„Ich habe getötet”Palliativarzt Johannes M. gesteht in zwölf Fällen

Er will Verantwortung übernehmen für seine schrecklichen Taten!
Nach einem fast einjährigen Prozess hat der wegen Mordes in mehreren Fällen angeklagte Palliativarzt Johannes M. sein Schweigen gebrochen: Der 41-Jährige gab heute (25. Juni) vor dem Landgericht Berlin Tötungen zu. Seine Worte sind direkt an die Angehörigen seiner Opfer gerichtet – und lösen eine krasse Reaktion aus.
„Ich habe mich derart lange belogen und auch mein Umfeld belogen”
Am 54. Verhandlungstag liest Johannes M. seine Einlassung selbst vor. 30 Minuten lang erklärt er sich, seine Taten. Er sagt: „Zu den Vorwürfen lasse ich mich geständig ein. Ich bin heute ein anderer Mensch und habe mich in der Haft intensiv mit mir befasst. Ich übernehme die Verantwortung für meine Taten.”
Und weiter: „Ich habe mich derart lange belogen und auch mein Umfeld belogen. In lichten Momenten habe ich mein Versagen erkannt. Ich möchte meine Taten nicht schönreden, aber ich möchte betonen, dass ich über einen langen Zeitraum überfordert war.”
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Der Deutsche steht seit Juli 2025 vor Gericht, weil er im Rahmen seiner Tätigkeit als Palliativarzt Patientinnen und Patienten im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 getötet haben soll. Er wurde Anfang August 2024 verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft dem promovierten Mediziner Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor. In seiner Erklärung räumt der Angeklagte zwölf der 15 angeklagten Taten ein.
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Mutter von Opfer bricht im Gericht fast zusammen
In seiner 30-minütigen Rede wendet sich Johannes M. plötzlich auch an die Hinterbliebenen seiner Opfer. „Ich wünsche den Angehörigen und meiner Familie, dass sie nach Abschluss des Verfahrens zur Ruhe kommen können, und entschuldige mich für das Leid, das ich ihnen zugefügt habe.”
Nach circa zehn Minuten hält es die Mutter von M.s jüngstem Opfer, Kadiatou D., nicht mehr aus. Im Zuschauerraum bricht sie in lautes Weinen und Schluchzen aus. Sie wendet sich auf Französisch an M., er schaut sie bedauernd an, verzieht schuldbewusst sein Gesicht und senkt den Kopf. D. wird von ihrem Anwalt beruhigt. Aber sie bricht fast zusammen.
„Habe dann aber trotzdem immer wieder zur Spritze gegriffen”
Doch wie konnte Johannes M., ein Arzt, der Menschen helfen soll, zu solchen Taten fähig sein? Er sagt vor Gericht: „Ich wurde durchgängig als freundlicher, positiver Mensch beschrieben. Genauso wollte ich sein: fürsorglich und moralisch integer. Ich habe sämtliche negative Anteile in mir ignoriert.”
Emotional habe er den Bezug zu seinem Handeln verloren. „Ich lebte in der Vorstellung, sie vor ihrem Leid zu bewahren.” Und weiter sagt er über eines seiner Opfer: „Ich wollte ihm noch ein würdiges Sterben ermöglichen, daher habe ich den Todeszeitpunkt nach vorne verlagert.” Er habe es nicht gekonnt, den Sterbewunsch der Patienten auszuhalten.
Vor dem Landgericht Berlin erzählt Johannes M. auch von seinem schlechten Gewissen. Von weiteren Tötungen abgehalten hat ihn das aber nicht. „Nach jeder Tat dachte ich: ,Das muss aufhören’, habe dann aber trotzdem immer wieder zur Spritze gegriffen.”
Johannes M. legt Geständnis ab – gibt es noch mehr Fälle?
Im Prozess waren vor einigen Wochen abgehörte Telefonate abgespielt worden, die der Arzt aus dem Gefängnis heraus mit seiner Ehefrau geführt hatte. In diesen hatte er bereits Tötungen zugegeben – er habe aber nicht gemordet, so der Angeklagte zu seiner Frau. Er beschrieb ihr gegenüber sein Vorgehen als ein „moralisches Handeln mit den falschen Mitteln”.
Die Staatsanwaltschaft hat zunächst 15 Fälle im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 in Berlin angeklagt. In einigen Fällen soll der Arzt Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen.
Parallel zu der Verhandlung vor dem Landgericht laufen die Ermittlungen zu derzeit 76 Fällen weiter, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. In diesem Rahmen ist Ende April auch eine weitere Exhumierung erfolgt, wie ein Behördensprecher auf Anfrage mitteilte. (mit dpa)
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, DPA


