Besondere Schwere der SchuldLebenslang für Palliativarzt Johannes M. – Urteil im Mordprozess gefallen

Das Gericht fällte am Mittwoch (8. Juli) das Urteil gegen Johannes M
Das Gericht fällte am Mittwoch (8. Juli) das Urteil gegen Johannes M. (Archivbild)
bvj, Bernd von Jutrczenka/dpa, Bernd von Jutrczenka
von Samina Faizi und Anke Jonschker

Das Gericht folgt den Forderungen der Staatsanwaltschaft.
Der Berliner Palliativarzt Johannes M. (41) ist im Prozess gegen ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen 15-fachen Mordes verurteilt worden. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung sowie ein lebenslanges Berufsverbot in allen medizinischen Berufen an.

Urteil nach monatelangem Prozess

Mit seinem Urteil setzt das Landgericht Berlin heute den Schlusspunkt unter einen der aufsehenerregendsten Mordprozesse der vergangenen Jahre. Johannes M. musste sich wegen des Vorwurfs verantworten, 15 Patienten getötet zu haben.

Das Gericht verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Außerdem stellte es die besondere Schwere der Schuld fest, ordnete Sicherungsverwahrung an und untersagte Johannes M. lebenslang die Ausübung medizinischer Berufe.

Lese-Tipp: Palliativarzt Johannes M. gesteht in zwölf Fällen

Nach Überzeugung des Landgerichts Berlin hat der Mediziner zwischen September 2021 und Juli 2024 zwölf Frauen und drei Männern jeweils ein tödliches Gemisch verschiedener Medikamente verabreicht. Jüngstes Opfer ist eine 25-Jährige, das älteste eine 94 Jahre alte Frau. Alle waren schwerstkrank, ihr Tod stand aber nicht unmittelbar bevor.

Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich gegen eine Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und gegen eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haftstrafe ausgesprochen.

Video-Tipp: 15 Patienten getötet? Frau von angeklagtem Arzt zeigt Mittelfinger im Gericht!

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Seit fast zwei Jahren in Haft

Der Arzt, der verheiratet ist und einen Sohn im Grundschulalter hat, sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Auslöser der Ermittlungen waren Brände, die er gelegt haben soll, um Tötungen von Patienten zu verdecken. Zunächst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt. Dabei geriet der Angeklagte zunehmend in den Fokus. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft Hinweise des Pflegedienstes, für den der Beschuldigte gearbeitet hatte.

Für den Fall richtete das Berliner Landeskriminalamt eine Ermittlungsgruppe des Morddezernats ein. Sie wertete Hunderte Patientenunterlagen aus. Im April 2025 erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage in 15 Fällen gegen den in Frankfurt am Main geborenen Mann, den Patienten, Angehörige und Kollegen als einfühlsam beschrieben.

Lese-Tipp: Wie seine Chefin dem Palliativarzt auf die Spur kam

Während des Prozesses schilderten Angehörige der mutmaßlichen Opfer ihr Leid. Auch der Vater des Angeklagten sagte als Zeuge aus. Für besonderes Aufsehen sorgte schließlich das Geständnis des Palliativarztes. Johannes M. räumte zwölf der 15 angeklagten Taten ein. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten „Leid und Siechtum” zu ersparen, hieß es in seiner Erklärung. Zum Abschluss des Prozesses entschuldigte er sich erneut bei den Hinterbliebenen.

Weiterer Prozess möglich 

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in 76 weiteren Fällen und geht von einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr aus. Mit Blick darauf kündigte der Arzt in seinem sogenannten letzten Wort vor Gericht an: „Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen.”

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, AFP, dpa // Hinweis: Der Artikel wurde aktualisiert