Delta-Winter mit weniger Intensivbetten-Personal

Infektionsrisiko höher als im letzten Winter - Arzt appelliert an Ungeimpfte

Arzt und Medizinexperte Dr. Christoph Specht
Arzt und Medizinexperte Dr. Christoph Specht
© RTL

29. Oktober 2021 - 13:41 Uhr

Experten warnen wieder vor Überlastungen

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen wächst zurzeit wieder die Sorge vor einer Überlastung der Intensivstationen. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, und der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnen deswegen vor erneut steigenden Zahlen von Covid-19-Patienten. Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht über die derzeitige Lage - und was sie für das eigene Risiko einer Ansteckung bedeutet.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Sind die Warnungen vor einer Überlastung ernst zu nehmen?

"In der Tat haben wir jetzt eine seltsame Situation", sagt Specht im ntv-Interview. Auf der einen Seite seien wir jetzt besser dran, weil wir die Impfung haben. Darauf hatten alle gehofft, in der Annahme, dass damit die schweren Fälle deutlich weniger werden würden. "Und in der Tat, das kann die Impfung ganz gut, wenn sie auch die Infektion nicht verhindern kann. Aber wir haben auf der andern Seite wiederum eine ganz schlechte Situation, und zwar haben wir noch weniger Intensivbetten als zum Beispiel zur Höchstzeit im Januar 2021, ungefähr 4.000 Betten. Die sind zwar da, die sind aber nicht betreibbar, schlicht und ergreifend, weil das Personal fehlt."

Das bedeute, dass wir jetzt viel schneller in die Bredouille kommen können als letzten Winter, obwohl es gar nicht so viele Intensivpatienten sein müssen. "Und das ist natürlich unglaublich enttäuschend", so Specht.

Nehmen die Ungeimpften die Geimpften in Geiselhaft?

"Das wäre mir vielleicht ein bisschen zu hart", sagt der Mediziner. "Immer noch, wir haben keine Impfpflicht und ich wäre sehr dagegen." Man könne sich dagegen entscheiden, allerdings müsse man wissen, was man tut. "Und zwar gar nicht mal so sehr für die Gemeinschaft, sondern vor allen Dingen für sich selbst." Das eigene Risiko, sich gerade jetzt in diesem Winter zu infizieren, sei deutlich höher als im letzten Winter, so Specht.

Lese-Tipp: Studie der Uniklinik Dresden – Corona-Infektion erhöht Anfälligkeit für andere Krankheiten

Das liege daran, dass es der erste Winter mit Delta ist. "Das heißt, das Risiko sich anzustecken ist deutlich höher. Vor allem dann, wenn ich nicht geimpft bin. Und dann kommt natürlich hinzu, dass wir die Maßnahmen nicht mehr in der Fläche haben wollen. Das heißt, wir haben keine Kontaktbeschränkungen mehr in dem Maße, wie wir das vor einem Jahr hatten." Deswegen sollten sich alle, die jetzt nicht geimpft sind und es könnten, sich das doch noch mal überlegen, ganz im eigenen Interesse, appelliert der Arzt.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Haben Bundesregierung, Landesregierungen, Ärzteverbände versagt bei der Aufklärung?

Natürlich gebe es da Lücken, sagt Specht. "Aber die Frage ist, könnte man diese Lücken überhaupt füllen? Hätte man die Lücken vorher füllen können, könnte man es irgendwie besser machen?" Es habe wirklich so unglaublich viele Kampagnen und so viele gute Informationen gegeben, aber es sei nun mal in der Sache begründet, es gebe natürlich, gerade wenn es ums Impfen geht, auch ganz viele Falschinformationen.

Lese-Tipp: Aktuelle Umfrage – Mehrzahl der Ungeimpften lässt sich nicht umstimmen

"Das war immer schon ein sensibles Thema und jetzt natürlich erst recht", sagt der Medizinexperte. "Von daher wäre ich vorsichtig mit den Anschuldigungen. Ich glaube, man muss einfach damit leben, dass manche Menschen falsch informiert sind und sich möglicherweise auch weiterhin falsch informieren wollen." (ija)

Video-Playlist: Alles, was Sie zum Coronavirus wissen sollten