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Vermisst im australischen Outback: 12 Tage kämpfte Carolina ums Überleben – jetzt sieht sie ihre Retterin wieder!
Video lädt...
Zwölf Tage lang kämpft Carolina Wilga allein im australischen Outback ums Überleben – ohne Essen, mit kaum Wasser und in ständiger Todesangst. Mehr als ein Jahr nach ihrer unglaublichen Rettung spricht die heute 27-Jährige erstmals bei sich zu Hause mit einem RTL-Kamerateam über die schlimmste Zeit ihres Lebens. Doch mitten im Interview wartet eine emotionale Überraschung: Plötzlich sieht Carolina per Videoanruf ihre Lebensretterin Tania wieder! Wie bewegend das Wiedersehen ist und was die beiden Frauen einander zu sagen haben, seht ihr im Video.
Es ist der 29. Juni 2025. Beacon, ein kleiner Ort in Westaustralien. Eine Kamera filmt eine junge Frau beim Einkaufen. Es sind die letzten Bilder von Carolina Wilga.
„Carolina Wilga was last seen about 330 Kilometer, North East of Perth.“
„Missing German Backpacker in remote by the desperate search for a German backpacker continues.“
Eine Meldung, die um die Welt geht. Wo ist die junge Deutsche? Ein ganzes Land sucht nach ihr ohne Erfolg.
„Die Chance, im Lotto zu gewinnen, war höher, als sie zu finden.“
Nach zwölf Tagen dann die unglaubliche Nachricht.
„Police have found. Carolina wilga almost two weeks after she vanished.“
Carolina lebt. Wir sprechen mit der Frau, die sie gefunden hat.
„Sie war sehr dünn und zerbrechlich. Ich nahm sie in den Arm und sagte: Alle suchen nach dir.“
Und Carolina erzählt uns, was in diesen zwölf Tagen passiert ist. Denn wir dürfen sie als erstes Kamerateam Zuhause besuchen. Unsere Reporterin ist in Castrop-Rauxel. Hier ist sie mit Carolina verabredet. Die junge Frau ist hier aufgewachsen.
„Hi.”
„Guten Morgen.”
„Freut mich.“
„Komm rein.“
„Danke schön.“
Heute kommt Carolinas beste Freundin Antonia zu Besuch. Die beiden kennen sich seit dem Kindergarten, für ihre Liebsten Essen zuzubereiten, ist keine Selbstverständlichkeit.
„Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich dieses Leben noch führen darf. Und umso dankbarer bin ich jetzt, dass ich das alles noch machen kann.“
Vor dem Unglück lebt die heute 27-jährige zwei Jahre lang in Australien. Sie arbeitet in einer Mine, spart und reist mit ihrem alten Van durchs Land. Von dem gut 100-Einwohner-Dorf Beacon aus will Carolina weiter Richtung Perth. Sie nimmt eine Piste durch ein riesiges Naturreservat. Dort verliert sie die Kontrolle über ihren Van und schlägt mit dem Kopf auf.
„Ich habe das Auto verlassen. Ich hatte wohl eine starke Gehirnerschütterung und war dann auch sehr wahrscheinlich in einem starken Schockzustand. Und das ist ganz typisch, dass Menschen dann weglaufen oder ganz irrationale Entscheidungen treffen. Und so war das dann eben auch bei mir. Ich bin dann einfach losgelaufen, weil ich einen Ton gehört habe. Es war wie so ein Alarm, ganz komisch. Und ich dachte, ich träume. Ich muss aufwachen.“
Im Wahn lässt sie, durch die Kopfverletzung verwirrt, wichtige Ressourcen zurück: Wasser, Essen, warme Kleidung und ihr Handy.
„Das war total verrückt, weil ich habe so langsam gemerkt, so Kälte. Und ich glaube, die Kälte hat dann so mein Körpergefühl wieder gebracht. Und dann hatte ich total die Schmerzen. Ich habe nur meine Füße taten total weh. Und dann habe ich mich irgendwie sofort so hingekauert und hatte aber noch echt starke Halluzinationen. Ich habe im Himmel – die Sterne haben sich bewegt und die sind vom Himmel gefallen und das war alles – also ich habe da selbst noch nicht begriffen, dass ich tatsächlich wach bin oder, dass ich da bin.“
Über 13.000 Kilometer entfernt wartet Antonia auf eine Nachricht von ihrer Freundin.
