Neue Abgabe soll Stadtkasse füllenMülheim an der Ruhr prüft Pferdesteuer - Reiter schlagen Alarm

von Parviz Khosrawi und Annalena Kirsten

Die Stadt Mülheim an der Ruhr ist Schuldenkönig in NRW: Mehr als 12.000 Euro Schulden pro Kopf drücken die klamme Kommune, die nun händeringend nach neuen Einnahmequellen sucht. Eine Idee: eine Pferdesteuer, die künftig die Stadtkasse entlasten soll – und damit ausgerechnet die Menschen trifft, deren „Glück der Erde“ auf dem Rücken der Pferde liegt.

„Total bescheuert“ – Ärger bei Pferdebesitzern

Genau das sorgt bei vielen Reitern für Unverständnis. Reitlehrerin Pia Sous findet deutliche Worte: Eine zusätzliche Steuer auf Pferde sei „total bescheuert“ und mache ein wichtiges Hobby madig, das für viele gerade in Krisenzeiten ein dringend nötiger Ausgleich sei. Statt das Ehrenamt und den Breitensport zu stärken, würden Familien und Kinder noch stärker zur Kasse gebeten – ausgerechnet dort, wo ohnehin jeder Euro zweimal umgedreht wird.

Schuldenkönig Mülheim an der Ruhr – Tropfen auf den heißen Stein

Fest steht: Mülheim braucht Geld. Als hoch verschuldete Stadt sucht die Kommunalpolitik nach Wegen, den Haushalt zu sanieren. Die Pferdesteuer ist dabei aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. CDU und SPD, die das Vorhaben in ihrem Sondierungspapier verankert haben, hatten am Montag (04.05.) keine Zeit für ein Interview mit RTL WEST. Die Opposition hingegen schon: Für die Grünen setzt die Stadt mit der Abgabe auf das falsche Pferd. Der finanzpolitische Sprecher Björn Maue kritisiert, der Aufwand für Erhebung und Verwaltung der Steuer sei so hoch, dass am Ende kaum etwas in der Kasse bleibe.

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Blick nach Hessen: Schlangenbad als Beispiel

Rein rechtlich wäre die Abgabe möglich: Wie die Hundesteuer kann auch eine Pferdesteuer per kommunaler Satzung eingeführt werden. Deutschlandweit macht bislang aber nur eine einzige Kommune von dieser Möglichkeit Gebrauch: die hessische Gemeinde Schlangenbad. Dort zahlen Halter derzeit 200 Euro pro Pferd im Jahr. Ausgenommen sind in der Regel nur Tiere, die ausschließlich beruflich genutzt werden – etwa von Landwirten, Förstern oder der Polizei. Sobald ein Pferd der Freizeit dient, greift die Steuer.

„Reitsport wird zum Luxus“

Für Betriebe wie den Reitstall von Volker Neuhaus hätte das dramatische Folgen. Auf seinem Hof stehen mehr als 30 Pferde. Er müsste die Preise anheben – mit klaren Konsequenzen: Viele Kinder könnten sich Reitstunden nicht mehr leisten, sagt er, der Reitsport würde wieder mehr zum Luxus für Besserverdiener. Besonders bitter: Es ist gut möglich, dass Besitzer ihre Tiere im Zweifel einfach in Nachbarstädte auslagern, in denen keine Pferdesteuer erhoben wird. Bundesweit ist die Abgabe die Ausnahme, nicht die Regel.