Pandemie-Experte ordnet ein

Wie schlimm wird Omikron wirklich?

Das RKI hat seine Coronavirus-Warnung aufgrund der raschen Verbreitung der Omikron-Variante aktualisiert.
Das RKI hat seine Coronavirus-Warnung aufgrund der raschen Verbreitung der Omikron-Variante aktualisiert.
© iStockphoto, DMEPhotography

21. Dezember 2021 - 16:45 Uhr

Hohe Gefährdung für die Bevölkerung durch Omikron-Variante

Omikron ist weiter auf dem Vormarsch. Die neue Corona-Variante verbreite sich "deutlich schneller und effektiver" als die bisherige Varianten des Virus, warnt das Robert Koch-Institut. Bioinformatiker und Pandemie-Experte Rolf Apweiler erklärt, wie sich Infektionszahlen wie in Großbritannien verhindern lassen und worauf wir uns einstellen müssen.

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"Es wird dramatisch werden, das steht fest"

Mit Blick auf Omikron erklärt Apweiler im Interview mit RTL: "Es wird dramatisch werden, das steht fest. Das Gute ist, dass man in Deutschland frühzeitig und wohl auch rechtzeitig Maßnahmen einleiten wird. Das ist ein guter Anfang und dann reicht hoffentlich die Zeit, um das weiter zu verschärfen, falls notwendig." Der Direktor des European Bioinformatics Institute (EBI) des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) hat die Bundesregierung in der Vergangenheit in Pandemie-Fragen beraten.

"Man kann nicht mehr verhindern, dass wir in Deutschland im Januar wieder auf sehr hohe Inzidenzen zusteuern", ist der Bioinformatiker überzeugt. Die Frage sei: "Wie schafft man es, dass wir eine Situation wie in Großbritannien verhindern können? Das heißt: Hoffentlich eher eine Verdoppelungszeit der Omikron-Infektionen von vier bis fünf Tagen oder mehr, anstatt unter zwei Tagen, wie jetzt zurzeit in Großbritannien."

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"300.000 bis 500.000 Neuinfektionen am Tag in Großbritannien im Januar nicht ausgeschlossen“

In Großbritannien habe man die Zeit leider nicht genutzt, "da wird es bitter werden". Die Frage sei nur, wie bitter. Jedenfalls höre in der dortigen Regierung im Moment niemand mehr auf die Experten.

"In Großbritannien, wo es so gut wie keine Restriktionen in den vergangenen Wochen gab, da hatte man bei Omikron Verdoppelungsraten von unter zwei Tagen", so Apweiler weiter. "Wenn man dort so weitermacht, dann sind 300.000 bis 500.000 Neuinfektionen am Tag in Großbritannien im Januar nicht ausgeschlossen", warnt der Experte.

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"Zeit kaufen ist das Essenzielle"

Apweiler rät, die Tatsache, dass wir noch ganz am Anfang der fünften Welle stehen, zu nutzen. "Jeder Tag, an dem man in Deutschland Zeit gewinnt und weitere Leute boostern kann, ist gut. Somit verhindert man, dass viele Menschen schwer erkranken. Zeit kaufen ist das Essenzielle", ist sich der Experte sicher.

Wie das Robert Koch-Institut auch, schätzt er die Gefährdung der Bevölkerung durch die Omikron-Variante vor allem für Ungeimpfte als hoch ein: "Was schrecklich werden könnte: Wenn Omikron auf Landstriche treffen wird, mit einem hohen Anteil Ungeimpfter. In solchen Gegenden braucht man dann sehr wahrscheinlich wieder einen harten Lockdown, der alle trifft, Geimpfte und Ungeimpfte."

"Man hat vielleicht noch ein 4-Wochen-Fenster, um angemessen zu reagieren"

"Anfang Januar wissen wir aufgrund der klinischen Daten aus dem UK einiges mehr. Wenn man jetzt hier genug Zeit kauft, dann hat man vielleicht noch ein 4-Wochen-Fenster, um angemessen zu reagieren", ist Apweiler überzeugt.

Mit Blick auf die heranrollende Omikron-Variante will die Bundesregierung kurzfristig neue Corona-Maßnahmen beschließen, die möglicherweise bereits ab dem 28. Dezember 2021 greifen. Der Bioinformatiker erwartet, dass man sich "dann aber Anfang Januar nochmal zusammensetzen muss, um gegebenenfalls rasch nachzulegen". (psa/nri)

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