Zecken, Würmerlarven, fiese QuallenDiese Gesundheitsgefahren lauern beim Urlaub in Deutschland

An manchen Badeseen in Deutschland ist wegen Bakterien Vorsicht geboten (Archivbild).
An manchen Badeseen in Deutschland ist wegen Bakterien Vorsicht geboten (Archivbild).
picture alliance / ZB | Hendrik Schmidt

Nicht nur beim Urlaub im Ausland, auch in Deutschland lauern Krankheitserreger und Gefahren – ob beim Picknick, im Badesee oder am Ostsee-Strand.
Von Algen-Ausschlag bis Quallen-Quaddeln: Wir erklären, was wo kreucht und fleucht, wo ihr mit welchen Risiken rechnen müsst und wie ihr euch am besten davor schützt!

Salmonellen und Campylobacter: Die Gefahr steckt im Essen

Bakterielle Lebensmittelinfektionen haben in der Sommerzeit Hochsaison. Salmonellen werden vor allem durch unzureichend erhitzte Eier oder eihaltige Speisen sowie durch rohes oder nicht durchgebratenes Fleisch übertragen. Da reicht es schon, wenn Lebensmittel beim Picknick oder Grillen nicht gut gekühlt werden oder Keime vom Fleisch auf den Salat geraten. Die Folgen können Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen, Fieber oder Erbrechen sein. Hauptquelle für Campylobacterinfektionen ist unzureichend erhitztes Geflügelfleisch.

Fiese Feuerquallen in Nord- und Ostsee

Gelbe Feuerqualle, Gelbe Haarqualle, Gelbe Nesselqualle, Feuerqualle (Cyanea capillata), angespuelte Feuerquallen, Deutschland, Schleswig-Holstein | lions mane, giant jellyfish, hairy stinger, sea blubber, sea nettle, pink jellyfish (Cyanea capillata), washed up on the beach, Germany, Schleswig-Holstein
Gelbe Haarquallen (Feuerquallen) können bis an den Strand gespült werden, wie hier in Schleswig-Holstein.
H. Baesemann, picture alliance, blickwinkel

Eine Begegnung mit der Gelben Haarqualle, auch Feuerqualle genannt, kann für Schwimmer in Nord- und Ostsee unangenehm werden. Die Nesselkapseln in den Tentakeln können mit ihrem Gift allergische Reaktionen und Hautrötungen hervorrufen, auch bei toten Tieren. Gelbe Haarquallen sind im Oberflächenwasser der Ostsee eher selten, gelangen durch Wind aber manchmal in die Badebereiche.

Solltet ihr in Kontakt mit der Feuerqualle gekommen sein, spült betroffene Hautstellen zunächst vorsichtig mit Meerwasser ab. Süßwasser oder Alkohol sind tabu: Dadurch können weitere Nesselkapseln aufplatzen.

Kleben noch Tentakel auf der Haut, könnt ihr Sand oder Rasierschaum darauf geben, kurz antrocknen lassen und anschließend vorsichtig mit einer Plastikkarte oder einem Messerrücken abschaben. Nicht mit der bloßen Hand oder einem Handtuch darüberreiben! Bei Atemnot, Kreislaufproblemen, großflächigen Hautreaktionen oder starken Schmerzen solltet ihr sofort die Wasserwacht aufsuchen oder den Notruf 112 wählen.

Lese-Tipp: Gifttier-Alarm! Frankreich sperrt Strände

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

FSME: Hirnhautentzündung durch Zeckenbiss

Bernd Weißbrod
Oft werden Zecken erst entdeckt, wenn sie sich bereits festgesaugt haben.
deutsche presse agentur

In vielen Regionen Deutschlands, insbesondere im Süden und Osten, sind Zecken ein ernstzunehmendes Problem. Die kleinen Blutsauger können den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung.

Im Jahr 2025 wurden dem Robert Koch-Institut 693 FSME-Erkrankungen gemeldet. Das war die dritthöchste Zahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Auch die Zahl der Risikogebiete ist gestiegen. 2026 gelten 185 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete. Neu hinzugekommen sind der Landkreis Nordsachsen und die Stadt Halle (Saale). Auf dieser Karte seht ihr alle aktuellen FSME-Risikogebiete.

