Baustatiker habe Gefahr nicht erkanntNach Hoteleinsturz in Kröv – Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. (Archivbild)
Zwei Menschen kamen bei dem Einsturz ums Leben. (Archivbild)
Harald Tittel/dpa

Ganzes Stockwerk bricht in sich zusammen!
Zwei Jahre nach dem verheerenden Einsturz eines Hotels in Kröv (Rheinland-Pfalz) hat die Staatsanwaltschaft Trier jetzt Anklage erhoben. Ein Statiker wird sich vor Gericht verantworten müssen. Bei Bauarbeiten an dem Hotel soll er damals die Lage falsch eingeschätzt und die Gefahr eines Einsturzes nicht erkannt haben.

Statiker hätte Sorgfaltspflicht verletzt

Die Anklage wirft dem Ingenieur für Baustatik fahrlässige Tötung in zwei Fällen, fahrlässige Körperverletzung in acht Fällen sowie Baugefährdung vor. Der Mann soll seine Sorgfaltspflicht verkannt und nicht erkannt haben, dass der Hotelabschnitt aus den 80er-Jahren akut einsturzgefährdet gewesen sei, teilt die Staatsanwaltschaft am Freitag (17. Juli) mit. Als Fachmann hätte der Statiker das erkennen müssen, heißt es weiter.

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Erste Bauverstöße bereits in den 80er Jahren

Der Hotelbetreiber hatte den nun Angeklagten im Juli 2024 wegen Risse in der Giebelwand des Hotels zur Rate gezogen. Der Statiker habe dann jedoch Baumaßnahmen angeordnet, die unzureichend gewesen seien und die Lage noch verschlimmert habe, erklärt die Staatsanwaltschaft. Zu diesem Schluss sei ein von der Behörde beauftragter Experte gekommen.

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Das Hotel war in den 1980er-Jahren aufgestockt worden. (Archivbild)
Das Hotel war in den 1980er-Jahren aufgestockt worden. (Archivbild)
Harald Tittel/dpa

Schon in den 1980er Jahren seien bei der Aufstockung des Hotels Vorschriften missachtet worden, so die Behörde. Auf das Erdgeschoss aus dem 17. Jahrhundert werden damals zwei weitere Stockwerke aufgebaut. Eine Last, die für die alte Bausubstanz zu hoch ist, erklären Gutachter der Anklage. Ein damaliger Architekt sei bereits verstorben und könne nicht mehr belangt werden.

Die Konstruktion hielt doch seit den 80er Jahren seien tragende Holzbauteile verfault und hätten nachgegeben. Durch die von dem angeklagten Statiker veranlassten Bauarbeiten sei das Gebäude dann 2014 in einen labilen Zustand geraten.

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Neun Menschen nach Einsturz verschüttet

Ein ganzes Stockwerk des Hotels bricht am späten Abend des 6. August 2024 in sich zusammen. 14 Menschen befinden sich zu diesem Zeitpunkt im Hotel, nur fünf von ihnen können sich nach draußen retten. Eine 64-jährige Urlauberin und der Hotelbetreiber kommen bei dem Einsturz ums Leben. Sieben Menschen sind teilweise stundenlang unter Trümmern der mittleren Etage begraben, bevor sie gerettet werden können – darunter auch ein zweijähriges Kind und seine Eltern.

Statiker weist Vorwürfe zurück

Der Beschuldigte weist die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück, berichtet der SWR. Über seinen Anwalt soll der Statiker mitgeteilt haben, dass eine „schicksalhafte Verkettung der Umstände“ zu dem Hoteleinsturz geführt habe. Dies führte er auch in einer Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft aus.

Das Landgericht Trier muss nun entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Bis in der Sache ein Urteil gefallen ist, gilt die Unschuldsvermutung. (okr)

Verwendete Quellen: Staatsanwaltschaft Trier, SWR