Der Prozess um Zugbegleiter-Tötung startetTumult im Gerichtssaal! Serkans Familie trifft zum ersten Mal auf den Angeklagten

von Emilio Nigrelli, Nadia Sowada und Svenja Hoffmann

„Drecksmörder!”
Am Mittwoch (24. Juni) beginnt vor dem Landgericht Zweibrücken der Prozess um den getöteten Zugbegleiter Serkan Çalar. Im Gerichtssaal trifft Serkans Familie erstmals auf den Angeklagten Ioanni V. – eine hochemotionale Situation. RTL ist live vor Ort. Was genau am ersten Prozesstag geplant ist, erfahrt ihr im Video.

Brüder bringen Bilder von Serkan Çalar mit ins Gericht: „Für viele ist er gestorben, für uns nicht”

Erdal Calar, Vater des getöteten Zugbegleiters Serkan Calar wartet mit seinem Sohn Eray auf Einlass in das Landgericht. Dabei halten sie ein Foto des getöteten Serkan in den Händen.
Erdal Çalar, Vater des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar, wartet mit seinem Sohn Eray auf Einlass in das Landgericht. Dabei halten sie ein Foto des getöteten Serkan in den Händen.
picture alliance/dpa | Boris Roessler

Am Mittwochmorgen kommt Serkans Familie zum Landgericht. Brüder, Onkel, Tanten, Cousinen, Kollegen, Freunde – sie alle sind in der Hoffnung auf Gerechtigkeit für den Getöteten gekommen. Außerdem wollen sie Serkan vor Gericht ein Gesicht geben, dafür bringen sie große Bilder von Serkan und Anstecknadeln mit einem Bild von ihm mit. „Wir wollen zeigen, dass Serkan Çalar auch hier ist”, sagt sein Bruder Ismail vor dem Gericht. „Für viele ist er gestorben, für uns nicht. Seine Seele ist hier mit uns, der steht jetzt da und der wird jetzt auch seinen Prozess begleiten.”

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Für die Familie dürfte am ersten Prozesstag das Schwierigste sein, erstmals dem Angeklagten zu begegnen und dem Mann in die Augen zu schauen, der für den Tod ihres Sohnes, Bruders, Vaters verantwortlich ist. Serkans Cousin Engin sagt am Morgen: „Heute Nacht war es wirklich ganz, ganz schwer. [...] Wir wissen selber nicht mehr, wie wir weitermachen.” Dem Angeklagten heute in die Augen zu schauen ist für ihn „viel zu viel, [...] das kann man nicht beschreiben.”

Als der Angeklagte den Raum betritt, bricht Unruhe aus

Der Angeklagte Ioanni V. sitzt neben seinem Verteidiger im Gerichtssaal.
Der Angeklagte Ioanni V. sitzt neben seinem Verteidiger im Gerichtssaal.
RTL

Ein Gefühl, das zu Beginn des ersten Prozesstages im Gerichtssaal in Zweibrücken beinahe greifbar ist. Serkans Angehörige sind sichtlich nervös und angespannt. Als der Angeklagte hereingeführt wird, fallen Rufe – „schäm dich” und „Drecksmörder” ist zu hören.

Justizbeamte müssen sogar eingreifen und um Ruhe bitten. Auch im Gerichtssaal hält Serkans Vater ein Foto von seines verstorbenen Sohnes hoch – in Richtung des Angeklagten. Dieser betritt mit Mundschutz und Handschellen den Raum, er wirkt ruhig und schaut nicht zur Familie.

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Doch als er dann seine Einlassung verliest, wird auch der Angeklagte selbst emotional: „Ich bin mir bewusst, dass meine Worte nicht das rückgängig machen können, was passiert ist”, sagt er. Und weiter: „Ich möchte aus tiefstem Herzen eine große Entschuldigung ausdrücken.” Ioanni V. selbst nennt seine Tat „eine nicht zu entschuldigende Tat”. Er spricht von einem „Moment blinder Wut”. Er denke „jeden Tag an dieses Ereignis”. Ioanni V. wolle „die volle Verantwortung für die Ereignisse” übernehmen.

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So lautet die Anklage gegen Ioanni V.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ioanni V. Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Das Landgericht sieht bislang jedoch lediglich einen hinreichenden Tatverdacht wegen Körperverletzung mit Todesfolge und keine Anhaltspunkte für einen Tötungsvorsatz. Dafür droht eine Freiheitsstrafe von drei bis 15 Jahren. Sollten sich im Prozess aber neue Erkenntnisse ergeben, ist auch eine andere rechtliche Bewertung möglich.

Am ersten Prozesstag sollen insgesamt sechs Zeugen gehört werden, darunter zwei Brüder und der Vater des Opfers als Nebenkläger.

Serkan Çalar starb Anfang Februar bei einer Ticketkontrolle

Serkan Çalar kommt Anfang Februar ums Leben, weil ihn ein 26-jähriger Fahrgast ohne Ticket totprügelt. Es sollte eine alltägliche Fahrscheinkontrolle im Regionalexpress 4131 zwischen Landstuhl und Homburg sein, doch ein Fahrgast attackiert Zugbegleiter Serkan Çalar (36) mit beispielloser Brutalität. Mehrfach schlägt der 26-Jährige gegen den Kopf des Zugbegleiters. Serkan Çalar erleidet eine Hirnblutung und stirbt zwei Tage später im Krankenhaus an der schweren Verletzung.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche