Grausame Attacke im eigenen KellerErblindet nach Säure-Attacke? Opfer kämpft vor Gericht mit den Tränen

von Maria Wille und Nele Hasselbusch

Sein Gesicht ist für immer gezeichnet.
Einer 27-Jährigen wird vorgeworfen, ihren Ehemann heimtückisch mit Ameisensäure übergossen zu haben – aus Gier auf seine Lebensversicherung. Im Gerichtssaal sagt das Opfer am heutigen Donnerstag (16. April) aus und kämpft immer wieder mit den Tränen.

Hinterhalt im Keller: „Ich war panisch und schrie“

Laut seiner Aussage vor dem Landgericht Braunschweig habe Frederik F. im November 2025 seine Familie besucht, mit den Kindern gespielt und ganz normalen Smalltalk geführt. „Wirkte alles wie immer”, erinnert sich der 32-Jährige. Dann habe ihn seine Frau unter einem Vorwand in den Keller gelockt. Er sollte einen Kindersitz für den Verkauf vorbereiten. Während er davor gehockt und daran geschraubt habe, sei es plötzlich passiert. „Während ich da so hocke, kriege ich schwallartig was ins Gesicht“, beschreibt er die Situation. Von links sei die ätzende Ameisensäure gekommen. „Ich bin aufgeschreckt, habe keine Luft gekriegt, es brannte, ich konnte nichts mehr sehen.“

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Voller Angst und Schmerzen sei er ins Badezimmer getaumelt und habe versucht, sich das Gesicht zu waschen. Sein Zustand habe sich dramatisch verschlechtert, er habe nur noch verschwommen gesehen. Mit letzter Kraft habe er seine neue Lebensgefährtin angerufen und gesagt, er sei angegriffen worden. Ein Nachbar habe Erste Hilfe geleistet und den Notruf abgesetzt. „Dann weiß ich nur noch, dass ich in Leipzig aufgewacht bin.“

13 Operationen und lebenslange Narben

Die Folgen sind verheerend. Laut seiner Aussage musste der Pflegedienstleiter 13 Mal operiert werden, manche Eingriffe hätten bis zu sieben Stunden gedauert. Haut vom Oberschenkel sei auf seinen Arm transplantiert worden, zudem sei er vollständig erblindet. „Ich bin deutlich schwächer als ich mal war“, sagt er leise. „Ich habe Schmerzen, Albträume. Das ist psychisch nicht einfach.“ Alle zwei bis drei Wochen müsse er zur Untersuchung ins Klinikum – immer mit gepacktem Koffer. Denn es könne jederzeit sein, dass eine weitere Operation nötig werde.

Prozess - Versuchter Mord mit Ameisensäure durch Ex-Frau
Mit Handschellen wird die 27-Jährige vergangene Woche in den Gerichtssaal geführt. (Archivbild)
js eis, Julian Stratenschulte/dpa, Julian Stratenschulte

Als Frederik F. vor Gericht schildert, wie er nach dem künstlichen Koma im Krankenhaus aufgewacht sei und als Erstes nach seinen Kindern gefragt habe, bricht seine Stimme. Im Zuschauerraum fließen Tränen. Er wirkt angespannt, reibt sich immer wieder nervös das Bein, während seine Ex-Frau ihn beobachtet.

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„Kein Zweifel“ an ihrer Schuld

Während die Angeklagte von einem Unfall spricht, stellt Frederik F. seine Sicht der Dinge klar dar. „Ich bin sicher, dass sie es war. Sie war ja die einzige, die da war“, sagt er vor Gericht. Auch sein Anwalt Dominik Slotty erklärt im Gespräch mit RTL: „Er weiß, was er wahrgenommen hat. Er weiß, was er damals gesehen hat und hat das auch klar so benannt. Und für ihn ist das absolut klar, dass sie das getan hat. Und da gibt es für ihn keinen Zweifel dran.“

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Trotz der Schmerzen und der psychischen Belastung versucht der 32-Jährige, nach vorne zu schauen. Er hat inzwischen das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, seine neue Lebensgefährtin steht an seiner Seite. Sein Hobby, das Fußballspielen, musste er aufgeben, doch er kämpft sich zurück ins Leben: „Ich versuche klarzukommen und das Beste draus zu machen.“ Das Urteil in dem Prozess soll Anfang Mai fallen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche