RTL Docs Sprechstunde am MittagGewicht, Psyche, Herz – wie die Schilddrüse unseren Körper steuert
Stoffwechsel, Psyche, Herz: die Schilddrüse ist verantwortlich für viele wichtige Prozesse im Körper.
Doch das unterschätzte Organ ist empfindlich – und Auslöser vieler Gesundheitsprobleme. Welche das sein können und was wir über die Schilddrüse wissen sollten, erklärt Prof. Dr. Costanza Chiapponi in ihren Antworten auf eure „Punkt 12”-Zuschauerfragen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum ist die Schilddrüse so wichtig?
- Zu welchem Arzt geht man, wenn man ein Problem mit der Schilddrüse hat?
- Was sind die typischsten Symptome bei einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse?
- Wie oft und welche Werte der Schilddrüse sollte man kontrollieren lassen?
- Können Schilddrüsenwerte stark schwanken? Wie aussagekräftig sind sie, wenn man Symptome einer Überfunktion hat?
- Kann man irgendwann wieder damit aufhören, Schilddrüsenmedikamente zu nehmen?
- Gewichtszunahme trotz Überfunktion der Schilddrüse – wie kann das sein?
- Kann die Schilddrüse sich auf den Knochenab- und aufbau auswirken?
- Ist Hashimoto vererbbar?
- Kann man vorbeugen, damit man keine Über- oder Unterfunktion bekommt? Oder hat man das einfach?
Warum ist die Schilddrüse so wichtig?
„Die Schilddrüse steuert eine Reihe an Funktionen im Körper, unter anderem den Stoffwechsel, aber auch unser Wärmeempfinden, das Wachstum. Also ganz, ganz viele Prozesse”, erklärt Prof. Dr. Costanza Chiapponi, endokrine Chirurgin aus München, in der „RTL Docs Sprechstunde am Mittag” bei Punkt 12.
Zu welchem Arzt geht man, wenn man ein Problem mit der Schilddrüse hat?
„Das Problem ist, dass die Symptome, die mit der Schilddrüse, also eine Überfunktion oder eine Unterfunktion, zusammengebracht werden, sehr unspezifisch sind”, weiß Chiapponi. „Diese können auch andere Ursachen haben. Das heißt, wenn man die Vermutung hat, dass eine Über- oder Unterfunktion vorliegen könnte, ist die erste Person, an die man sich wendet, der Hausarzt.” Der Hausarzt könne dann den TSH-Wert über eine Blutabnahme kontrollieren. „Über diese Blutabnahme kann man sagen, ob irgendwas nicht stimmt mit der Funktion der Schilddrüse.”
Was sind die typischsten Symptome bei einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse?
„Bei der Überfunktion hat man vermehrtes Schwitzen, Unruhe, Herzrasen, manchmal Durchfälle, Gewichtsabnahme”, so Chiapponi. Bei der Unterfunktion sei es eher das Gegenteil: „Kälteempfinden, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine Reihe anderer Symptome. Tatsächlich auch brüchige Nägel oder Haarverlust, die ganz unspezifisch sind und viele Ursachen haben können.”

Wie oft und welche Werte der Schilddrüse sollte man kontrollieren lassen?
Es gibt keine Schilddrüsen-Vorsorge, erklärt die Medizinerin. Der Grund: Schilddrüsenerkrankungen seien zwar häufig, aber die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin empfiehlt keine Vorsorge oder ein Screening. „Wenn man Symptome oder die Vermutung hat, ein Problem zu haben, wird eine Blutuntersuchung gemacht. Wenn man selber so einen Knoten ertastet hat, dann kann man einen Ultraschall machen und gucken, ob da was ist.”
Können Schilddrüsenwerte stark schwanken? Wie aussagekräftig sind sie, wenn man Symptome einer Überfunktion hat?
