Ein Leben zwischen Glamour und GrauenCasanova oder Killer? Die zwei Gesichter des Jack Unterweger

Jack Unterweger im April 1994
Jack Unterweger im April 1994 auf dem Weg ins Grazer Gericht
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Vom gefeierten Literaten zum skrupellosen Frauenmörder!
Er war der Liebling der Wiener Schickeria und das Aushängeschild einer gelungenen Resozialisierung. Doch hinter der charmanten Fassade von Jack Unterweger verbarg sich ein eiskalter Serienmörder. Tagsüber ein Star, nachts ein sadistischer Jäger, der eine blutige Spur durch Österreich zog. Eine RTL+-Doku beleuchtet die abgründige Doppel-Persönlichkeit eines Mannes, der eine ganze Nation täuschte und selbst erfahrene Ermittler an ihre Grenzen brachte.

Jack Unterweger führte ein perfides Doppelleben

Es war einer der größten Fälle der österreichischen Kriminalgeschichte! Jack „Johann” Unterweger, geboren 1950 in Kärnten, wuchs in schwierigen Verhältnissen auf. Schon früh kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Doch seine wahre Karriere begann hinter Gittern: 1976 wurde Unterweger wegen des Mordes an einer jungen Deutschen zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis schien er eine wundersame Wandlung zu durchlaufen: Er begann zu schreiben, wurde als „Knastpoet“ zum Phänomen und von der Kulturszene gefeiert. Seine Unterstützer, darunter namhafte Intellektuelle, sahen in ihm den Beweis, dass sich das Böse durch Kunst besiegen lässt. Sie setzten sich vehement für seine vorzeitige Entlassung ein – mit Erfolg. Im Mai 1990 kam Unterweger tatsächlich frei und avancierte schnell zum Medienliebling.

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Der Österreicher genoss das Rampenlicht in vollen Zügen. Er war ein gern gesehener Gast auf Partys, ein charmanter Gesprächspartner und ein Magnet für Frauen. In der RTL+-Doku „Casanova oder Killer? Die zwei Gesichter des Jack Unterweger” berichten Journalisten, Wegbegleiter und Zeitzeugen, wie selbstverständlich sich Unterweger in der Wiener Schickeria bewegte. „Er war ein Meister der Manipulation. Alle wollten mit ihm befreundet sein”, erklärt ein früherer Ermittler. „Er war lustig, humorvoll, charmant“, beschreibt ihn eine Zeitzeugin. „Das Schöne mit Jack war, dass er mir das Gefühl gegeben hat, ich wäre seine Prinzessin”, erinnert sich seine damalige Freundin Bianca Mrak an die verhängnisvolle Beziehung.

Jack Unterweger
Jack Unterweger wurde als „Knastpoet“ von der Kulturszene gefeiert
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Doch das scheinbare Resozialisierungs-Wunder entpuppte sich als Albtraum. Kaum war Unterweger frei, begann in Österreich eine grausame Mordserie. Die Opfer: Prostituierte. Der Täter ging immer nach demselben Muster vor: Er lockte die Frauen in sein Auto, fuhr mit ihnen in abgelegene Waldstücke und entfesselte dort seine sadistischen Fantasien. Es war für ihn ein Jagdspiel, bei dem er die Frauen in Todesangst durch den Wald trieb, bevor er sie brutal misshandelte und sie mit ihren eigenen Kleidungsstücken, oft mit dem eigenen BH, erdrosselte. Es sei ihm nicht nur um den Mord, sondern um die bewusste Wahrnehmung seiner Macht durch das Opfer in dessen letzten Lebensmomenten gegangen, fasst ein Experte die perverse Logik des Killers zusammen. Innerhalb eines Jahres fielen elf Prostituierte (acht in Prag, Graz, Lustenau und Wien, drei in Los Angeles) der Mordserie zum Opfer. Anfangs ahnte niemand, dass der gefeierte Autor erneut zum Killer geworden war.

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Casanova oder Killer? Die 2 Gesichter des Jack Unterweger
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Wie konnte ein Mann die Gesellschaft derart blenden?

Als die Schlinge der Ermittler sich langsam zuzog, zeigte Jack Unterweger sein wahres Gesicht. Eine Observation durch die Polizei scheiterte kläglich, teils, weil die Beamten nicht glauben wollten, dass der gefeierte Autor der gesuchte Mörder sein könnte. Unterweger nutzte die Panne und floh mit seiner blutjungen Freundin Bianca. Ihr Ziel: Miami. Inspiriert von der Kultserie „Miami Vice“, wollte er ein neues Leben beginnen. Doch die Realität sah anders aus: Während er eine Schreibmaschine für seine Memoiren besorgte, zwang er Bianca, in einer Striptease-Bar zu arbeiten, um die Flucht zu finanzieren. Die internationale Jagd war eröffnet und das Bild des Paares ging um die Welt.

Jack Unterweger im Februar 1992
Jack Unterweger nach seiner Festnahme in Miami im Februar 1992
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Die Fassade des manipulativen Genies bekam Risse. In einem fatalen Fehler kontaktierte Unterweger eine andere Freundin in Österreich, um an Geld und Medikamente zu kommen, und verriet dabei seine Adresse. Das FBI war ihm auf der Spur. In einer filmreifen Aktion observierten als Touristen getarnte Agenten das Paar. Als Bianca am 27. Februar 1992 das Geld bei einer Postfiliale abholen sollte, schlug die Falle zu. Unterweger, der um die Ecke wartete, erkannte die Lage sofort und schrie: „Lauf! Wir treffen uns zu Hause.“ Doch es war zu spät. Wenige Meter weiter klickten die Handschellen. Der Mann, der sich als überlegener Jäger inszenierte, brach im Polizeiauto zusammen und weinte „wie ein Baby“, wie ein US-Marshall sich erinnert.

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Am 29. Juni 1994 wurde Jack Unterweger wegen neunfachen Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Nur wenige Stunden nach dem Urteil nahm er sich in seiner Zelle das Leben – mit einem Knoten, der zu seinem grausamen Markenzeichen geworden war. Zurück bleibt bis heute die fassungslose Frage, wie ein Mann die Gesellschaft derart blenden und gleichzeitig so unvorstellbare Gräueltaten begehen konnte.

Verwendete Quellen: Casanova oder Killer – Die 2 Gesichter des Jack Unterweger