Empörung an US-SchuleMädchen müssen intime Daten offenlegen oder bekommen Punktabzug

Eine Frau hält ein Tampon in der Hand
Was geht die Lehrer der Menstruationszyklus ihrer Schülerinnen an?
picture alliance / Zoonar / Dmitri Maruta
von Philipp Petersdorff

Wie lange dauert die Periode Ihrer Tochter?
Genau diese sehr persönliche Information sollen Eltern laut einem Unterrichtsplan an eine Highschool im US-Bundesstaat Michigan weitergeben, wenn Schülerinnen Schwimmtage nachholen wollen. Ein Vater wehrt sich jetzt gegen die Regel – und bekommt Unterstützung von einem Anwalt.

Vater will Zyklus seiner Tochter nicht offenlegen

Als Andy Amsdill den Unterrichtsplan seiner Tochter liest, bleibt er an einer Passage hängen. Es geht um den Schwimmunterricht an der Lakeview High School in St. Clair Shores im US-Bundesstaat Michigan. Und um die Frage, was Schülerinnen tun müssen, wenn sie wegen ihrer Periode nicht mitschwimmen können. Die Vorgabe sorgt bei dem Vater für Fassungslosigkeit. Denn laut dem Unterrichtsplan müssen Eltern schriftlich oder per E-Mail mitteilen, wie lange der Menstruationszyklus ihrer Tochter dauert, damit ausgefallene Schwimmtage nachgeholt werden können. Das berichtet der lokale US-Sender WXYZ.

„Das sind ihre privaten Informationen“, kritisiert Amsdill. Weder die Lehrer noch irgendjemand aus der Schulverwaltung habe seiner Ansicht nach ein Recht darauf. Doch für seine Tochter kann die Sache Auswirkungen auf die Bewertung haben. Laut Unterrichtsplan gelten nicht nachgeholte Schwimmtage als fehlende Teilnahme. Gleiches gilt demnach, wenn eine Schülerin an diesem Tag auch nicht an den Sportübungen außerhalb des Wassers teilnimmt. Dafür werden Punkte abgezogen.

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Schule bietet nur Einzellösung für Tochter an

Amsdill wendet sich deshalb an die Verantwortlichen der Schule. Die Reaktion überzeugt ihn allerdings nicht. Nach seiner Darstellung sei ihm lediglich angeboten worden, dass seine eigene Tochter die Angaben nicht machen müsse. „Das Beste, was sie mir anbieten konnten, war, dass meine Tochter es nicht tun muss“, sagt er. Grundsätzlich abschaffen wollte die Schule die Regel nicht.

Das reicht Amsdill nicht. Für den Vater geht es um mehr als nur um seine Tochter. Er sieht Schülerinnen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt und hält auch einen Konflikt mit einem US-Bundesgesetz für möglich, das Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in staatlich geförderten Bildungseinrichtungen verbietet. Auch Rechtsanwalt Jon Marko äußert gegenüber WXYZ Bedenken. „Das ist hier ein problematischer Bereich“, sagt er. Seiner Einschätzung nach könnte die Vorgabe sowohl gegen Bundesrecht als auch gegen das Antidiskriminierungsgesetz des Bundesstaates Michigan verstoßen.

Weitere Eltern kritisieren vor allem den Eingriff in die Privatsphäre der Schülerinnen. Mutter Elizabeth Gibson bezeichnet es als „wirklich übergriffig“ und unnötig, solche Informationen offenlegen zu müssen. Eine andere Mutter betont, Schülerinnen dürften wegen ihrer Entscheidung keine schlechtere Bewertung bekommen.

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Schulbezirk zurückhaltend

Der Schulbezirk selbst äußert sich bislang zurückhaltend. Superintendent Karl Paulson bestätigt gegenüber WXYZ, dass die Verantwortlichen von den Bedenken eines Elternteils erfahren hätten. Die Schule wolle sich mit ihm zusammensetzen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Zu der entscheidenden Frage, ob die umstrittene Regel für alle Schülerinnen geändert oder gestrichen wird, macht der Schulbezirk in seiner Stellungnahme keine Angaben.

Verwendete Quelle: WXYZ Detroit