Live-Ticker zum Anschlag auf Berliner CSDAnwalt von Abdul Ballout: „Ich fühle mich wie im falschen Film“

von Lea Haberbosch, Denise Gatzweiler, Samina Faizi, Camilla Koziol, Sebastian Fuhrmann, Roger Saha, Nele Balgo, Doro Steitz, Dimitri Blinski und Jan Luhrenberg

Horror beim CSD in Berlin!
Am Samstagabend ist ein weißer Mini-Van durch den Großen Tiergarten in eine Menschenmenge gerast. Es gibt mindestens eine Tote und 29 Verletzte. Der Attentäter kann fliehen. Am Sonntagabend gelingt der Polizei in Berlin-Spandau dann der Zugriff – bei dem der Attentäter stirbt.

Anschlag auf CSD in Berlin: Hier im Live-Ticker die Entwicklung verfolgen

Wichtige Updates
Camilla Koziol

„Ich fühle mich wie im falschen Film“: Ex-Anwalt spricht über CSD-Attentäter 

Der frühere Anwalt des mutmaßlichen Attentäters Abdul Ballout zeigt sich nach der Tat erschüttert. „Ich fühle mich wie im falschen Film“, sagte Strafverteidiger Yalcin Geyhan der „Süddeutschen Zeitung“. Rückblickend bezeichnet er seinen ehemaligen Mandanten als „Manipulator“. Ballout habe behauptet, selbst von IS-Anhängern beeinflusst worden zu sein – tatsächlich sei er derjenige gewesen, der andere getäuscht habe.

Die Entscheidung des Amtsgerichts Tiergarten, Ballout nach seiner Verurteilung im Mai 2026 aus der Untersuchungshaft zu entlassen, habe er damals für nachvollziehbar gehalten. Der Richter habe sorgfältig und im Rahmen der geltenden Rechtslage entschieden. Nach dem Anschlag mit einer Toten und 31 Verletzten steht die Haftentscheidung jedoch massiv in der Kritik.
Camilla Koziol

Spurensuche geht weiter

Einsatzkräfte der Polizei suchen auch am Mittwoch (29. Juli) noch in der Nähe des Tatorts des Anschlags auf den Christopher Street Day (CSD) nach Spuren. Im Tiergarten war am Rande des CSD ein Mann mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren.
Sven Kaeuler/dpa
Camilla Koziol

NRW verschärft Überwachung von 165 islamistischen Gefährdern 

Als Konsequenz aus dem islamistisch motivierten Terroranschlag in Berlin nehmen die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen Gefährder stärker ins Visier. "Unsere Gefährder, die gucken wir uns jetzt ganz genau an, die nehmen wir uns vor", sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf.

Zugleich seien die Sicherheitsmaßnahmen für große Veranstaltungen im bevölkerungsreichsten Bundesland verschärft worden. Schon am Sonntag seien alle Kreispolizeibehörden im Land per Erlass sensibilisiert worden, noch mehr Präsenz zu zeigen, Schutzmaßnahmen zu prüfen und wo nötig nachzusteuern. Gerade bei Volksfesten, Konzerten und anderen großen Veranstaltungen wie den anstehenden Umzügen zum Christopher Street Day (CSD) zeige die Polizei noch stärker Gesicht.
Camilla Koziol

Prien stellt mehr Geld gegen Radikalisierung in Aussicht 

Nach dem islamistischen Anschlag in Berlin stellt Familienministerin Karin Prien den Ländern mehr Geld für Angebote gegen Radikalisierung in Aussicht. Konkret geht es um fünf Millionen Euro aus dem Förderprogramm «Demokratie leben!», die noch nicht verplant sind. "Ich könnte mir sehr gut vorstellen, diesen Betrag einzusetzen", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. 
Prien betonte mit Blick auf den CSD-Anschlag, bei dem ein Islamist eine Frau tödlich und etwa 30 weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt hatte: "Für mich ist dieser erschütternde Anschlag Anlass, um die Ausrichtung von 'Demokratie leben' bei der Extremismusprävention nachzuschärfen und dabei das Thema Deradikalisierung in den Fokus zu nehmen." Dabei will sie sich mit den Ländern und mit Verbänden beraten, auch mit den muslimischen Gemeinschaften.

Am Samstag hatten hunderttausende Menschen unter dem Motto „Haltung ist hot” am Christopher Street Day in Berlin teilgenommen. Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn” in der Christopher Street New York stürmte. Es folgten tagelange gewaltsame Auseinandersetzungen mit Aktivsten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.