„Es gibt Erkrankungen der Schilddrüse wie zum Beispiel Hashimoto, die nicht nur eine Unterfunktion oder Überfunktion verursachen, sondern tatsächlich Schwankungen”, erklärt Chiapponi. „Es gibt dann Phasen, in denen die Schilddrüse zu viel funktioniert und dann Phasen, in denen sie wiederum gar nicht funktioniert.”
Das sei vor allem bei Frauen der Fall. „80 Prozent der Patientinnen sind tatsächlich Frauen. Deswegen: Wenn man Beschwerden hat, lohnt es sich, den TSH-Wert noch einmal zu kontrollieren.” Ist dieser immer noch unauffällig, könne man überlegen, bei starken Beschwerden noch die Schilddrüsenhormone T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin) zu kontrollieren. Sonst müsse man nach anderen Ursachen suchen.
Kann man irgendwann wieder damit aufhören, Schilddrüsenmedikamente zu nehmen?
Das lasse sich laut der Expertin nicht pauschal beantworten, weil es davon abhänge, warum man mit der Medikation begonnen habe. „Ich empfehle, eine Blutkontrolle machen zu lassen. Wenn man sich wohlfühlt und der TSH im Normbereich ist, dann kann man versuchen, die Medikamente zu reduzieren oder sogar abzusetzen”, erklärt Chiapponi.
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Gewichtszunahme trotz Überfunktion der Schilddrüse – wie kann das sein?
„Bei einer Überfunktion verursacht die Schilddrüse einen erhöhten Stoffwechsel, aber das ist natürlich nicht das Einzige”, erklärt die Medizinerin. „Um abzunehmen, brauchen wir ein Energiedefizit. Man muss also weniger Kalorien zu sich nehmen als das, was man verbrennt. Das heißt, es sind viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Fürs Gewicht ist nicht nur die Schilddrüse zuständig. Es gibt andere Hormone, wie zum Beispiel Cortisol, was von der Nebenniere kommt. Es gibt also auch andere Ursachen, die abgeklärt gehören, wenn man wenig isst, viel Sport macht und trotzdem zunimmt.
Kann die Schilddrüse sich auf den Knochenab- und aufbau auswirken?
„Die Schilddrüse kann einen Knochenabbau, also den Abbau von altem Knochen und einen Aufbau von neuen Knochen verursachen”, weiß Chiapponi. „Wenn man eine Überfunktion hat, ist dieser Abbau mehr als der Aufbau. Das heißt also, eine Überfunktion der Schilddrüse oder zu viel von dem Schilddrüsenmedikament Eltroxin können eine Osteoporose verursachen.” Dies sei aber nicht das Einzige, was Auswirkungen haben könne. So gebe es zum Beispiel Krankheiten der Nebenschilddrüse, die das ebenfalls verursachen können.
Ist Hashimoto vererbbar?
„Es gibt eine genetische Basis, aber das ist nicht direkt für Hashimoto, sondern für Autoimmunerkrankungen”, sagt die Medizinerin. „Also die Neigung der Immunabwehr, die eigenen Organe anzugreifen. Und Hashimoto gehört dazu. Das heißt aber nicht automatisch, dass jemand Hashimoto bekommen wird. Wenn man gesund ist und asymptomatisch, also keine Beschwerde hat, braucht man keine besondere Abklärung.” Habe man aber Symptome einer Über- und Unterfunktion, sollte der Hausarzt den TSH-Wert kontrollieren, rät Chiapponi.
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Kann man vorbeugen, damit man keine Über- oder Unterfunktion bekommt? Oder hat man das einfach?
„Man hat schon eine Prädisposition dazu. Aber was wir machen können natürlich, mit unseren Kindern und mit unserer Ernährung, ist die ausreichende Versorgung mit Jod.” Kinder sollten laut der Expertin darum möglichst viel Fisch essen, um den Jodmangel auszugleichen. Es gebe aber auch Nahrungsergänzungsmittel, die man einnehmen könne.
Verwendete Quellen: RTL


