Mordprozess im Fall Fabian (†8) aus GüstrowHitziger Schlagabtausch vor Gericht! Verteidiger von Gina H. stellt Gutachter infrage

Notorische Lügen und „parasitärer Lebensstil”
Vor dem Landgericht Rostock hat der Psychiater Dr. Peter Keiper am Donnerstag (8. Oktober) ein Gutachten über die psychische Verfassung der Angeklagten Gina H. vorgestellt. Mit einem klaren Ergebnis: der Sachverständige hält die 30-Jährige für voll schuldfähig. Doch Verteidiger Thomas Löcker stellt zentrale Punkte des Experten infrage – ein hitziger Schlagabtausch entbrennt.
IQ unterdurchschnittlich und psychopatische Tendenzen
Mehrfach hat Dr. Peter Keiper Gina H. in der Untersuchungshaft getroffen. Für sein Gutachten hat der Arzt lange mit der 30-Jährigen gesprochen. Dazu hat er seit Prozessbeginn am 28. April an allen Verhandlungstagen teilgenommen. Der 64-Jährige arbeitet unter anderem in der Neurologie, seit über 20 Jahren auch in der forensischen Forschung. Für sein Gutachten über Gina H. habe er sich so weit wie möglich ein umfassendes Bild von ihrer Persönlichkeit machen wollen, heißt es.
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In seiner Ausführung ordnet der Gutachter Gina H.s Intelligenz als eher unterdurchschnittlich ein. Die 30-Jährige liege im Bereich einer Lernbehinderung. Neben einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung erkennt Keiper bei der Angeklagten außerdem psychopatische Tendenzen.
Vor allem die Merkmale des notorischen Lügens, betrügerisch-manipulativen Verhaltens, eines Mangels an Gewissensbissen und eines parasitären Lebensstils seien bei H. zu erkennen, so der Gutachter.
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Hitziges Hin und Her vor Gericht
Ein Ergebnis, das den Anwälten von Gina H. nicht zu gefallen scheint. In einer anschließenden Befragung geht der anwesende Anwalt Thomas Löcker mit scharfen Fragen an. Es entbrennt eine Meinungsverschiedenheit zwischen Verteidiger Löcker und Gutachter Keiper. Der Anwalt ist unzufrieden, dass Gina H. als pathologische Lügnerin dargestellt wird. „Das würde bedeuten: Jeder, der lügt, ist ein Psychopath“, fragt er.
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Der Gutachter will sich auf diese Diskussion nicht einlassen und nennt ein Beispiel aus dem Fall: „Als ihr Auto zweimal in Güstrow gefilmt wurde, hatte sie ganz verschiedene Versionen dazu erzählt.“ Auch der vorsitzende Richter kann sich nun einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Ist das so, wie uns der sachverständige Herr Löcker das hier gerade erklärt hat?“, fragt er den Psychiater. Peter Keiper verweist darauf, dass es bei Gina H. nicht bloß um einzelne Lügen gehe, sondern um „Pseudologia phantastica“, eine Art eigene Parallelwelt.
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Zum Thema Manipulationen will Löcker wissen: „Ist das etwas, das bei Frau H. über das Normalmaß, das bei fast allen Menschen vorhanden ist, hinausgeht?“ Peter Keiper muss lachen: „Was ist das Normalmaß an Manipulationen?“ Löcker bleibt hartnäckig. „Ist sie auffällig manipulativ?“, will der Verteidiger wissen. „Bei dem, was wir in dreißig Tagen hier gesehen und gehört haben, finde ich das schon auffällig“, resümiert Keiper.
Gina H. voll schuldfähig
In dem Hin und Her mit dem Anwalt macht der Gutachter jedoch eins sehr klar: „Die mögliche Tat ist nicht Symptom einer Störung“, sagt Peter Keiper. „Wäre die Tat auch ohne die Krankheit annehmbar? Aufgrund der psychopathischen Merkmale, die Frau H. hat, müsste ich sagen: Ja.”
Auch vor dem Hintergrund ihrer Lernbehinderung habe sie „das Unrecht der Tat erkennen können“, erläutert Dr. Keiper in seiner Vorstellung des Gutachtens. Sollte Gina H. die angeklagte Tat begangen haben, würden mehrere Faktoren gegen eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit sprechen: zum einen die Tatvorbereitung und zum anderen die Vorsorge gegen Entdeckung. Der Gutachter sei deshalb zu einem klaren Ergebnis gekommen: Gina H. ist voll schuldfähig.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


