Prozessauftakt nach Autounfall „Ich würde mein Leben geben, wenn Luis und Avin noch leben würden“

Er wollte zu den trauernden Eltern sprechen, doch sie lehnen ab.
Knapp ein Jahr nach einem tödlichen Unfall startet der Prozess gegen den Mann (20), der im Juni 2025 einen Schulbegleiter (25) und die kleine Avin (10) aus dem Leben riss. Der Angeklagte soll mit seinem Auto in Hürth bei Köln eine rote Ampel überfahren und eine Gruppe Grundschüler erfasst haben. Beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht flossen auf beiden Seiten Tränen.
Angeklagter übernimmt volle Verantwortung
Bei Prozessbeginn am Montag (18. Mai) übernahm der 20-Jährige Verantwortung für das Unglück. Angeklagt ist der Mann unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. „Ich habe einen fürchterlichen Unfall gebaut, bei dem zwei junge Menschen ums Leben gekommen sind“, hieß es in einer vom Verteidiger verlesenen Einlassung. Darin schreibt er außerdem: Es habe seit dem 4. Juni keinen Tag gegeben, an welchem er nicht an den Unfall gedacht und sich gewünscht habe, die Zeit zurückdrehen zu können.
Während sich zwei Schüler bei dem Aufprall leicht an den Füßen verletzen, werden die Zehnjährige und ein Schulbegleiter (25) frontal erfasst und durch die Luft geschleudert. Beide erleiden unter anderem schwere Kopfverletzungen. Das Mädchen stirbt zwei, der 25-Jährige neun Tage nach dem Unfall.

Todesfahrer schildert erste Sekunden nach Aufprall
Er erinnert sich auch noch an Details nach dem Unfall. Er wisse, dass er ausgestiegen sei und völlig benommen gewesen sei. „Ich sah nach dem Mädchen“, so die Erklärung. Im Schock habe er sich übergeben müssen. Als die Polizei sein Auto freigegeben habe, habe er es verkauft. Er könne sich nicht vorstellen, jemals wieder Auto zu fahren.
„Es ist ein Albtraum“, so wörtlich in der Erklärung. „Ich habe über soziale Medien den Vater angeschrieben und wollte mich mit ihm treffen. Ich bekam keine Antwort.“, liest der Verteidiger vor. Schnell habe sich in Hürth herumgesprochen dass er der Fahrer sei. „Ich habe Todesdrohungen bekommen“, so die Erklärung.
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Und dann richtet der Verteidiger eine Frage an die Familien von Avin und Luis Paulo, dem getöteten Schulbegleiter (25). Ob der Angeklagte sie ansprechen dürfe, lautet sie. In der Pause überlegen beide Seiten, was das für sie bedeuten könne.

Luis’ Eltern entscheiden sich dagegen. „Für meine Mandantschaft kommt es zu spät“, so deren Anwältin. Die Mutter und der Bruder von Avin wollen es sich zumindest anhören. Der Angeklagte sagt daraufhin wörtlich: „Ich würde mein Leben geben, wenn Luis und Avin noch leben würden. Es tut mir leid. Ich wollte ihnen nicht das Leben nehmen.“ Doch sie sind nicht bereit, eine Entschuldigung zu akzeptieren, Farah Ramzi sitzt hier und weint. Es ist einfach zu viel passiert“, so die Nebenklage-Anwältin Monika Troll.
Avins Herz wurde an ein kleines Mädchen gespendet
Als ein Zeuge über Luis Paulo spricht, weinen die Eltern
Im Verlauf des ersten Prozesstages sagen noch viele Zeugen aus. Einer der Zeugen gibt wieder, wie Louis Paulo noch schnell andere Kinder beschützt habe, bevor er selbst schwerverletzt liegen geblieben sei. „Wenn Luis nicht den großen Drücker gemacht hätte, wären noch mehr Kinder getroffen worden. Der Junge verdient das Bundesverdienstkreuz.“ Jetzt reagieren die Eltern des Getöteten Luis Paulo: Vater und Mutter weinen.
Angeklagter (20) mehrfach nach Jugendstrafrecht vorbestraft
Der 20-jährige Todesfahrer ist bereits mehrfach nach Jugendstrafrecht vorbestraft. Neben fahrlässiger Tötung und Körperverletzung wird ihm zudem noch ein Verstoß gegen das Waffengesetz sowie Handel mit rund 122 Gramm Cannabis vorgeworfen. Ein Urteil in dem Fall soll Anfang Juni gesprochen werden.
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Amir Vala: „Jede Sekunde in diesem Jahr verging für mich wie Jahre“
Vor dem Prozess hat RTL mit dem Vater der getöteten Zehnjährigen gesprochen. Was erwartet oder erhofft sich der Trauernde vom Prozess? „Ich hoffe nur, was auch als Ergebnis rauskommt, entspricht, dass weniger solche Unfälle passieren. Für die anderen Leute. Für die anderen Kinder“, so Amir Vala.
„Jede Sekunde in diesem Jahr verging für mich wie Jahre. Und das ist auch nicht etwas, was weniger wird. Dieses Gefühl kann man einfach nicht loswerden und vergessen. Oder dass es schwächer wird. Also im Leben, es ändert sich gar nichts daran. An meine Gefühle und an den Tatsachen“, berichtet er vor der RTL-Kamera.

Vor Gericht erscheint Vala beim Prozessauftakt nicht. Nur seine Ehefrau und sein Sohn begleiten die Anwältin in den Gerichtssaal am Kölner Landgericht. Zu groß ist der Schmerz, wieder das Gleiche durchzumachen. „Ich kann einfach nicht dahin. Ich kann nicht in seine Augen gucken. Ich kann nicht im gleichen Gerichtssaal mit ihm sitzen. Ich weiß nicht, was da wieder auf mich zukommt, aber ich weiß das – dass das keine guten Gefühle sind und das kann ich wirklich nicht aushalten.“
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa
































