Prozess am Landgericht SiegenKind jahrelang weggesperrt: Mutter zu fünf Jahren Haft verurteilt – Bewährung für Großeltern

von Rogatus Skanta

Dieser Fall hatte vor vier Jahren für Aufsehen gesorgt: Eine Mutter aus Attendorn soll ihre Tochter jahrelang im Haus eingesperrt und versteckt haben - offenbar mit Hilfe der Großeltern. Am Montag (05.05.) ist am Landgericht Siegen das Urteil gefallen.

Kind ohne Kindheit

Keine Kita oder Schule, keine Freunde, kein Kontakt zur Außenwelt. Mehr als sieben Jahre lang soll Rosemarie G. aus Attendorn ihre Tochter weggesperrt haben – fast ihr ganzes bisheriges Leben. 2022 wurde die damals Achtjährige befreit. Kurz nach Verkündung des Urteils gegen die 49-jährige Mutter und die Großeltern des Kindes mussten alle aus dem Saal. Die ausführliche Begründung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Landgericht Siegen statt. Das Urteil: Die angeklagte Mutter wurde wegen Freiheitsberaubung, Misshandlung Schutzbefohlener und Entziehung Minderjähriger zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Großmutter erhielt zwei Jahre auf Bewährung, der Großvater ein Jahr und drei Monate auf Bewährung.

Langfristige Folgen und Hintergrund

Laut Staatsanwaltschaft wollte die Mutter das Kind für sich allein haben. Nach geteiltem Sorgerecht 2015 mit dem Vater meldete sie sich ab, täuschte einen Umzug nach Italien vor und versteckte sich mit der Tochter bei den Großeltern in Attendorn, so die Anklage. Anonyme Hinweise führten 2022 zur Befreiung. Das Mädchen leidet bis heute unter Ängsten, Essstörungen, Vitamin-D-Mangel, verringerter Knochendichte und motorischen Beeinträchtigungen sowie psychischen und sozialen Störungen. Die inzwischen Zwölfjährige lebt mittlerweile in einer Pflegefamilie. Es soll aber Kontakt zur Mutter geben.