Familien kämpfen um AntwortenSchülerin (10) und Betreuer sterben bei Unfall – jetzt startet der Prozess am Landgericht in Köln

von Valerio Magno und Rogatus Skanta

Für die Angehörigen der Opfer ist der Prozessbeginn am Montag (18.05.) vor dem Kölner Landgericht eine enorme emotionale Belastung gewesen: Nur wenige Meter vom geständigen Angeklagten entfernt sitzen sie im Gerichtssaal – dem Mann, der vor knapp einem Jahr eine Schülergruppe in Hürth erfasst hat. Bei dem Unfall starben die zehnjährige Avin und ein 25-jähriger Betreuer. Mehrere Kinder wurden verletzt.

Angeklagter fuhr ungebremst in Schülergruppe

Nach bisherigen Ermittlungen fuhr der damals 20-jährige Angeklagte mit einer Geschwindigkeit von 54 bis 57 Stundenkilometern und damit unterhalb der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Technische Mängel am Fahrzeug sowie Alkohol- oder Drogeneinfluss schließen die Ermittler aus. Am 04. Juni 2025 überquerte eine Grundschulgruppe bei grüner Ampel eine Straße in Hürth. Die Kinder trugen Warnwesten. Die Sicht war laut Anklage gut. Dennoch fuhr der Angeklagte mit seinem BMW ungebremst in die Gruppe – obwohl die Ampel schon seit mehreren Sekunden Rot zeigte. Der Wagen traf die zehnjährige Avin und einen 25-jährigen Schulbegleiter. Beide starben später im Krankenhaus an ihren Verletzungen.

Angeklagter bittet um Verzeihung

Für die Familien bedeutet der Prozess eine schmerzhafte Rückkehr zum Tag des Unglücks. Besonders für Avins Vater ist der Verlust allgegenwärtig. Er konnte am ersten Verhandlungstag nicht teilnehmen, da er sich emotional nicht dazu in der Lage fühlte. Seine Tochter bleibt für den Iraner ein zentraler Teil seines Lebens, dessen Verlust ihn täglich begleitet. Der Anwalt des Angeklagten erklärte vor Gericht, die Ampel habe Gelb gezeigt. Dann habe er nach links geschaut, um den Verkehr zu prüfen, und die Kinder erst wahrgenommen, als es zu spät gewesen sei. Danach bat der Todesfahrer persönlich unter Tränen um Verzeihung.

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Weitere Vorwürfe und mögliche Strafe

Neben fahrlässiger Tötung werden dem Angeklagten auch Verstöße gegen das Waffengesetz sowie unerlaubter Handel mit Cannabis vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung muss er mit einer mehrjährige Freiheitsstrafe rechnen. Trotz des tragischen Verlusts entschied sich die Familie von Avin für eine Organspende. Ihr Herz schlägt heute im Körper eines sechsjährigen Mädchens weiter.