Jetzt ist auch noch ihre große Liebe tot!Die unglaubliche Geschichte von Münchhausen-Opfer Gypsy Rose Blanchard

FILE - Gypsy Rose Blanchard takes the stand during the trial of her ex-boyfriend Nicholas Godejohn, Nov. 15, 2018, in Springfield, Mo. Blanchard, the Missouri woman who admitted to convincing her online boyfriend to kill her abusive mother after being forced to pretend for years she was suffering from leukemia, muscular dystrophy and other serious illnesses, is set to be paroled Thursday, Dec. 28, 2023. (Nathan Papes/The Springfield News-Leader via AP, File)
Der Fall von Gypsy Rose zieht bis heute „True Crime”-Fans in seinen Bann. (Archivbild)
NP, AP, Nathan Papes

Und damit bekommt ihre ohnehin schon erschütternde Lebensgeschichte ein weiteres tragisches Kapitel.
Er war ihre große Liebe, der Vater ihrer kleinen Tochter – jetzt ist Ken Urker tot. Der langjährige On-off-Partner von Gypsy Rose Blanchard wurde leblos in seinem Haus gefunden. Für die 35-Jährige ist es der nächste schwere Schicksalsschlag in einem Leben, das schon jetzt kaum unglaublicher sein könnte: jahrelanger Missbrauch durch ihre eigene Mutter, ein brutaler Mord, Gefängnis – und schließlich ein neues Leben in Freiheit.

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So wurde Gypsy-Rose Blanchard zum Opfer ihrer eigenen Mutter

Gypsy Rose Blanchards Geschichte ging um die Welt. Als Kind und Jugendliche galt sie als schwer krank. Ihre Mutter Clauddine „Dee Dee“ Blanchard behauptete unter anderem, ihre Tochter leide an Leukämie und Muskeldystrophie. Gypsy Rose saß im Rollstuhl, wurde über eine Sonde ernährt, bekam Medikamente und musste zahlreiche medizinische Eingriffe über sich ergehen lassen. Doch vieles davon war nicht notwendig.

Gypsy Rose konnte laufen und hatte viele der Krankheiten, die ihre Mutter Ärzten und ihrem Umfeld schilderte, überhaupt nicht. Experten gehen davon aus, dass Dee Dees Verhalten dem sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom entsprach, heute als „Factitious Disorder Imposed on Another“ bezeichnet. Dabei werden Krankheiten einer anderen Person vorgetäuscht oder hervorgerufen. Der Fall gilt zugleich als Beispiel für schweren medizinischen Kindesmissbrauch. Jahrelang kontrollierte Dee Dee das Leben ihrer Tochter. Gypsy Rose wurde von ihrer Umwelt abgeschottet und nach eigener Aussage dazu gebracht zu glauben, dass sie tatsächlich schwer krank sei.

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Dee Dees Kontrolle ging offenbar noch weiter. Gypsy Rose erzählte später, ihre Mutter habe ihre Geburtsurkunde vor ihr versteckt und ihr ein falsches Alter eingeredet. Auch gegenüber anderen soll Dee Dee ihre Tochter jünger gemacht haben, als sie tatsächlich war. Für Gypsy Rose wurde es dadurch noch schwieriger, sich der Kontrolle ihrer Mutter zu entziehen.

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Dann lässt Gypsy Rose ihre eigene Mutter töten

2015 nahm die Geschichte eine schreckliche Wendung. Gypsy Rose hatte im Internet Nicholas Godejohn kennengelernt. Gemeinsam planten sie den Tod ihrer Mutter. Im Juni 2015 erstach Godejohn Dee Dee Blanchard in deren Haus im US-Bundesstaat Missouri. Gypsy Rose hielt sich während der Tat im Badezimmer auf. Wenig später wurden beide festgenommen.

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Gypsy Rose bekannte sich 2016 des Mordes zweiten Grades schuldig und wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ihre jahrelange Misshandlung spielte bei der juristischen Aufarbeitung des Falls eine wesentliche Rolle. Godejohn wurde später wegen Mordes ersten Grades zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach mehr als acht Jahren hinter Gittern kam Gypsy Rose am 28. Dezember 2023 vorzeitig auf Bewährung frei.

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Ihre große Liebe lernt sie ausgerechnet im Gefängnis kennen

Noch während ihrer Haft trat Ken Urker in ihr Leben. Nachdem er die Dokumentation „Mommy Dead and Dearest“ über ihren Fall gesehen hatte, schrieb er Gypsy Rose 2017 einen Brief. Aus dem Briefkontakt wurde eine Beziehung. 2018 machte Ken ihr während eines Gefängnisbesuchs einen Heiratsantrag. Doch die Beziehung hielt zunächst nicht. Die beiden lösten ihre Verlobung, kamen zeitweise wieder zusammen und trennten sich erneut.

Gypsy Rose verliebte sich schließlich in einen anderen Mann: Ryan Anderson. 2022 heirateten die beiden – während Gypsy Rose noch im Gefängnis saß. Als sie Ende 2023 freikam, wartete Anderson vor dem Gefängnis auf sie. Doch das gemeinsame Leben in Freiheit hielt nicht lange. Schon wenige Monate später gab Gypsy Rose die Trennung bekannt. Und plötzlich war Ken wieder da.

Im Frühjahr 2024 näherten sich Gypsy Rose und ihre frühere große Liebe erneut an. Im Juli folgte die nächste Überraschung: Sie erwarteten ein Kind.

Gypsy Rose Blanchard ist Mutter geworden.
Gypsy Rose Blanchard und Ken Urker im Babyglück.
Instagram/kenurker

Am 28. Dezember 2024 kam Tochter Aurora zur Welt – genau ein Jahr nach Gypsy Roses Entlassung aus dem Gefängnis. Nach einer Kindheit, in der andere über ihren Körper und ihr Leben bestimmt hatten, und mehr als acht Jahren hinter Gittern schien für Gypsy Rose damit ein völlig neuer Lebensabschnitt begonnen zu haben. Doch nicht einmal zwei Jahre später ist der Vater ihrer Tochter tot.

Jetzt trauert Gypsy Rose Blanchard um ihre große Liebe

Der 34-Jährige wurde am 1. Oktober 2026 – ausgerechnet an seinem Geburtstag – in seinem Haus im US-Bundesstaat Louisiana tot aufgefunden. Die Behörden ermitteln weiterhin. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nach Angaben der Polizei bislang nicht. Eine endgültige Todesursache steht noch nicht fest, die Ergebnisse toxikologischer Untersuchungen werden abgewartet. Gypsy Rose selbst sagte dem US-Magazin People, sie glaube, dass Ken an einer Überdosis gestorben sei. Ob diese möglicherweise absichtlich erfolgte, wisse sie nicht.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

„Ken war ein großartiger Vater und ein Mann, der sehr geliebt wurde“, erklärte Gypsy Rose nach seinem Tod. Für sie werde er immer ihr „Soulmate“ bleiben. Nach einer Kindheit voller Manipulation und Missbrauch, dem Mord an ihrer Mutter, Jahren im Gefängnis und einem turbulenten Neustart in Freiheit steht Gypsy-Rose Blanchard damit vor dem nächsten schweren Kapitel ihres außergewöhnlichen Lebens.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche