War Mehmet A. bewusst, wie gefährlich sein Rocky war? Das Gericht wirft dem heute 32-Jährigen fahrlässige Körperverletzung vor...
Es ist Pfingsten 2022. Mehmet A. überlässt seinen American-Staffordshire-Terrier-Mischling seiner Mutter. Die auch auf ihre Enkelin, die zweijährige Nichte des Angeklagten aufpassen soll.
„Die Nichte des Angeklagten soll zunächst im Schlafzimmer geschlafen haben, dann soll sie wach geworden sein und geschrien haben. Die Mutter soll dann in das Schlafzimmer gegangen sein, sich nach dem Befinden der Nichte erkundigt haben und dabei aber vergessen haben, die Tür hinter sich zu schließen, sodass der Hund auch in das Zimmer mitkommen konnte und am Ende dann das Kind angegriffen hat."
Mindestens fünf Minuten lang ist der Kopf des Kindes im Maul des Hundes. Die Schreie sind so laut, dass der Nachbar aus der Wohnung darüber die Polizei ruft.
„Gemeinsam mit der Mutter und der Großmutter dieses Mädchens konnte man das Mädchen dann wieder von dem Hund trennen."
Einen Tag nach dem Angriff in Hamburg sprechen wir mit Nachbar Bhaarat Ahmad Toor, der mit seinem Anruf bei der Polizei wohl NOCH Schlimmeres verhindert hat.
„Diese Oma hat das Kind gerettet. Sie hat wirklich gekämpft ohne Ende. Hab ich gesehen, sie hat gekämpft mit dem Hund."
Die Großmutter kommt mit Bissverletzungen in Oberschenkel und Hand ins Krankenhaus. Das Mädchen hat tiefe Wunden im Kopfbereich und muss notoperiert werden. Beide kennen den American-Staffordshire-Terrier-Mischling. Rocky ist ein Listenhund; wird nach dem Hamburgischen Hundegesetz als potenziell gefährlich eingestuft. „Oftmals ist es so bei solchen Vorfällen, dass wir Menschen gewisse Signale die der Hund gesendet hat, Stress, Frustration oder auch Unsicherheit mehrfach übersehen haben und nicht anerkannt haben und entsprechend das dann in dem Fall tatsächlich so stark eskaliert, dass wir dann so einen Vorfall haben."
2019 beißt Rocky schon einmal ein sieben Jahre altes Kind. Den Hund abzugeben kommt für Mehmet A. aber damals nicht in Frage.
„Ich schäme mich bis heute dafür. Ich übernehme die Verantwortung für meine Fehler“. Diese Worte des Angeklagten verliest heute sein Verteidiger. Immer wieder bricht Mehmet A. in Tränen aus. Er habe gedacht, Anweisungen und Hinweise an seine Mutter, wie der Hund zu betreuen sei, würden ausreichen. Ein folgenschwerer Fehler."
Rocky wird kurz nach dem Angriff eingeschläfert. Seinem Besitzer drohen bis zu drei Jahre Gefängnis.