Brüder sprechen über schlimme VorfälleZugbegleiter totgeprügelt! Serkan hatte schon vorher Angst, zur Arbeit zu gehen

„Er hatte Angst, aber er musste arbeiten – für seine beiden Kinder.”
Anfang Februar kommt Zugbegleiter Serkan Çalar ums Leben, weil ihn ein 26-jähriger Fahrgast ohne Ticket totprügelt. Jetzt berichten seine Brüder RTL: Es war nicht der erste Vorfall dieser Art.
Zugbegleiter Serkan Çalar im Regionalexpress totgeprügelt – „er mochte diese Strecke nicht”
Es sollte eine alltägliche Fahrscheinkontrolle im Regionalexpress 4131 zwischen Landstuhl und Homburg sein, doch ein Fahrgast hat kein Ticket und attackiert Zugbegleiter Serkan Çalar (36) mit beispielloser Brutalität. Mehrfach schlägt der 26-Jährige gegen den Kopf des Zugbegleiters. Serkan Çalar erleidet eine Hirnblutung und stirbt zwei Tage später im Krankenhaus an der schweren Verletzung.
Lese-Tipp: Aggressiv und gewaltbereit! Nachbar packt über Zugbegleiter-Killer aus
Im Interview erzählen seine Brüder Ismail und Eray, dass Serkan bereits vor dem tödlichen Angriff mehrfach körperlich attackiert worden sei. Besonders die Strecke bei Homburg habe ihm zugesetzt. „Er mochte diese Strecke gar nicht“, sagt Eray. Trotzdem ging ihr ältester Bruder weiter zur Arbeit. Auch für seine zwei Kinder. Denn der Zugbegleiter war alleinerziehender Vater.
Lese-Tipp: Homburg: Familie von Serkan Çalar bedankt sich für die große Anteilnahme
Im Video: Engin und Yunus trauern um ihren „Bruder” Serkan
Serkan wurde schon vor der tödlichen Prügelattacke im Zug angegriffen
Serkan mochte seine Arbeit eigentlich. „Der Job hat ihm viel bedeutet”, sagt Eray. Serkan liebte es, unterwegs zu sein, neue Menschen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Doch in der letzten Zeit sollen die Angriffe und Beleidigungen gegen Zugbegleiter zugenommen haben. Das habe auch Serkan verändert, erzählen seine Brüder. Statt Vorfreude seien vor Dienstbeginn immer öfter belastende Gedanken da gewesen: Was muss ich mir heute anhören? Wer greift mich heute an? „Er hatte Angst, aber er musste arbeiten – für seine beiden Kinder”, sagt sein Bruder Ismail.
Lese-Tipp: „Die zwei Kinder waren im Krankenhaus und sahen ihren eigenen Vater im Sterbebett”
Als die Nachricht vom Angriff kommt, hoffen die Brüder zunächst, es sei „nichts Schlimmes“. Dann beginnt im Krankenhaus der Albtraum. Zwei Tage bangen sie an Serkans Bett. „Das waren die schrecklichsten Momente in meinem ganzen Leben“, sagt Eray. „Wir hatten Hoffnung im Krankenhaus und haben bis zur letzten Sekunde gehofft, dass er doch aufsteht.“ Doch Serkan wacht nicht mehr auf. Seine Familie nimmt Abschied, umarmt ihn ein letztes Mal. Als Serkans Vater vom Tod seines Sohnes erfährt, erleidet er einen Herzinfarkt.
Serkans Brüder wenden sich nach seinem Tod an die Bahn
Ismail und Eray wollen, dass Serkans Tod nicht vergessen wird. Sie sagen, die Deutsche Bahn müsse ihre Mitarbeiter besser schützen. Auch an Mitreisende richten sie einen Appell, nicht wegzuschauen, sondern Zivilcourage zu zeigen.
Serkans größter Wunsch sei immer gewesen, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen. Der Prozess soll Ende Juni starten. Seine Brüder treten als Nebenkläger auf.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