Weitere Zeckengefahr: Borreliose

Noch häufiger als FSME übertragen Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die zu Schädigungen der Nervensysteme und Gelenke führen kann. Die Bakterien kommen in Zecken in ganz Deutschland vor. Eine Impfung gibt es nicht.

Mögliche Anzeichen sind eine sich ausbreitende ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle, Fieber, Müdigkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Später können unter anderem Nerven, Gelenke oder das Herz betroffen sein. Früh erkannt, lässt sich die Infektion in der Regel gut mit Antibiotika behandeln.

Tragt bei Spaziergängen durch hohes Gras oder Unterholz möglichst geschlossene Schuhe und lange Kleidung. Nach dem Ausflug solltet ihr euren Körper gründlich absuchen. Achtet besonders auf Kniekehlen, Achselhöhlen, Leisten, Haaransatz und den Bereich hinter den Ohren. Auch Kinder sollten nach dem Spielen im Freien kontrolliert werden.

Video-Tipp: Supermodel kämpft seit Jahren mit Borreliose – diese Behandlung soll jetzt endlich helfen

Vorsicht beim Baden im Meer: Vibrionen lösen schwere Infektionen aus

 Bei Hitze in die Ostsee, wie hier gestern in Kuehlungsborn Ost am Strand *** In the heat in the Baltic Sea, as here yesterday in Kuehlungsborn East on the beach
Schwere Vibrionen-Infektionen sind selten – können im Ernstfall allerdings tödlich verlaufen.
www.imago-images.de, IMAGO/PEMAX, IMAGO/Peter Meißner

Als natürlicher Bestandteil salzhaltiger Meere kommen Vibrionen vor allem im Boden vor. Sobald die Wassertemperatur über 20 Grad Celsius steigt, vermehren die Bakterien sich sprunghaft. Vibrionen können beim Baden oder Wasserwaten in verletzte Haut eindringen und in seltenen Fällen schwere Wundinfektionen hervorrufen. Diese ist an einer Rötung, Schwellung oder Blasenbildung erkennbar. Die Infektion kann auch Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung verursachen.

In den vergangenen Jahren gab es an der Ostsee zahlreiche Erkrankungen und auch einige Todesfälle. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem oder mit chronischen Krankheiten. In Berlin ist diesen Sommer ein über 75-jähriger Mann an den Folgen gestorben.

Haut- und Schleimhautreizungen durch Blaualgen

Das Wasser des Prüßsees ist am 05.08.2015 in Güster (Schleswig-Holstein) von Blaualgen eingetrübt. Mit den gestiegenen Wassertemperaturen trüben zunehmend Blaualgen und Saugwürmer das Badevergnügen in Binnenseen. Auf die Massenvermehrungen von Blaualgen im Prüßsee wies der Kreis Herzogtum Lauenburg hin. Foto: Jens Büttner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Wenn das Wasser so aussieht wie hier: Lieber nicht baden gehen.

Sogenannte Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien. Bei warmem Wetter und nährstoffreichem Wasser können sie sich explosionsartig vermehren .Eine starke Belastung erkennt ihr häufig an grünlichem, bläulichem oder trübem Wasser, Schlieren, Algenteppichen oder einer Oberfläche, die wie Erbsensuppe aussieht. Eine einfache Faustregel des Umweltbundesamtes lautet: Steht ihr knietief im Wasser und könnt eure Füße wegen der Trübung nicht mehr erkennen, solltet ihr nicht baden.

Cyanobakterien können Haut, Augen, Ohren und Schleimhäute reizen. Wer belastetes Wasser verschluckt, riskiert Übelkeit, Durchfall oder Atemwegsbeschwerden. Kinder sind besonders gefährdet, weil sie beim Toben im flachen Wasser größere Mengen schlucken können .Beachtet deshalb Warnschilder und Badeverbote. Nach Kontakt mit verdächtigem Wasser solltet ihr gründlich duschen und die Badekleidung waschen.

