Angriff auf Ebola-KlinikBewaffnete entführen mit Ebola infizierte Mutter und Kind (6) aus Krankenhaus

Was passiert im Osten der DR Kongo?
Bewaffnete stürmen ein Ebola-Krankenhaus im Osten der DR Kongo und holen eine Sechsjährige und ihre Mutter heraus – jetzt warnen Experten vor einem gefährlichen Infektionsherd in der Gemeinde.
DR Kongo: Männer entführen Ebola-Kind (6) aus Klinik
Der Vorfall ereignete sich im Wanamahika-Hospital in der Stadt Butembo, im Ebola-geplagten Osten der Demokratischen Republik Kongo. Laut dem örtlichen Gesundheitsverantwortlichen Dr. Lubambo Maboko Gaston drangen „sehr wütende“ Männer mit Messern in die Klinik ein und nahmen eine sechsjährige Ebola-Patientin und ihre Mutter gewaltsam mit. Ob die Täter Angehörige sind oder aus dem Umfeld der Familie stammen, ist bislang unklar.
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Im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters appelliert Gaston eindringlich an Mutter und Kind, sich so schnell wie möglich wieder in medizinische Behandlung zu begeben. „Ihre Rückkehr in die Gemeinschaft riskiert, Ihren Gesundheitszustand zu verschlechtern und vor allem ihre Angehörigen zu infizieren“, warnte er.
Misstrauen, Verschwörungsmythen und Gewalt gegen Kliniken
Der Fall steht exemplarisch für das tiefe Misstrauen vieler Menschen in der Region gegenüber Ebola-Zentren. Ebola-Isolierstationen sind bereits mehrfach angegriffen worden, wie die BBC berichtet. In der aktuellen Welle gibt es inzwischen rund 840 bestätigte Fälle und fast 200 Todesopfer, vor allem in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu.
Immer wieder versuchen Angehörige, die Leichen ihrer Verstorbenen aus Kliniken zurückzuholen, weil traditionelle Bestattungsrituale im Widerspruch zu den strengen Ebola-Regeln stehen. In der Stadt Mongbwalu schoss die Polizei nach BBC-Angaben in die Luft, als wütende Menschen versuchten, die Körper ihrer Angehörigen aus einer Einrichtung zu holen. Kurz zuvor hatten aufgebrachte Gruppen im Ort Rwampara Isolationszelte angezündet, nachdem ihnen der Zugang zum Körper eines mutmaßlichen Ebola-Toten verweigert worden war.
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Der Hintergrund: Die Leiche eines Ebola-Opfers ist hochinfektiös, vor allem beim Waschen und Ankleiden vor der Beerdigung – genau dann kann sich das Virus explosionsartig im Umfeld verbreiten.
„Für viele ist Ebola eine Erfindung von Außenstehenden“
Lokale Politiker warnen seit Wochen vor gefährlichen Falschinformationen. Der kongolesische Politiker Luc Malembe sagte der BBC, ein Teil der Bevölkerung glaube, Ebola sei „eine Erfindung von Außenstehenden“. „Sie glauben, NGOs und Krankenhäuser würden das alles nur erfinden, um Geld zu verdienen, und das ist tragisch“, so Malembe.
Dieses Misstrauen führt dazu, dass Erkrankte zu Hause versteckt, Leichen heimlich beerdigt und Kliniken angegriffen werden. Für Ärzte und Helfer wird es so noch schwieriger, Infektionsketten zu verfolgen und Kontaktpersonen zu testen – ein Albtraum inmitten eines ohnehin schwer zu kontrollierenden Ausbruchs.
Seltener Ebola-Typ ohne Impfschutz
Die aktuelle Epidemie wird durch einen seltenen Ebola-Typ ausgelöst: den sogenannten Bundibugyo-Virus. Anders als beim bekannteren Zaire-Ebolavirus existiert für Bundibugyo derzeit kein zugelassener Impfstoff, betont die Weltgesundheitsorganisation WHO. Zwar gibt es Vakzine und Medikamente für andere Ebola-Varianten, doch diese helfen bei Bundibugyo nach derzeitigem Wissensstand nicht.

Die Fälle konzentrieren sich derzeit auf die Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu – genau dort, wo auch der aktuelle Entführungsfall spielt. Ituri gilt laut WHO als Hauptzentrum der Übertragung. Mehr als 170 bis knapp 200 Menschen sind bereits an den Folgen der Erkrankung gestorben.
Krieg, Rebellen – und ein Virus mittendrin
Was die Lage zusätzlich verschärft: In großen Teilen von Nord- und Süd-Kivu ist die Rebellengruppe M23 aktiv und kontrolliert viele Gebiete. Kämpfe, Vertreibungen und mangelnde Sicherheit erschweren den Zugang für Helfer, erschüttern Vertrauen in staatliche Institutionen und machen den Aufbau stabiler Gesundheitsstrukturen fast unmöglich.
Ebola Bundibugyo – das müssen Sie wissen
Erreger: Ebola-Virus der seltenen Art Bundibugyo (BDBV), aktuell in Teilen der DR Kongo und Ugandas nachgewiesen.
Ansteckung: Übertragung durch Körperflüssigkeiten (Blut, Erbrochenes, Stuhl, Schweiß, Sperma) von Erkrankten oder Verstorbenen, auch über kontaminierte Gegenstände.
Symptome: Plötzliches hohes Fieber, starke Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen, gefolgt von Durchfall, Erbrechen und in schweren Fällen inneren und äußeren Blutungen.
Sterblichkeit: WHO und Experten schätzen die Sterblichkeit bei Bundibugyo-Ebola auf rund 30–50 Prozent, je nach Versorgungslage.
Impfung: Für Bundibugyo gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff; vorhandene Ebola-Impfstoffe sind für andere Virus-Varianten entwickelt worden.
Schutzmaßnahmen: Frühe Isolierung von Verdachtsfällen, konsequente Schutzausrüstung für Pflegepersonal, sichere Bestattungen durch geschulte Teams und Nachverfolgung aller Kontaktpersonen sind entscheidend, um Ausbrüche einzudämmen.
Video-Tipp: Viele Betroffene, kaum Forschung
Die WHO warnt, dass der anhaltende Konflikt die Eindämmung der Epidemie massiv behindert. Wenn Patientinnen wie das sechsjährige Mädchen aus Butembo aus Kliniken geholt und in Gemeinden zurückgebracht werden, kann sich der Ausbruch unbemerkt weiter in Dörfern und Familien ausbreiten – mit potenziell verheerenden Folgen.
Verwendete Quellen: dpa, who.int, doctorswithoutborders.org und bbc.com
































