Prozessbeginn in BraunschweigWollte sie nur an sein Geld? Angeklagte (27) soll Ehemann mit Ameisensäure überschüttet haben

Prozess - Versuchter Mord mit Ameisensäure durch Ex-Frau
Mit Handschellen wird die 27-Jährige in den Gerichtssaal geführt.
js eis, Julian Stratenschulte/dpa, Julian Stratenschulte

Versuchter Mord aus Habgier?
Als ihr Mann die Scheidung will, soll eine 27-jährige Frau aus Niedersachsen dessen Tötung geplant haben. Laut Anklage wollte sie an die Risikolebensversicherung! Ihr Partner überlebt den Säureangriff, erblindet aber vollständig. Jetzt beginnt der Prozess – und die Angeklagte sagt selbst aus!

Im Keller soll sie ihren Mann attackiert haben

Die Säure-Attacke ereignet sich am 7. November 2025. Nach Schilderung der Ermittler lockt die 27-Jährige ihren Mann unter einem Vorwand in den Keller des Hauses in Schladen (Niedersachsen), wo auch die beiden gemeinsamen Kinder lebten. Die Angeklagte habe ihn laut Anklage gebeten, dort einen Kindersitz im Werkraum des Kellers zu reparieren. Von hinten soll sie ihrem wehrlosen Opfer dann die Ameisensäure über den Kopf und das Gesicht geschüttet haben! Der Mann rettet sich vor das Haus, wo ein Nachbar Erste Hilfe leistet und den Notruf alarmiert.

Lese-Tipp: Frau (26) übergießt Ex-Partner mit Ameisensäure

Junge Frau spricht vor Gericht von einem Unfall

Die Angeklagte sagt am Donnerstag (9. April) vor Gericht aus – und zeichnet ein ganz anderes Bild von dem Tatablauf. „Er wollte runter in den Keller und den Kindersitz reparieren”, erklärt die Zweifachmutter vor Gericht in Braunschweig. „Er hat es nicht hinbekommen, den Kindersitz zu reparieren”, beschreibt sie weiter. Anschließend habe ihr Mann dann die Säure genommen, um einen Knopf am Sitz zu lösen. Die Säure hätten sie zum Reinigen zuhause, erklärt die Angeklagte.

Dann habe sich die Situation zugespitzt und mündete, ihrer Aussage nach, in einer Auseinandersetzung: „Er wollte mir die Säure überkippen, ich habe dann dagegen gehalten – und dann war es zu spät.“ Laut der Angeklagten sei der Angriff ein Unfall gewesen, er habe sie angreifen wollen, sie habe sich verteidigt. Dabei bekommt sie selbst Säure ab. Anschließend habe sie ihre Augen und ihr Gesicht abgespült, sich um die Kinder gekümmert und den Notruf gewählt, schildert die junge Frau vor Gericht.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Im Video: Lebensgefahr nach Säureangriff

Partner liegt tagelang im künstlichen Koma

Der Ehemann erleidet massive Verätzungen, unter anderem an den Augen, am Hals und an den Armen. Die Hornhaut auf beiden Augen ist durch die Säure verätzt, sodass er vollständig erblindet. Wegen der Schwere der Verletzungen und der erheblichen Schmerzen muss das Opfer für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt werden. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, die möglichen Folgen gekannt zu haben, weil sie sich vorab dazu informiert habe.

Lese-Tipp: Er beauftragte den Säure-Anschlag auf Model Katie Piper – jetzt könnte Daniel Lynch freikommen

Urteil könnte im Mai fallen

Der Anklage nach soll der Ehemann seine Partnerin, wenige Tage vor dem Angriff, über seinen Scheidungswunsch informiert haben. Die junge Frau sagt vor Gericht aus, dass sie in der Beziehung nicht glücklich gewesen sei, ihr Mann habe sie unter Druck gesetzt und zum Geschlechtsverkehr überredet: „Ich war froh, als die Beziehung vorbei war”, sagt die 27-Jährige vor Gericht aus.

Doch laut Staatsanwaltschaft entschloss sich die Angeklagte, ihren Mann zu töten, um an 400.000 Euro aus einer Risikolebensversicherung zu kommen. Die Ankläger werfen der 27-Jährigen aus dem Landkreis Wolfenbüttel unter anderem versuchten Mord aus Heimtücke und Habgier vor. Auch das weist sie zurück: „Ich bin immer gut hingekommen mit dem Geld.” Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage bis zum 8. Mai geplant.

Verwendete Quellen: RTL-Recherche, dpa