Verzögert sich der Prozess um den totgeprügelten Schaffner? Brüder wollen nicht, dass Serkan Çalar (†36) umsonst gestorben ist 

Zugbegleiter Serkan C. (†36) wurde in einem Regionalexpress brutal attackiert. Wir zeigen ihn auf Wunsch der Familie offen.
Zugbegleiter Serkan Çalar (†36) wurde in einem Regionalexpress brutal attackiert. Wir zeigen ihn auf Wunsch der Familie offen.
Privat

„Wir haben an Justiz und Gerechtigkeit geglaubt.“
Yakub Çalar ist fassungslos. Sein Bruder Serkan hatte im Februar 2026 Dienst als Schaffner in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz. Zwischen Landstuhl und Homburg eskaliert die Situation in der Bahn plötzlich. Ein Fahrgast geht auf den Schaffner los und prügelt ihn zu Tode. Das Landgericht Zweibrücken hat die Mordanklage gegen den Tatverdächtigen nicht zugelassen und will jetzt nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge verhandeln.

Für die Brüder war es ein Mord

Für Yakub Çalar und den Rest der Familie des getöteten Schaffners ist das kaum zu glauben. „Ich habe mir gedacht: Okay, wir leben in Deutschland. Wie kann so was passieren? Ist jetzt unser Bruder umsonst gestorben?“, fragt sich der trauernde Yakub im RTL-Interview.

Und auch Eray Çalar hat überhaupt kein Verständnis dafür, warum der Mann, der seinen Bruder auf dem Gewissen haben soll, plötzlich nur wegen Körperverletzung vor Gericht steht. In seinen Augen wurde Serkan ermordet. „Er wurde ja nicht einfach mit ein, zwei Fäusten runtergekommen“, erklärt er. Sein Bruder sei schon hirntot gewesen, als er im Krankenhaus angekommen sei. „Er hat ihn ermordet und ihn liegen lassen. Und Sie wollen mir jetzt erzählen, dass es eine schwere Körperverletzung mit Todesfolge war?“

Brüder fordern gerechten Prozess für toten Serkan Çalar

Die Familie des toten Zugbegleiters weiß, dass nichts auf der Welt Serkan Çalar zurückbringen kann. Für sie ist es aber enorm wichtig, dass es nach der Tat einen gerechten Prozess gibt, wie sie im RTL-Interview sagen. „Ich möchte von dem Gericht, von den Richtern, einen richtigen, fairen Prozess haben und nicht einfach irgendwas hingemalt oder hingekritzelt“, sagt Eray.

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Doch nach der Entscheidung des Landgerichts Zweibrücken, die Mordanklage gar nicht erst zuzulassen, machen sich die Angehörigen Sorgen, dass ihre Wünsche in den Hintergrund rücken könnten. Und die Familienangehörigen erklären, dass sie das Gefühl haben, dass der Tod ihres Bruders schnell und möglichst geräuschlos abgehandelt werden soll.

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Nicht genug Platz im Gerichtssaal für Familie des Opfers?

Im Gerichtssaal soll es gerade einmal 25 Sitzplätze für Zuschauer geben. Den Çalars ist das zu wenig, denn nicht nur die Brüder und Eltern des toten Schaffners wollen den Prozess verfolgen, sondern auch viele Freunde und weitere Familienangehörige. Für sie alle sei gar kein Platz im Saal. Die Brüder fürchten jetzt, dass sie, wenn sie ein paar Minuten zu spät kommen oder den Saal nochmal kurz verlassen müssen, nicht mehr reingelassen werden und die Verhandlung um den Tod ihres Bruders nicht verfolgen können.

Nebenklage-Anwalt rechnet mit Verzögerung

Der Prozess gegen den 27 Jahre alten Angeklagten soll eigentlich am 24. Juni beginnen. Nebenklagevertreter Yalçın Tekinoğlu rechnet aber damit, dass sich der Auftakt nochmal verschieben könnte. Der Anwalt der Familie hat Befangenheitsanträge gegen die drei Berufsrichter und eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Präsidentin des Landgerichts eingereicht.

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Er meint, das Gericht hätte der Einschätzung der Staatsanwaltschaft erst mal folgen und die Mordanklage zulassen sollen. Das sei bei „99 Prozent aller Prozesse der Fall“, erklärt er. Die Hauptverhandlung sei dann dafür da, die Vorwürfe zu prüfen und zu sehen, ob sich der Verdacht bestätigt. „Aber dass sich das Gericht von vornherein darauf festlegt, dass sie nicht einmal diesen Verdacht bestätigen wollen, ist für uns nicht nachvollziehbar und auch unseres Erachtens falsch“, so der Anwalt.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen