Uni GöttingenProfessor belästigt jahrelang Frauen – statt Entlassung wird ihm nur das Gehalt gekürzt

Gericht sicher: Der Prof hat über Jahre Studentinnen belästigt!
Und trotzdem fällt seine Strafe mild aus. Anstatt entlassen zu werden, bekommt er weniger Gehalt. Die Uni Göttingen ist enttäuscht.
Das Urteil gegen den Uni-Professor macht sprachlos
Die Lüneburger Richter sehen es als erwiesen an, dass der Wissenschaftler an der Universität Göttingen mehrfach und über Jahre hinweg Studentinnen, Doktorandinnen und Mitarbeiterinnen grenzüberschreitend berührt und sich ihnen gegenüber anzüglich geäußert hat. Das teilt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg mit. Seine Strafe: Der Professor bekommt für fünf Jahre rund 2.000 Euro weniger Gehalt. Das OVG bestätigt damit ein entsprechendes Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen von 2023, das damit rechtskräftig ist. Damals war der Professor 60 Jahre alt.
Wird der Mann wieder an der Uni Göttingen arbeiten?
Schon 2012 und 2013 ermahnt die damalige Präsidentin der Universität den Professor. Wirkung zeigt das damals nicht. Das Disziplinarverfahren dauert acht Jahre, das Urteil enttäuscht – die Universität Göttingen und ganz sicher auch die betroffenen Frauen. Die Uni wollte mit der Disziplinarklage gegen den Beamten eigentlich dessen Entlassung erreichen. „Wir sehen uns dennoch in unserem konsequenten Vorgehen gegen sexualisierte Belästigung und Gewalt bestätigt”, heißt es in einer Mitteilung der Universität.
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Die hatte dem Mann bereits vor dem Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen ein Hausverbot und ein Arbeitsverbot erteilt. Beides blieb auch nach dem Urteil in der ersten Instanz zunächst bestehen. Ob der Professor wieder an der Hochschule arbeiten wird, ist nicht bekannt. Die Uni kündigt an, das Urteil gemeinsam mit der betroffenen Fakultät umzusetzen. „Zu Details dieser Umsetzung werden wir keine Stellung nehmen.”
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Prof wollte die Würde der Frauen verletzen
Die Details der Urteilsbegründung machen sprachlos: Die Frauen haben demnach in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis gestanden. Der Uni-Professor habe seine Stellung ausgenutzt, um seine Macht zu demonstrieren und die betroffenen weiblichen Nachwuchskräfte in ihrer Würde zu verletzen, heißt es in dem Urteil.
Warum dann die lasche Strafe? Mildernd hat das OVG berücksichtigt, dass das lange Verfahren eine Belastung für den Professor bedeutet habe. Während seine Opfer womöglich ein Leben lang mit der Belastung durch die Belästigung zu kämpfen haben. (sis/dpa)
































