RTL-Redakteurin im Selbstexperiment

Heilfasten: Ohne Nahrung zum Körper-Kick?

19. Februar 2020 - 10:05 Uhr

von Anna van Doorn

"Tu deinem Körper doch mal was Gutes", denke ich. Zu wenig Sport, zu viel ungesundes Essen und vor allem: Ständige Kopfschmerzen belasten meinen Körper in den letzten Wochen. Was tun? Von einer Freundin bekomme ich mit, dass sie Heilfasten ausprobiert hat und total begeistert war. Also beschließe ich, die Entschlackungsmethode auch mal auszuprobieren.

Was dabei die größte Herausforderung für mich war, sehen Sie im Video.

Heilfasten soll Körper und Geist reinigen

Heilfasten gibt es in den verschiedensten Varianten. Alle haben eines gemeinsam: Sie sollen Körper und Geist "reinigen". Es soll nicht um Abnehmen gehen, sondern den Körper entschlacken und ihm helfen, sich zum Beispiel auf eine Ernährungsumstellung vorzubereiten. Klingt erstmal gut – der Haken: Beim Heilfasten nach Buchinger, das ich mir ausgesucht habe, darf man einige Tage absolut nichts essen. Minimum 5 Tage lang nimmt man nur Wasser, Tee, etwas Saft und Gemüsebrühe zu sich. Maximal 500 Kalorien am Tag sind erlaubt. Eingeleitet wird die Fastenzeit durch 2 Entlastungstage und eine Darmentleerung.

Tag 1 und 2: Ich starte motiviert... bis die Darmreinigung kommt

Ich bin hochmotiviert und haue den Einkaufswagen mit lauter gesunden Lebensmitteln voll. Schließlich will ich meinen Körper langsam darauf vorbereiten, dass er bald gar keine Nahrung mehr bekommt. Ich kaufe Obst und Gemüse, Haferflocken und außerdem schon ein paar Säfte: Tomaten-Gemüse-Saft würde sonst nicht in meinem Einkaufskorb landen, doch eins sei vorweggenommen: Im Laufe der Woche werde ich das Zeug noch dankbar schlürfen.

Die Entlastungstage klappen essenstechnisch super, ich esse nur kleine und gesunde Mahlzeiten, bin viel an der frischen Luft und mache ein bisschen Yoga. Trotzdem habe ich plötzliche fürchterliche Kopfschmerzen. Ist es nur mein übliches Problem oder meckert mein Körper schon über die reduzierte Zucker- und Koffein-Zufuhr? Und dann kommt auch noch der Part, vor dem es mir am meisten graut: Die Darmentleerung. Und ich kann das Prozedere nicht schönreden: Glaubersalz schmeckt widerlich - mehr dazu im Video. Und die häufigen Sprintszur Toilette sind nicht gerade Balsam für Körper und Seele. Aber Reinigung trifft's ganz gut!

Tag 3: Ich habe Hunger!

Ein bisschen gerädert starte ich in den Tag. Gut geschlafen habe ich nicht wirklich – aber Hunger auch nicht! Schon mal gut. Den Vormittag auf der Arbeit verbringe ich hauptsächlich mit zwei Dingen: Trinken und auf die Toilette gehen. Zur Mittagszeit gehe ich mit meinen Kolleginnen sogar in die Kantine und noch hält sich mein Futterneid in Grenzen. Doch später am Abend, als mein Freund sich eine köstlich duftende Pasta gönnt, schreit mein Magen nach Nahrung. Doch ich löffle nur meine Brühe in mich hinein.

Tag 4 & 5: Wann kommt das Heilfasten-Hoch?

Auch an den folgenden Tagen ändert sich nicht so viel. Trinken, Toilette. Trinken, Toilette. Morgens habe ich gar keinen Hunger und denke immer, ich bin über den Berg. Tritt jetzt endlich das beflügelnde Gefühl ein, von dem meine Freundin während ihrer Fastenkur schwärmte? Doch spätestens abends würde ich alles für einen knackigen Salat oder Kartoffeln mit Fischstäbchen tun. Außerdem ist mir ständig kalt, obwohl die Temperaturen draußen im Februar schon so tun, als sei der Frühling ausgebrochen. Doch ich halte durch. Denn eine Sache ist mir schon positiv aufgefallen. Ich brauche anscheinend weniger Schlaf und komme morgens viel besser aus dem Bett. Und auch nachmittags befinde ich mich nicht im Essens-Koma, sondern kann voller Energie weiterarbeiten.

Mein Gespräch mit dem RTL-Betriebsarzt Dr. Lorscheidt bestärkt mich ebenfalls, mein Projekt durchzuziehen. Er sagt, dass Heilfasten, aber auch zum Beispiel Intervallfasten, wirklich eine heilende Wirkung auf den Körper hat. Durch den Verzicht auf Nahrung und die Stilllegung werden Alters- und Krebsgene in der Erbsubstanz ruhiggestellt. Wow! Dafür nehme ich ein bisschen Magenknurren gerne in Kauf – und an Tag 5 ist auch das komplett verschwunden.

Tag 6 & 7: Ich fühle mich leicht und voller Energie

Und dann ist es soweit: Nach vier Tagen komplettem Nahrungsverzicht geht es mir super. Ich fühle mich leicht und beschwingt und habe das Gefühl, ich könnte noch viel länger weiter machen. Klar – ich habe schon Lust auf Essen, vor allem aus sozialen Gründen, aber ich quäle mich nicht und fühle mich total energiegeladen. So fit bin ich schon lange nicht mehr gewesen.

Trotzdem: Als das Fastenbrechen am Abend des siebten Tages naht, bin ich richtig aufgeregt, endlich wieder zu essen. Hoffentlich hat meine Kau-Muskulatur nicht komplett die Bewegung verlernt. Die ersten Bissen sind eine Geschmacksexplosion – mir fehlen fast die Worte. Außerdem fühle ich mich am Tisch nicht mehr so ausgeschlossen, es gibt schließlich kaum etwas Geselligeres, als gemeinsam zu essen.

Mein Fazit: Ich bin stolz, das Heilfasten durchgehalten zu haben, konnte neue Energie schöpfen und meine Motivation, so ein Prozedere zu wiederholen, ist erstaunlich hoch. Ich glaube, ich probiere jetzt Intervallfasten aus!