„Am Anfang hat es mich jetzt nicht so gewundert, weil das in Australien ja so normal ist, dass du mal unterwegs bist und dann halt einfach keinen Empfang hast. Das kam eigentlich so ein bisschen mit den Tagen, die halt so ins Land gezogen sind, weil dann die Stimme so ein bisschen lauter wurde in einem Ohr. Was ist vielleicht, wenn doch irgendwie was passiert ist? Oder dass sie halt gerade irgendwie vielleicht mal Hilfe braucht?“
Die Familie alarmiert die Polizei. In Westaustralien beginnt eine riesige Suche mit Hubschraubern, Flugzeugen und mehr als 100 Polizisten.
„Da wurde einem natürlich schon mal anders, weil man sich dachte okay, alles klar, das wird ernst genommen. Was auf der einen Art und Weise irgendwie schön war, weil man wusste, okay, die machen jetzt was. Und auf der anderen Art und Weise noch mal total beängstigend.“
Carolina weiß nichts von der Suche. Sie läuft barfuß, immer der Sonne nach Richtung Westen.
„Wenn man an einem Ort bleibt, dann fangen die Gedanken an, total zu rotieren. Und auch der Körper schläft ein.“
Nachts fällt die Temperatur unter Null und Carolina trägt nur ein dünnes Sommerkleid.
„Mein Kleid war alles, was ich hatte. Also es war halt mein Zelt, mein Zuhause nachts. Also ich hab mich ja so darin eingekrümelt, dass ich halt eben nur das hatte. Aber halt auch es hat mich geschützt vor den ganzen Ästen. Deswegen wurde ich halt am Oberkörper nicht so stark zerkratzt.“
Essen findet sie kaum. Sie kaut Eukalyptusblätter und probiert eine Blüte.
„Irgendwann ist mir aufgefallen, dass mein Mund und meine Zunge und auch mein Hals. Also ich habe dann immer weniger Luft bekommen. Ich dachte, ich ersticke. Alles war so ein bisschen benebelt. Der Verstand war auf jeden Fall nicht mehr klar. Und dann hat es auch angefangen, in meinem Bauch ganz schön zu brodeln. Deswegen habe ich mich danach entschieden, nichts mehr zu probieren. Dadurch, dass ich auch wusste, dass man zwei Wochen mindestens ohne Nahrung überleben kann. Dann dachte ich, dann faste ich jetzt halt einfach.“
Noch schlimmer ist der Durst.
„Das Wasser war tatsächlich mein größtes Problem. Also das war wirklich heftig die ersten Tage. Vor allem, weil ich auch viel Flüssigkeit verloren hatte durch die Vergiftung. Ähm, ja, war das teilweise glaube ich echt knapp und hatte mich auch immer wieder gefragt: Wie fühlt sich denn jetzt verdursten an? Woher weiß ich denn, wann es so weit ist? Dann hat es tatsächlich zweimal geregnet und dann konnte ich eben – an den Ästen ist das Wasser, hat sich dort gesammelt und ist dann runtergelaufen. Und dann konnte ich darunter meine Hände halten. Dann habe ich einmal meinen Schal benutzt, um den in eine Pfütze zu tunken, um auszuwringen.“
„Also natürlich ist man jeden Morgen wieder aufgewacht mit dem Gedanken: Vielleicht war das nur ein ganz komischer, doofer Traum. Aber nee, leider nicht.“
Als erste deutsche Journalistin spricht unsere Reporterin mit Tania Henley, der Frau, die Carolina heute ihren Schutzengel nennt. Die fast 67-Jährige lebt allein auf einer riesigen Rinderfarm mitten im Nirgendwo.
„Zur nächsten Post sind es 220 Kilometer hin und zurück. Allein meine Zufahrt ist 100 Kilometer lang.“
Von der Suche erfährt sie erst, nachdem Carolina bereits etwa zehn Tage vermisst wird durch einen Anruf der Polizei.
„An dem Freitag konnte ich einfach nichts tun. Ich musste einfach nach Beacon fahren.“
Für den 110 Kilometer weiten Weg packt sie normalerweise keine Verpflegung ein. Doch an diesem Tag nimmt sie Suppe, Obst, Elektrolyte und Getränke mit. Doch wie hoch sind die Chancen, Carolina nach zwölf Tagen im Outback lebend zu finden?
„Die Wahrscheinlichkeit, den Sechser im Lotto zu gewinnen, wäre höher gewesen, als sie zu finden.“
Doch auf dem Rückweg kann sie ihren Augen kaum glauben.
