrfach sexuell missbraucht wurde. 2022 soll sie dann Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden sein. „Es waren drei Männer, aber ich habe es nie angezeigt“, erinnert sie sich in dem TV-Interview.

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Nur Tage nach dem Vorfall versucht Noelia, sich das Leben zu nehmen. Doch der Suizidversuch scheitert. Die Spanierin kommt schwer verletzt ins Krankenhaus und überlebt. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Unter den körperlichen und seelischen Folgen litt sie bis zum Schluss. In einem fast zwei Jahre langen Rechtsstreit gegen ihren Vater setzt Noelia durch, dass sie sterben darf.

Noa Pothoven stirbt 2019 in den Niederlanden

Auch Noa Pothoven hat einen langen Leidensweg hinter sich, als sie im Juni 2019 stirbt. Die Jugendliche erzählt damals, dass sie im Alter von elf Jahren bei einer Schulfeier missbraucht wird. Es folgen weitere Taten. Mit 14 Jahren wird sie in ihrem Heimatort Arnheim von zwei Männern überfallen und vergewaltigt. „Ich erlebe diese Angst, diesen Schmerz jeden Tag wieder. Ich bin immer verängstigt, immer auf der Hut. Bis heute fühlt sich mein Körper schmutzig an”, sagte sie der Zeitung Gelderlander damals.

Die psychischen Folgen der Tat werden die Jugendliche nie wieder loslassen. Noa entwickelt eine posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen, eine Essstörung und sie unternimmt mehrere Suizidversuche. Noa muss monatelang auf einen Therapieplatz warten und wird irgendwann zwangseingewiesen.

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Auch Noa Pothoven wollte nach einer Vergewaltigung Sterbehilfe. Am Ende starb sie, weil sie aufhörte, zu essen und zu trinken.
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Auch Noa Pothoven informiert sich nach Vergewaltigung über Sterbehilfe

Ihre Vergewaltiger zeigt sie nie an, weil sie es nicht schafft, der Polizei detailliert zu erklären, was ihr angetan wurde. Bis zum Schluss möchte Noa nicht über die Taten sprechen. Weil sie ihr „hoffnungsloses, unerträgliches psychisches Leiden“ beenden will, lässt sich Noa von einer Sterbehilfeklinik in Den Haag beraten, dort wird sie aber wegen ihres Alters abgewiesen.

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Am Ende hört das Mädchen auf zu essen und zu trinken. Mit der Zustimmung ihrer Familie wird Noa in ihren letzten Tagen nur noch palliativ behandelt und nicht zwangsernährt. „Ich will Frieden, ich fühle keinen Schmerz mehr“, sagte sie vor ihrem Tod der Zeitung Gelderlander. Diesen Wunsch erfüllen ihre Eltern ihr schließlich schweren Herzens.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Verwendete Quellen: Y Ahora Sonsoles/Instagram, Gelderlander