Lese-Tipp: Gefährliche Tiere im Mittelmeer – diese Lebewesen sollten Urlauber kennen

Juckender Hautausschlag durch Zerkarien

ARCHIV - 19.06.2021, Berlin: Stand-Up Paddler fahren auf dem Schlachtensee. In diesem See wie in anderen Gewässern gab es in den Vorjahren Hinweise auf Saugwürmer im Wasser. Ihre winzigen Larven, die so genannten Zerkarien, treten vermehrt an Ufern mit vielen Pflanzen und Vögeln auf und können Hautentzündungen verursachen. Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bereiche mit üppiger Ufervegetation sollten im Wasser gemieden werden.
bsc, dpa, Christophe Gateau

Zerkarien sind die Larven kleiner Saugwürmer. Eigentlich dienen ihnen Wasservögel als Wirt. Sie können aber auch Menschen befallen: Dann dringen sie in die Haut ein, was zu starkem Ausschlag und Juckreiz führen kann, der sogenannten Badedermatitis. In der Regel ist diese ungefährlich, da die Zerkarien in der menschlichen Haut nicht überleben können und absterben; sehr sensible Menschen können allerdings mit Fieber oder sogar Schockzuständen reagieren.

Die Stadt Hamburg schildert auf ihrer Website einen typischen Zerkarienverlauf wie folgt:

  1. Nach einigen Minuten: prickelnder Juckreiz an den befallenen Stellen

  2. Nach 24 Stunden: rote Flecken mit einem Durchmesser von etwa 0,5 cm

  3. Zweiter und dritter Tag: juckende Quaddeln

  4. Nach einer Woche: kleine Pusteln, die langsam verblassen

  5. Nach zehn bis 18 Tagen: Abheilung der Hautveränderungen

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch juckreizstillende Mittel. Um einen Zerkarienbefall zu vermeiden, empfiehlt sich:

  1. Lange Aufenthalte in Flachwasserbereichen mit Ufervegetation vermeiden.

  2. Nasse Badebekleidung zügig ausziehen und Körper kräftig mit einem Handtuch abrubbeln – das verringert die Anzahl der möglicherweise anhaftenden Zerkarien mechanisch.

  3. Keine Wasservögel füttern: Eine zu hohe Population gefährdet das Gewässer und erhöht das Zerkarien-Risiko.

Legionellen: Keim-Gefahr im Wasserhahn

Water Saving at  Home
Achtung bei Wasserleitungen, die lange nicht genutzt wurden.
Dreamer Company

Eine Übertragung von Legionellen findet in erster Linie über kontaminiertes Trinkwasser statt. Die Leitungen von Gebäuden wie lange unbenutzte Ferienwohnungen oder das im Urlaub über Wochen verwaiste Zuhause bieten ihnen optimale Lebensbedingungen. Das Robert-Koch-Institut vermutet darin den Grund für den regelmäßigen Anstieg sogenannter Legionellosen in den Sommer- und Herbstmonaten. Eine Infektion findet in der Regel durch das Einatmen eines fein zerstäubten belasteten Wassernebels statt, etwa in Duschen, Whirlpools, durch Luftbefeuchter oder über Wasserhähne. Bei Verschlucken des Wassers werden die Erreger jedoch von der Magensäure abgetötet.

Legionellen können bei Menschen schwere Krankheiten auslösen – von grippeartigen Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen, Brustschmerzen sowie trockener Husten (Pontiac-Fieber) bis hin zu schweren Lungenentzündungen (Legionärskrankheit). Zusätzlich können Verwirrtheit. Durchfälle und Bauchschmerzen auftreten.

Um sich vor Legionellen zu schützen, sollte der Boiler eures Warmwassersystems auf mindestens 60 bis 70 Grad erhitzt werden, um zu gewährleisten, dass die Bakterien abgetötet werden. Wichtig ist auch, dass das Wasser in den Leitungen immer in Bewegung bleibt. Seid ihr also mehr als drei Tage nicht zu Hause, solltet ihr die Leitungen danach erst einmal durchspülen, indem ihr einige Minuten warmes Wasser laufen lasst und euch schnell vom Wasserhahn entfernt, um den Wassernebel nicht einzuatmen.

Verwendete Quellen: Robert Koch-Institut, Bundesinstitut für Risikobewertung, Umweltbundesamt, gesund.bund.de, Landesamt für soziale Dienste Schleswig-Holstein, Verbraucherzentrale