Missbrauchsfall vor dem Landgericht SiegenMädchen jahrelang eingesperrt – heute fiel das Urteil gegen ihre Peiniger

Sieben Jahre Gefangenschaft: Mutter und Großeltern schuldig gesprochen.
Sieben Jahre Gefangenschaft: Mutter und Großeltern schuldig gesprochen.
Bernd Thissen/dpa
von Martina Lewinski

Sieben Jahre Gefangenschaft!
Über Jahre hinweg war ein Mädchen aus Attendorn im Sauerland eingesperrt. Nun hat das Landgericht Siegen ein Urteil gegen seine Peinigerin gesprochen: Die Mutter wurde zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sie soll ihre Tochter mehr als sieben Jahre lang von der Außenwelt abgeschottet haben.

Kind über Jahre vollständig isoliert

Nach Überzeugung des Gerichts soll die Frau ihre Tochter bereits seit dem Kleinkindalter im Elternhaus im Kreis Olpe festgehalten haben. Das Mädchen habe in dieser Zeit keinerlei Kontakt zu Gleichaltrigen gehabt, keine Kita oder Schule besucht und sei vollständig von der Außenwelt abgeschirmt worden.

Erst im September 2022 wurde das damals achtjährige Kind befreit. Zu diesem Zeitpunkt zeigte es laut Ermittlern erhebliche körperliche, psychische und sozial-emotionale Entwicklungsstörungen.

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Vorwürfe: Freiheitsberaubung und Misshandlung

Die Mutter wurde unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Verletzung der Erziehungspflicht verurteilt. Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass sie das Kind gezielt isolierte, um es ausschließlich für sich zu behalten und Kontakte zum Vater zu verhindern. Auch den Großeltern wurde eine Beteiligung zur Last gelegt.

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Urteile gegen Großeltern ebenfalls gesprochen

Die Großmutter wurde wegen derselben Taten zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Großvater erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten wegen Beihilfe.

Nach der Urteilsverkündung wurde die Öffentlichkeit für die weitere Verhandlung ausgeschlossen. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig, eine Revision ist möglich.

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Aufsehenerregender Prozess mit zahlreichen Zeugen

Der Prozess vor dem Landgericht Siegen hatte bereits im Januar begonnen und umfasste insgesamt 29 Verhandlungstage. Zahlreiche Zeugen, darunter Familienangehörige, Polizeibeamte und Mitarbeitende des Jugendamtes, wurden gehört.

Zudem wurden mehrere Gutachten eingeholt, darunter zur Schuldfähigkeit der Mutter sowie zur psychologischen Situation des Kindes.

Urteil mit großer gesellschaftlicher Wirkung

Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Das Gericht wertete die Tatvorwürfe in weiten Teilen als erwiesen und sprach von einem schweren Eingriff in die Entwicklung des Kindes.

Verwendete Quelle: dpa, RTL-Recherche