„Da liegt ein Felsen an der Straße und da ist eine S. Kurve. Und dann sah ich sie auf der Straße. Sie hat mit den Armen gewunken.“
„Dann habe ich das Geräusch gehört, habe mich umgedreht und dann sah ich nur die Staubwolken mit dem Auto. Da dachte ich Nein, nein, nein. Und dann habe ich mich mitten auf die Straße gestellt, abgewunken und bin gesprungen.“
„Um ihr zu signalisieren, dass ich sie sehe, habe ich die Lichthupe gemacht und bin langsamer gefahren.“
„Und dann – genau, kam sie zu mir, stand dann vor mir und dann hat sie mich so in den Arm genommen. Und da ist dann alles von mir abgefallen. Also diese ganzen. Ja, diese ganzen Emotionen auch, die sich da angestaut haben. Also dieser wirklich Überlebenskampf zu sehen.“
„Sie war ganz dünn und zerbrechlich. Ich nahm sie in den Arm und sagte: Alle suchen nach dir. Und das Erste, was sie mich fragte, war. Welchen Tag haben wir?“
„Ich war noch ein bisschen skeptisch. Ich hatte total Angst. Ich dachte so: Nein, das kann doch jetzt – bin ich wirklich gerettet? Weil zwölf Tage lang die ganze Zeit zu denken, dass man stirbt.“
„Ich gab ihr etwas zu trinken und sie fragte: Willst du auch etwas davon haben? Und ich meinte: Nein, nein, das ist ja für dich. Wäre ich nur zehn Minuten früher dort gewesen, hätte ich sie niemals gefunden.“
Doch das, was niemand für möglich gehalten hätte, wird wahr.
„Die Polizei fand Carolina Wilga fast zwei Wochen nach ihrem Verschwinden.“
Tanja fährt Carolina zum Rettungsteam nach Beacon. Ein Flugzeug bringt sie nach Perth ins Krankenhaus. 13.000 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt will Carolina jetzt nur noch eines sich bei ihrer Mama melden.
„Was hast du geschrieben?“
„Mama, Ich lebe. Aber irgendwie kann ich nicht anrufen.“
Unglaublich. Carolina hat es tatsächlich geschafft. Zwölf Tage ohne Essen, elf Nächte in der Kälte. Sie ist dehydriert und erschöpft, hat einen Sonnenbrand, ist übersät mit Insektenstichen und zerkratzt. Ihre Füße sind verletzt. Sie hat zwölf Kilo verloren, aber sie lebt. Und das dank Tania Henley. Heute, über ein Jahr später, hat unsere Reporterin eine Überraschung für Carolina.
„Hallo?“
„Wie geht’s dir?“
Karolinas Retterin Tanja sitzt am anderen Ende der Welt. Und doch fühlen die beiden sich verbunden.
„Genau.“
„Aber ich bin eigentlich kein Mensch, der andere umarmt. Aber das Erste, was ich gemacht habe, war, dich zu umarmen. Das brauchtest du.“
„Ich bin so dankbar dafür, dass du da warst, für dein Wasser, das Essen, für all die Liebe in dem Moment. Ich habe sie so sehr gebraucht.“
„Vielleicht ist es das Beste, was ich in meinem Leben jemals für jemanden getan habe.“
„Thank you. Bye bye.“
„Sie war eine Frau mit Herz. Und das habe ich gebraucht in dem Moment. Und das habe ich mir so sehr gewünscht.“
Zurück in Deutschland schreibt Carolina alles auf. Ihr Buch „Dem Outback entkommen” ist für Sie ein Weg, das Erlebte zu verarbeiten.
„Das war für mich eigentlich eine Therapieform. Dadurch, dass ich wirklich detailliert überlegen musste, welches Wort benutze ich jetzt für welche Emotion? Und da hat das Buch mir sehr dabei geholfen. Das Thema noch mal zu verarbeiten. Macht mich natürlich auch unglaublich stolz.“
„Dazu braucht man schon ganz schön viel Mut.“
Und Australien, damit hat Carolina noch nicht abgeschlossen.
„Ich würde total gerne noch mal meinen Roadtrip beenden. So, und ich bin auch total neugierig, wo ich tatsächlich da unterwegs war. Ich würde total gerne zu dem Berg noch mal hin. Ich bin unfassbar dankbar, weil ich erkenne das Leben, was ich jetzt habe, auf jeden Fall als zweite Chance an!“
Carolina hat zwölf Tage im Outback überlebt, weil sie nicht stehen geblieben ist. Und das hat sie jetzt auch für ihr weiteres Leben vor.
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