Ein Gefängnis mitten im Paradies.
Vor der Küste Italiens liegt Gorgona, die letzte Gefängnisinsel Europas. Zwischen bunten Häusern, Gemüsegärten und Weinfeldern leben hier rund 85 verurteilte Straftäter. Darunter Mörder, Vergewaltiger und Drogenschmuggler. Der große Unterschied zu anderen Haftanstalten: Tagsüber dürfen sich die Insassen nahezu frei über die gesamte Insel bewegen.
Abends fällt die Gefängnistür ins Schloss
Einer von ihnen ist Häftling Sergio. Für ihn fühlt sich das Leben auf Gorgona oft erstaunlich normal an. Ganz vergessen kann er seine Situation aber nicht.
„Der Moment ist immer ein bisschen hart und ein bisschen schwer, wenn sie abends um acht die Tür abschließen", erzählt er. Dann denke er an seine Familie und die Menschen außerhalb der Insel. Die Arbeit mit den Tieren helfe ihm jedoch, den Alltag besser zu bewältigen.
Arbeiten statt wegsperren
Auf Gorgona steht nicht die Bestrafung im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Gefangenen auf ein Leben nach der Haft vorzubereiten. Die Insassen bauen Obst und Gemüse an, kümmern sich um Tiere, backen Brot und produzieren sogar Honig aus eigenen Bienenstöcken.
Jeder Gefangene hat feste Aufgaben und einen geregelten Tagesablauf. „Jeder der Insassen wird morgens geweckt und muss zur Arbeit gehen", erklärt Barbara Radice vom italienischen Justizministerium. Eigenverantwortung spiele dabei eine wichtige Rolle. Das erleichtere vielen später die Rückkehr in die Gesellschaft.
Fluchtversuche bleiben die Ausnahme
Auf die Insel kommt nur, wer sich zuvor in anderen Haftanstalten gut geführt hat. Obwohl das italienische Festland nur rund 40 Kilometer entfernt liegt, sind Fluchtversuche selten. Erfolgreich war bislang keiner.
Viele Gefangene wissen den besonderen Vollzug zu schätzen. Ein Insasse beschreibt das Leben auf Gorgona sogar schlicht als „Paradies".
Touristen besuchen die Gefängnisinsel
Eine weitere Besonderheit sorgt regelmäßig für Staunen. Bis zu 100 Besucher dürfen täglich auf die Insel kommen. Darunter auch Schulklassen, die einen Einblick in das ungewöhnliche Gefängniskonzept erhalten.
Zudem wird auf Gorgona ein exklusiver Wein produziert, für den Liebhaber knapp 100 Euro pro Flasche bezahlen. Für die Gefangenen selbst gilt allerdings ein striktes Alkoholverbot.
Denn so idyllisch die Insel auch wirkt: Am Ende bleibt Gorgona ein Gefängnis.